Im Gespräch mit Thomas Maurer

© Ingo Pertramer
© Ingo Pertramer

 

 

 

 

Am 10. November hat das neue Solo-Programm „Der Tolerator“ von Thomas Maurer im Stadtsaal Premiere. Was der Terminator mit dem Tolerator zu tun hat, was Frank Stronach vor 25 Jahren in Kanada passiert ist und ob Thomas Maurer bei seinem mittlerweile 15. Programm abgeklärter ist, erzählte er vor Kurzem der DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

 

Du bist gerade von einer Vorpremiere zurückgekommen - wie laufen sie?

Ja, ich habe ein gutes Gefühl, es sitzt noch nicht alles, so wie es soll, es fehlt noch der letzte Rest blinde Selbstverständlichkeit. Noch muss ich ein wenig nachdenken, das nimmt die Konzentration ein wenig weg. Es kommt aber jetzt schön langsam die Phase, in der ich einfach auf die Bühne gehe und nicht mehr an den Text denke.

 

 

Wird es wieder - so wie z. B. bei Out of The Dark – visuelle Elemente geben?

 

Ja, es wird schon etwas Visuelles geben, aber es ist stilistisch ein wenig anders als bei  Out of The Dark, das hatte ja die Hochglanz- Fernseh-Comedy-Ästhetik bewusst gepflegt, es werden über einen Ipad projizierte Zeichnungen gezeigt, zwei bis drei zeichne ich live und ein paar vorher produzierte werden noch dazu gezeigt. Und es wird erstmals ein paar Musikinstrumente geben.

 

 

Du spielst selbst?

 

(lacht)

 

 

Welche Instrumente werden das sein?

 

Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: es werden ein Kazoo, eine marokkanische Trommel, eine Wandergitarre und ein Kinderkeyboard sein.

 

 

Beim Programmtitel Der Tolerator kamen mir Assoziationen wie: das klingt nach Maschine, wie ein Automat, und dann fiel mir dazu noch „der Terminator“ ein? Der Gute rettet die Welt vor dem Bösen, im Pressetext steht ja auch: vielleicht wird die Welt dann besser, wenn man toleranter wird.

 

Das ist eine verbreitete Annahme … (lacht)

 

 

… Sind meine Assoziationen richtig?

 

Der Anklang an den Terminator ist natürlich schon Absicht, weil es das Tolerieren zu etwas Aggressivem macht, zu einer Form des Kampfes, was es manchmal auch sein kann. Toleranz ist auch etwas, womit du deinen eigenen Status erhöhst, weil der, der toleriert, ist grundsätzlich der Person oder der Sache, die toleriert wird, überlegen. Toleranz ist ein erfreulich ungreifbarer ambivalenter Begriff, der sich als fruchtbar erwiesen hat. Tolerant zu sein, ist ja auch etwas, dass, wenn man es sich auferlegt, auch oft schlecht ausgeht.

 

 

Dazu passen die Fotos vom Plakat – da sieht man ja einen wütenden, verzweifelten Thomas Maurer.

 

Der wird im Programm auch vorkommen.

 

 

Wo liegt deine Toleranzgrenze?

 

Es geht gar nicht so sehr um meine persönlichen Befindlichkeiten. Ich benutze mich natürlich als Vehikel auf der Bühne. Ein paar Idiosynkrasien habe ich auch erfunden aus dramaturgischen Gründen. Es ist jedoch momentan de facto so, dass dieses Land gerade in zwei Hälften fällt, die sich gegenseitig nicht mehr gut aushalten – das ist ein Thema, dem ich mich sozusagen über das Bild der Toleranz auch annähere.

 

 

Mit deiner Idee zum Programm hast du die von dir gerade beschriebenen Grundstimmungen im Land aufgegriffen, ohne zu ahnen, dass es dann über den Sommer in den letzten Monaten und Wochen noch schlimmer wird. Flüchtlingspolitik, Wahlkampf, Wahlergebnisse werden, nehme ich an, in deinem Programm auch Thema sein?

 

Es wird eine Rolle spielen, aber es wird nur an der Peripherie tagespolitisch sein. Im Gesellschaftspolitischen geht es sehr konkret darum. Die Grundstimmung ist schon lange da, auch die Probleme gibt es schon lange, auch, dass es sich noch einmal zuspitzt, ist unübersehbar. Es geht aber  per se z. B. nicht um den Wiener Wahlkampf und die Wiener Wahl, auch wenn sie gerade stattgefunden haben.

 

 

Es ist dein 15. Soloprogramm, glaube ich, geht man da abgeklärter heran?

 

Nein, es wird ja nicht einfacher. Es ist auch von Programm zu Programm unterschiedlich. Es gab Programme, bei denen ich sehr früh eine grundlegende Idee hatte, die sich als tragfähig erwiesen hat, bei Äodili war die Idee so früh da, dass ich auch noch eine 3-wöchige Reise nach China machen konnte, bevor ich es geschrieben habe. Bei Neues Programm hatte ich sehr früh wirklich in einer Kaskade von Assoziationen die gesamte dramaturgische Grundstruktur und musste es nur mehr schreiben.

 

 

Bei Neues Programm hast du die frühzeitige Titelfrage ja genial gelöst.

 

Ja, das ist aber auch immer eine Glückssache. Bei Der Tolerator ist auch der Titel lange, bevor ich eine konkrete Vorstellung hatte, entstanden. Er hat sich als gedanklicher Reibepunkt als sehr fruchtbar erwiesen. Ich habe aber sehr lange keine Form gefunden und habe produziert, ohne zu wissen, in welche Richtung es gehen wird. Irgendwann hat es sich dann zu fügen begonnen, und ich bin zufrieden mit dem, was ich jetzt habe, weil ich ja doch den Ehrgeiz und Anspruch habe und das bisher auch immer eingelöst habe, und wahrscheinlich erwarten das auch die Leute von mir, dass die Programme sich voneinander entscheiden. Wenn man schon viel ausprobiert hat, wird es auch enger.

 

 

Wenn die letzte Phase von einem neuen Programm kommt, in ein paar Wochen ist ja die Premiere, -  wie sieht es mit deiner Erwartungshaltung aus, wird es greifbar für dich?

 

Ja, natürlich. Ich habe jetzt bis zum 10. November noch ein paar Einspielvorstellungen – ich bekomme schön langsam ein Gefühl dafür. In der letzten Phase sehnt man halt den Moment der schlafwandlerischen Sicherheit herbei, die erreichst du aber nur, wenn du probst und nochmal probst.

 

 

Wie geht es dir mit solchen „Naturtalenten“ wie Frank Stronach, fürchtest du da nicht, dass du arbeitslos wirst?

 

Der Stronach hat für die Staatskünstler viel hergegeben. Demokratiepolitisch fand ich es mehr als bedenklich, aber die Bizarrheit der Person hat es dann ja zu einem überschaubaren Schaden gemacht. Er hat es ja auch schon in Kanada vor 25 Jahren probiert. Es ist ein Strategiepapier seiner Gegner aufgetaucht, in dem gestanden ist, dass das wirksamste Mittel gegen ihn ist, ihn möglichst viel zu Wort kommen zu lassen.

 

 

Apropos Die Staatskünstler, die Sendung wird es im Dezember wieder geben?

 

Ja, aber nur einmal. Wir hatten 8 Sendungen ausgemacht, und mit ein paar Wochen Vorlaufzeit wurde uns mitgeteilt, dass nur eine Sendung im Dezember produziert wird.

 

 

Mit der Begründung?

 

Kein Geld. Songcontest. Es werden im Moment viele Eigenproduktionen gestrichen. Das betriebswirtschaftliche Ergebnis wird dafür „erfreulich“ sein.

 

 

Das ist schade! Wenn man an den Stellenwert und die Wichtigkeit von  satirischen Sendungen denkt! Satire im Fernsehen würde  viele Menschen erreichen.

 

Ich habe  Radiofeatures darüber gehört, dass die Sendungen von Jon Stewart, John Oliver mittlerweile als Informationsquellen dienen, in Deutschland gibt es als Adaption der US-amerikanischen Nachrichtensatire The Daily Show die heute-show,  auch Puls4 bemüht sich darum, und der ORF verzichtet auf die einzige Sendung, die er hat, obwohl unsere Sendung extrem erfolgreich war. Wir haben auch eine günstige Phase erwischt, in der gerade sehr viel los war.

 

 

Die Literatursendung mit dir wird es auch nicht mehr geben?

 

Die damalige Sendung wurde bei der größten Programmreform aller Zeiten einfach vergessen, aber momentan hätte ich sowieso gar keine Zeit mehr dafür. Die Sendung habe ich in einer ruhigeren Phase gemacht.

 

 

Kabarett auf der Bühne oder Fernsehen, gibt es da Präferenzen?

 

Kabarett ist derzeit ohne Alternative meine Hauptbeschäftigung. Ich habe aber die Abwechslung sehr gern, ich spiele auch gerne zu zweit, ich habe auch Die 4 da gerne gemacht. Ich würde schon gerne mehr drehen, doch der österreichische Besetzungsmodus ist ein für mich nicht lösbarer Algorithmus. Ich schreibe die Reportagen für A la Carte und eine Kolumne für das VOR-Magazin, also die Unterschiedlichkeit dessen, was ich tue, finde ich grundsätzlich super.

 

 

Lieber Thomas, danke fürs Gespräch!

 

Thomas Maurer