16.2.2017 Guggi Hofbauer: Perfekt UNperfekt

(c) www.kunstfotografin.at
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Ja ja, der Perfektionismus, der einem das Leben schwer machen kann. Man will ja eher perfekt als unperfekt sein, aber geht das überhaupt? Guggi Hofbauer wollte sicherlich auch eine perfekte Premiere ihres neuen Programmes Perfekt UNperfekt im Aera abliefern - das alles anders begann als gedacht und erwartet, weiß DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

 

Was hat man davon, wenn man zweimal den Soundcheck macht, ob eh alles passt, schließlich wird mitgefilmt, es gibt Einspieler im Programm, also sollte doch alles passen, nein, perfekt passen oder? Ja, was hat man von einem Soundcheck, wenn dann, wenn's darauf ankommt, die Technik spinnt. Headset aufgedreht, aber kein Ton kommt über das Mikro raus, irgendetwas stimmt da nicht. Guggi kommt raus, begrüßt das Publikum und will mit ihrem Programm beginnen und dann passiert genau das, und sie steht auf der Bühne, vor all den Leuten und der Techniker versucht währenddessen, den Fehler so schnell wie möglich zu finden. Da können Minuten zu gefühlten Stunden werden - doch alles ist gut, denn Guggi improvisiert, fängt mit dem Publikum zu plaudern an, reagiert auf Zwischenrufe - man muss sagen - das Publikum war darin auch richtig gut und hat ihr Futter gegeben. Trotzdem ist so eine Situation nicht leicht und Guggi Hofbauer hat sie mit Bravour gemeistert. Und irgendwie passt es doch auch zum Stück oder? Ein unperfekt perfekter Beginn ihres neues Programms!

 

Jedenfalls hat sie sich Gedanken zum Perfektsein gemacht, dabei kommt auch der Professor Ideenreich, Experte für alles und nichts zu Wort, der mit einem Sprachfehler die Perfektion erklärt und meint, nichts sei perfekt, außer die Vergangenheit, und diese sei imperfekt. Solche Wortspielereien mag Guggi Hofbauer und streut sie das ganze Programm hindurch ein.

 

Bei ihren Recherchen zum Thema Perfektion landet sie in einem 5 Sterne-Wellness-Hotel und begegnet dort einigen Figuren , die ihr Weisheiten mitgeben. Die italienische Putzfrau, die mit 6 Jahren ihre LIebe zum Putzen entdeckt hat und Meister Proper über alles liebt, sagt etwa, dass man einen Mann nehmen muss, wie er ist, ihn aber nicht bleiben lassen solle, wie er ist. Dieser Figur haben wir es auch zu verdanken, dass Guggi zu "Volare" ein Lied zum Thema Putzen singt, und zwar mit einer ganz tollen Stimme. Auch wenn die Figur der Putzfrau ein wenig zu lang geraten ist, teilt sie uns doch einige erfrischende und lustige Gedanken mit.

 

Sehr gut dargestellt ist die Figur des Unentschiedenen am Frühstücksbuffet. Er möchte alles richtig machen und hat Angst vor Fehlern, und da kann einen die Flockenauswahl beim Müsli schon fertig machen, denn die Fehleranfälligkeit wächst, je mehr Auswahl man hat.

 

Guggi Hofbauer trifft für jede Figur die richtige Tonart und Gestik, ein Highlight ist etwa das  Baby im Bauch der Schwangeren. Der naive Tonfall und die schlauen Gedanken sind eine geniale Mischung. Natürlich darf auch das Thema perfekter Körper (und in diesem Zusammenhang Photoshop) nicht fehlen, dazu trifft Guggi zwei Frauen im Beautybereich des Hotels, die eine Mutter, die andere Single, die Partnersuche-App Tinder bzw. die Männermit ihren Sprüchen, die dort herumschwirren, bekommen ihr Fett ab.

 

All diese Figuren geben Guggi Hofbauer die Gelegenheit, ihre Vielseitigkeit zu zeigen. Das Programm ist eine gute Mischung aus ernsten Gedanken, Gags, Musik, Gesang und Schauspiel. Das alles kann Guggi Hofbauer richtig gut und man sieht ihr auch die Spielfreude an. Es sind auch einige selbst geschriebene Lieder dabei, bei denen sie humorvolle und pointierte Texte mit einer - wie gesagt - tollen Stimme zum besten gibt.  Ein perfekter Abend! Eine gelungene Premiere!

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

Guggi Hofbauer

Aera