16.02.2017 Gerold Rudle: Captain Rudle

© Tim Rudle
© Tim Rudle

Gerold Rudle als Kapitän eines Schiffes, das Publikum als Schiffsreisende beim Captain's Dinner. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern war bei „Captain Rudle“ im CasaNova Teil dieses abenteuerlichen Manövers, um herauszufinden, wohin die Reise geht ...

 

 

 

In seinem neuen Soloprogramm „Captain Rudle“ wird gleich am Anfang klar, was das Publikum erwartet: Eine Schifffahrt. Der Kapitän ist kein geringerer als Gerold Rudle höchst persönlich, der dank seines kroatischen Küstenpatents mutig in See sticht. Stilecht gekleidet im quergestreiften Poloshirt und mit einigen Geschichten an Bord.

 

Auch thematisch ist das Programm eine Tour d'Horizon, Gerold Rudle spricht über seine Erlebnisse auf See, soziale Medien und deren Entwicklung, die Skurrilität mancher „Fortschritte“, Politik, Beziehungen, Frauen/Männer, die Sprache, Werbung und ganz am Schluss über sein Herzensanliegen: die Rettung der Wale. Dabei lässt er kein Stilmittel aus.

 

Seine Geschichten erzählt er mit vollem Körpereinsatz, er betätigt sich unter anderem als Sänger, Rapper, Politiker und Smutje. Da bleibt kein Auge trocken. Die plakativen Schilderungen, sein darstellerisches Talent, der Rollenwechsel und die Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann, sorgen für beste Unterhaltung. Nicht aber ohne auch einige Ansätze zum Nachdenken zu liefern.

 

Ist jetzt wirklich alles besser? Wie läuft die Kommunikation heute? – auf Facebook, zum Beispiel, muss man mit keinem mehr reden, kann aber alles sagen. Die Kommunikation wird immer schneller und unpersönlicher, man konzentriert sich nicht mehr auf sein Umfeld sondern auf das Smarthphone. Das war noch etwas, das alte Festnetz! Man muss es den Jüngeren zwar schon als geschichtliches Phänomen erklären, aber eigentlich war es sinnlos, denn wer will eine Wohnung anrufen? Und wenn es um die Person geht, sollte sie das Telefon mitnehmen können.

 

Großartig in jeder Hinsicht ist seine Politiker-Rede anlässlich einer Schiffstaufe. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind sicherlich nicht unbeabsichtigt und machen es dadurch noch lustiger. Die Ausführungen zum Thema Beziehungen sind natürlich klischeebehaftet, aber auch hier finden sich kleine Wahrheiten, in denen sich der Eine oder die Andere selbst wiedererkennen wird. Nur die Erkenntnis, dass „Ehe“ die Abkürzung für „errare humanum est“ ist, können hoffentlich nicht viele Zuseher/innen bestätigen ...

 

Sehr anschaulich und mit konkreten Beispielen untermalt beweist Rudle, dass Werbung sehr absurde Dimensionen annehmen kann. Am besten ist der vermeintliche Heiratsantrag – aber wofür dabei wirklich geworben wird, kann hier natürlich nicht verraten werden.

 

Überraschend gut sind die musikalischen Einlagen. Gerold Rudle singt, parodiert und rappt. Aus „Mandy“ wird eine Liebeserklärung ans „Handy“, der „Handyman“ darf nicht fehlen, und auch das Beatles-Medley zum Thema Beziehungsprobleme zeigt, dass Rudle singen kann. Begleitet wird er dabei auf der Gitarre von einem Freund, während er selbst mit einer Mini-Ausgabe dieses Instruments agiert.

 

Und keine Sorge: Die Zugabe entfällt – entgegen der anderslautenden Ankündigungen – nicht, und beinhaltet sowohl nette Gags als auch den einzigen wirklich ernsten Teil des Programms. Trotzdem wirkt unterm Strich gute Stimmung nach – was man auch am begeisterten Schlussapplaus festmachen kann.

 

Gerold Rudle liebt die Bühne. Gerold Rudle hat Spaß. Und das überträgt sich auf das Publikum. Ein kurzweiliger Abend, gute Unterhaltung und ein paar Denkimpulse. Aber nicht zuviele und nicht zu tiefgreifend, Probleme gibt es außerhalb des Veranstaltungsraumes genug. Deswegen hingehen, abschalten und sich einfach mitreißen lassen!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

 Gerold Rudle

 

CasaNova Wien