23.2.2017 BE-Quadrat: In den Beziehungskisten

© http://www.be-quadrat.at
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Das Programm von BE-Quadrat hat den Untertitel „Ein Mann. Eine Frau. Zwei Klaviere“. Damit wird schon deutlich signalisiert, dass hier Musik-Kabarett geboten wird. Nun ist dieses Genre ja derzeit nicht gerade „en vogue“. Ob sich hier eine leichte Trendumkehr ankündigt, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern in der Wiener Eden-Bar angesehen und vor allem angehört.

 

 

Bettina Bogdany und Bernhard Viktorin nennen sich BE-Quadrat, was ausdrücken soll, dass hier nicht nur zwei Künstler ihre Möglichkeiten summieren, sondern sogar potenzieren. Und um es gleich vorweg zu sagen: Das gelingt ihnen wirklich überzeugend.

 

Kennengelernt haben sie sich vor gut zwei Jahren, als Viktorin für ein Musikprogramm eine Partnerin suchte, die sowohl gesanglich, als auch am Klavier überzeugend sein sollte. Und mit Bettina Bogdany tat er wirklich einen Glücksgriff. Beide sind ausgebildete Musical-Darsteller und können sich also auf der Bühne bewegen. Es ist daher sicher kein Zufall, dass sie in den letzten Jahren sehr häufig auf Bühnen im In-und Ausland zu sehen waren und sich damit eine sehr gute Basis für ihre Kabarett-Auftritte geschaffen haben. Sie sind sich zwar noch nicht ganz sicher, ob sie das, was sie derzeit ihrem Publikum bieten und worauf sie sich auch in Zukunft konzentrieren wollen, auch wirklich Musik-Kabarett nennen werden, aber eigentlich ist das Etikett ja eher nebensächlich, wenn die Qualität des Produktes wie in diesem Fall so überzeugt.

 

Inhaltlich haben sie sich bei der Zusammenstellung ihres Programms vor allem auf zwischenmenschliche Beziehungen konzentriert – und das in einer lockeren und wirklich humorvollen Weise. Sie bringen zu Beginn zwei große Schachteln auf die Bühne, eben ihre „Beziehungskisten“, in denen verschiedenste Gegenstände aus ihrer Vergangenheit aufbewahrt sind und die sie zu den jeweiligen Liedern inspirieren. Dazwischen gibt es ziemlich witzige verbale Überleitungen, die allerdings in ihrer Qualität nicht ganz mit der musikalischen Seite mithalten können. Da aber gut 90 Prozent des Programms aus Musik besteht, stört das überhaupt nicht.

 

Die Themen mit denen sich die beiden Künstler auseinandersetzen, sind wirklich vielfältig. Da wird die Unsitte der inflationären Verwendung von Handys genauso thematisiert, wie die Schwierigkeiten bei einem Blind-Date. Wenn die Mutter ihren Sohn – viel zu häufig – anruft ergeben sich daraus ebenso skurrile musikalische Dialoge wie beim Solo von Bettina Bogdany über den „Tiger in ihrem Bett“, der sich dann als Stoffmaskottchen herausstellt. Überhaupt sind sie auch in Sachen Sex nicht prüde, aber in keinem Fall peinlich.

 

Es gibt jedoch auch sehr nachdenkliche Lieder wie „Pfiat di“, das Trennungen verschiedenster Art zum Inhalt hat, oder gefühlvolle Liebeserklärungen wie „Jedes Mal“, oder „Zu früh“. Besonders beeindruckend ist ihr musikalischer 8-Minuten-Spaziergang von der Gegenwart bis in die 50er-Jahre, bei dem eine große Zahl von Hits perfekt verwoben wird.

 

Überzeugend ist aber nicht nur die inhaltliche und musikalische Qualität ihrer Songs, sondern auch mit welcher Perfektion sie dargeboten werden: Virtuos an den beiden Klavieren, zwischen denen sie atemberaubend schnell wechseln oder auch gleichzeitig auf nur einem spielen, und stimmlich perfekt bringen sie beste Stimmung ins Publikum. Wie die Beiden „Männer sind Schweine“ darbieten, muss man gesehen haben. Bettina sitzt dabei vor Bernhard und spielt mit seinen Händen Klavier – und das absolut fehlerlos! Als sie dann als Zugabe noch ein Medley der großen Hits des Austro-Pop boten, war das Publikum in der „Eden“ restlos begeistert.

 

In nächster Zeit sind zahlreiche Auftritte vor allem im Großraum Wien geplant. Es lohnt sich wirklich einen davon zu besuchen und auch die weitere Entwicklung dieses sympathischen Duos zu beobachten. Genaue Informationen findet man auf der – überdurchschnittlich gut gestalteten. Internetseite von BE-Quadrat.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

BE-Quadrat

 

Eden Bar