13.2.2017  Magda Leeb: ÜberLEEBen

© Rupert Pessl
© Rupert Pessl

 Magda Leeb gab letzten Montag in der Kulisse die Premiere zu ihrem ersten Soloprogramm "ÜberLEEBen". DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler wollte wissen, ob sein Zwerchfell die Lachattacken ihrer Stand-up-Comedy überLEEBen würde.  Die Kunst des lustvollen Improvisierens hat sie ja schon in mehreren Programmen mit ihrer Partnerin Anita Zieher bewiesen, zuletzt mit der "Zieher und Leeb-Tagesshow". Ob nun ihre erste Solo-Show erLEEBnisreich war, erfahren Sie hier.

 

 

Die erste Überraschung des Abends liefert nicht die Künstlerin, sondern das Publikum. Das akademische Viertel ist noch nicht verstrichen, da beginnt es den Auftritt einzuklatschen. Geduld ist eine Zier?! Sind es die Edelfans, welche den Beginn des Abends herbeisehnen, oder sind es LehrerInnen, welche es nicht gewohnt sind, dass nicht sie bestimmen, wann die "Stunde" anfängt? Magda Leeb hat nämlich ein zweites "künstlerisches" Standbein, nämlich Hauptschullehrerin. Für mich bedeutet es nämlich eine hohe Kunst im Wiener Raum sich diesem Beruf hinzugeben. Jedenfalls dürfte die Kollegenschaft an diesem Premierenabend zahlreich vertreten sein, was an den Lachstürmen zu diversen Schul-Insiderschmähs merkbar ist.

 

Doch nun endlich zu Magda Leeb selbst. Sie kämpft sicher nicht ums "ÜberLEEBen" auf der Bühne, denn sie funktioniert die Bühne zu ihrer Welt um - die ganze Bühne ist (ihre) Welt. Sie erzählt in ihrer ganz persönlichen Art und pointierten Weise über ihr LEEBen. Der Abend beginnt mit einer speziellen "Grußbotschaft" ihrerseits: "Ab einem gewissen Alter solle man gewisse Sachen nicht mehr machen", z.B. extreme Aufnahmepositionen bei Selfies. Die führen nämlich zu einem verrissenen Kreuz.

 

Apropos "Verreißen", da kennt sie auch gegenüber sich selbst kein Pardon. Selbstironie, nennt man das wohl - und von der besitzt sie eine ganze Menge. So beschreibt sie z.B. recht drastisch ihre zum Scheitern verurteilten Make-up-Versuche. Da tut sich eine offensichtliche Diskrepanz zwischen Traum (YouTube-Videos von Make-up-Artists) und Wirklichkeit (Ihr vergeblicher Kampf mit dem Concealer).

 

Aber zum Glück gibt es da einerseits ihr Publikum, welches ihr hilft "das Beste aus sich rauszuholen", andererseits, den Looper, ihr "narzisstisches Gerät". Beide dienen ihr zur Selbstverstärkung. Und zwar funktioniert das so:  Sie animiert das Publikum, ihr Sprüche zur "Selbstoptimierung" zuzurufen.  Schnell sind von ihr die A cappella-Beats mit dem Looper aufgenommen, über welche sie nun im fetzigen House-Stil die Wortspenden des Publikums zum Reinforcement verwendet. "Magda first!" - jawohl, am Puls der Zeit muss es sein! Naheliegend, dass es dann in weiterer Folge des Abends ein Trump-Bashing gibt, und zum Strache-Bashing ist es dann auch nicht mehr weit.

 

Nun eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Demagogen und fundierte Kritik dürfen wir von Magda Leeb nicht erwarten. Das Prinzip auf welchem ihr Programm aufgebaut ist, beruht vor allem auf Spontaneität. Es gibt zwar ein grobes Grundgerüst, aber das Programm LEEBt einerseits von den Wortmeldungen des Publikums und andererseits von den freien Assoziationen der ulkigen Leeb zu den unterschiedlichsten Themen aus ihrem Leben in der Vergangenheit und Gegenwart: Wie uncool man als Lehrerin auf Halbwüchsige wirken kann. Ihre Patschertheit als Ministrantin auf einem Jungscharlager. Ein Bastelworkshop, wo Teilnehmer vor allem abgezockt werden. Der Gruppenzwang bei Babyparties (Frühförderung, Ernährungswahn, Windelfreiheit), Skurrile Erlebnisse im 46er, usw.

 

Ihre (selbst)ironischen Welt-Anschauungen bieten einen bunten Fleckerlteppich. Und dies ist wörtlich zu nehmen, denn sie animiert das Publikum in der Pause ihre Wunschthemen auf Zetteln zu schreiben und auf den Bühnenboden zu legen. Magda Leeb bietet Impro-Comedy in Reinkultur. Dabei dienen ihre ad hoc produzierten Songs auf dem Looper als erfrischende Abwechslung: Eine Hymne für die Mütter "locker zu bleiben" im Samba-Rhythmus, ein Lied über "Sachen die man machen kann, aber nicht muss" oder über "Prokrastination" im "Der Kommissar"-Sound von Falco.

 

Magda Leebs pure Spielfreude und Improvisationslust ist zu jedem Zeitpunkt auf der Bühne spürbar. Es gehört schon eine gehörige Portion Risikobereitschaft dazu, sich jeden Abend aufs Neue dem Unerwartetem hinzugeben. Für die Fans hat ihr Spielstil einen riesen Vorteil: Es wird kein Abend wie der andere verlaufen und Überraschungen sind garantiert.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

Magda Leeb

 

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