9.2.2017  Leopold Toriser:  Spaß für Geld

(c) Foto: A. Friedmann, Grafik: Christoph Strasser
(c) Foto: A. Friedmann, Grafik: Christoph Strasser

"Ein kurzes, knackiges" zweites Programm inklusive Nachbesprechung präsentiert der sympathische Niederösterreicher Leopold Toriser im Theater am Alsergrund. Ob es nur den "Spaß für Geld" gibt oder ob Spaß auch gratis sein kann, hat sich DieKleinkunst-Redakeurin Margot Fink angesehen.

 

 

Ein origineller Einstieg ins Programm "Spaß für Geld": ein Satz, dann ist das Programm auch schon zu Ende, denn sobald man den ersten Satz auf der Bühne gesprochen habe, muss das Eintrittsgeld nicht mehr rückerstattet werden, meint der Künstler. Daher ist bei Leopold Toriser nach einem Satz Schluss, sozusagen ein "kurzes, knackiges" Programm. Natürlich ist nicht wirklich Schluss, es folgt nämlich die Nachbesprechung des Programms - genau analysiert werden Einleitung,  Hauptteil und Schluss des Programmes, und auch was zwischen den Zeilen/der einen Zeile (nicht) gesagt wurde, aber trotzdem klar ist -, wobei er feststellt: "Ich war sehr nervös und bin froh, dass es vorbei ist."

 

Man merkt, Leo Toriser macht sich gerne über sich selbst lustig. (Fast) das ganze Programm hindurch hinterfragt, kommentiert und schlussfolgernd er mit schelmischem Blick und zwinkernden Auges. Was ja auch sehr gut zum Titel "Spaß für Geld" passt. Einige wichtige Fragen stellt er in den Raum: Macht Geld Spaß? (Ja)  Was ist Geld? Was ist Spaß? Gibt es Spaß nur mit Geld? (Ja) Oder ist Spaß auch ohne Geld, also gratis, möglich? (Nein) ...  Es geht also um das, was 'Sie schon immer wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten'. Toriser, der abseits der Bühne als Archäologe arbeitet, stellt fest, dass Spaß subjektiv ist, der eine findet Staubsauger spaßig, der andere Sadismus, und dass es Spaß ohne Geld nur im Tierreich gibt, unter Menschen auf keinen Fall.

 

Seine Erkenntnisse untermauert er mit lustigen Zeichnungen, die er auf Flipchartpapier präsentiert. Leider werden sie in der ersten Hälfte zu oft eingesetzt  und machen den Großteil des Programms vor der Pause aus, so erwecken sie u. a. den Eindruck, sie sollen füllen, wo es kein Programm gibt. Ab und an eine witzige Zeichnung einzustreuen, zur Abwechslung, zur Verdeutlichung/Betonung ja, gerne, aber wenn das Mittel zum Zweck zum Selbstzweck wird und eine gefühlte Ewigkeit eine Zeichnung der nächsten folgt ohne roten Faden, dann wird es bald einmal fad und das Programm purzelt hinunter zu Schülerkabarettniveau. Dabei hätte er wirklich ein paar gute Ideen, wie etwa Tiere als Werbeflächen zu nutzen, etwa den Wal. Man stelle sich vor, Touristen in einem Boot sehen einen Wal auftauchen und dann gleich die Werbung "Marlboro" z.B., das wäre sehr einprägsam und werbewirksam.

 

Was in der ersten Hälfte nicht so gut geklappt hat, funktioniert in der zweiten Hälfte viel viel besser.  Der rote Faden vom Anfang des Programmes wird wieder aufgenommen, es geht wieder um Spaß für Geld, um die Spaß-für-Geld-Gesellschaft. Kinderserien werden kritisch betrachtet, Kinderbücher umgeschrieben ("Der kleine Prunz"), und auch die sogenannten Hipster werden durchschaut ("Sie nehmen sich ja selbst nicht ernst und sind so geworden, wie sie nie wollten.").

 

"Spaß für Geld" ist ein spannendes, erkenntnisreiches Programm, in dem deutlich wird, dass  Leo Toriser Wortspielereien und Zweideutigkeiten liebt und sich sehr viele gute und schlaue Gedanken macht, sehr kritisch sein kann, wenn es etwa um den Zustand der Welt geht, denn: nein, es steht nicht gut um sie, und in dem auch Eddingstift und Flipchartpapier eine tragende Rolle zukommt.

 

Am Ende schließt sich der Kreis, Toriser verdeutlicht sehr anschaulich, dass Spaß Geld kostet. Wie er das macht, sei hier aber nicht verraten. Also: hingehen, anschauen, Spaß haben für Geld.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

www.facebook.com/endzeitclown

 

Theater am Alsergrund