17.1.2017 Flüsterzweieck: Stabile Eskalation

(c)_MS-Kabarett_Niedermair
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Eine "Stabile Eskalation" - das kann es doch nicht geben, diese Mischung  passt doch nicht zusammen oder? Das Kabarett-Duo Flüsterzweieck (Ulrike Haidacher und Antonia Stabinger) aus Graz präsentierten ihr 4. Programm (Regie: Simon Windisch)  im Kabarett NIedermair vor ausverkauftem Haus. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink fand es weder "fad", noch "oam" oder "geil", sondern eher schräg, abgefahren und absurd.

 

 

Wenn das Konzept des Abends eine Flasche Bier ist, könnte das schon von einer gehörigen Portion Selbstironie oder von gespieltem fehlendem Ernst zeugen, den Ulrike Haidacher und Antonia Stabinger gegenüber ihren Rollen als Kabarettistinnen und gegenüber der Tatsache, auf der Bühne ein neues Programm präsentieren zu wollen, an den Tag bzw. Abend legen. Und wenn in den ersten Minuten Haidacher nur davon spricht, dass alles "fad" und "oam" im Sinne von "armselig" ist und durch diese negativen Assoziationen keine Stimmung aufkommt, springt in dem Moment  Stabinger gutgelaunt ein und bezeichnet alles als geil. (Obwohl "geil" hat sich seit einem gewissen penetranten Werbeslogan auch schon ziemlich verbraucht). Das Konzept des Abends wird relativ früh auch noch verworfen und Flüsterzweieck beschließen zu improvisieren, um das Publikum doch noch zu erfreuen bzw. bei Laune zu halten.

 

Dass ihr Programm "im positiven Sinn schräg und verstörend" ist, wie schon einmal auf "DieKleinkunst" geschrieben, diesem Motto bleiben sie auch in ihrem neuen Programm "Stabile Eskalation" treu. Das klingt auch nicht nach einem Kabarettabend im klassischen Sinne, ist es auch nicht, es ist anders, was die beiden mit schauspielerischem Talent, viel Fantasie und Sprachwitz auf die Bühne bringen, eine Handlung ist kaum erkennbar, Pointen sind eher rar, Gesellschaft und Politik werden nur kritisch gestreift, etwa in kurzen Kommentaren zur Bundespräsidentenwahl oder wenn sie ein Hassposting gegenüber einer Journalistin wiedergeben, in dem es heißt, dass ihr die „Gebärmutter raus gerissen und einem Neger als Haube aufgesetzt gehört“. Aber auch die Bobos werden nicht verschont: „Ich kann alle Nestlé-Produkte auswendig, damit ich sie nicht zufällig kaufe“ und es wird festgestellt, dass keine Bücher mehr gelesen werden und vielmehr gewischt als geblättert wird.

 

In der 2. Hälfte beglücken sie das Publikum mit einer Sketchparade, um die offenbar aufkommende Langeweile zu überspielen. Dabei gibt es Lehrsketches mit Moral wie etwa "zwei dicke Männer essen, einer kann keine Pantomime und verhungert". (Im Laufe des Abends entwickelt sich der Spruch, dass Antonia Stabinger keine Pantomime könne, sozusagen zum running gag.) Manches Dargebotene erschließt sich nicht bzw. nur schwer, zum Beispiel beißen sie sich minutenlang selbst in den Unterarm und spielen währenddessen den Sketch in der Brotfabrik: "Guten Tag, ich würde gerne Vollzeit arbeiten." "Vollzeit? Bei uns geht nur Vollkorn." Kann man lustig finden. Die Bissstelle samt Abdruck wird anschließend dem Publikum präsentiert und es folgt die Frage: "Finden Sie das oag?"

 

Es wird in "Stabile Eskalation" mit Erwartungen gespielt, mit Erwartungen an diesen Kabarett-Abend, an dieses Programm, mit Erwartungen an das Leben (da muss es ja noch mehr geben) und wie es sein soll und immer wieder wird nach dem "Mehr", nach dem Höher, Besser, Weiter, Toller, Extremer gesucht.  Auf der Suche nach dem Extremen, weil sonst alles zu fad ist, kommt Haidacher auch die Idee: „Ich möcht geil von den Toten auferstehen. Nicht so fad wie Jesus oder so oam wie ein Zombie!“ Na dann. Ein geiles Vorhaben! Wir wünschen gutes Gelingen.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

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