Im Gespräch mit Herbert Steinböck

(c) Leo Bauer
(c) Leo Bauer

Das neue Programm von Thomas Strobl und dir heißt „Aramsamsam“. Warum dieses Kinderlied als Titel des neuen Programms?

Das hat mehrere Gründe. Unser erstes Programm hieß „Tralala“. Das Programm haben viele Leute gesehen, wir haben es über 200 Mal gespielt, und der Titel „Tralala“ war ein Treffer,  weil er sehr ansprechend ist und sagt, was wir machen: wir jonglieren und spielen mit irrsinnig vielen  Musikzitaten, es ist also musikalisch, aber nicht zu viel, sondern es ist auch Kabarett. Wir wollten also wieder einen  fröhlichen, duftig luftigen Titel.  Die Überlegung war: wie nennen wir das zweite Programm? Wir wollen diese Schiene ja weitergehen, aber „Tralala2“ wollten wir es nicht nennen.

Irgendwann ist „Aramsamsam“ aufgetaucht, nämlich als ich mit meiner Tochter auf All Inclusive Urlaub war, sie will natürlich in die Kinderdisco und dort spielen sie dieses Lied auf und ab. Als ich es gehört habe, wusste ich, das ist der Titel für unser Programm. „Aramsamsam“  ist fast ein wenig „Tralala2“, genauso fröhlich. Es hat uns aber auch gefallen, weil dieser Titel vor allem für Leute, die Kinder haben,  Urlaub bedeutet. Man  assoziiert damit  All Inclusive Urlaub, Sonne und Meer.

Du nennst es auch All-inclusive Kabarett? Was bedeutet es?

Es bedeutet ein fröhliches, heiteres Programm, und es gibt uns den Raum für Nummern-Kabarett. Es braucht keinen großen roten Faden, das wollen wir nicht, sondern es soll kaleidoskopartig aus allen Ecken der uns zur Verfügung stehenden Unterhaltungsmöglichkeiten dem Publikum etwas geboten werden. Und beim Publikum sollen alle Sinne angesprochen werden, sodass sie nach der Vorstellung sagen: Das war jetzt Unterhaltung all inclusive.

Euer Anspruch ans Publikum ist, dass es in diesen zwei Stunden Sorgen vergisst und Spaß hat.

Ja, genau. Und das ist uns bei „Tralala“ ja schon gelungen. Ich halte nichts davon, dass wir die Leute auffordern, die Hände in die Höhe zu geben und mit zu klatschen. Das war auch schon bei Tralala die Herausforderung, und es ist uns gelungen, dass die Leute bei den diversen Musikzitaten freiwillig mitgesungen haben. Vor allem, sie haben Bilder zu den Liedern, wir singen meistens nur die Hookline, das Publikum wird also nicht mit einem ganzen Lied „belästigt“. Aber das Publikum singt manchmal weiter, obwohl wir schon wieder woanders sind.

Wenn man euch beide auf der Bühne sieht, merkt man schon, wieviel Spaß auch ihr habt.

Das muss sein, das haben wir bei diesem Programm auch, aber gleichzeitig haben wir  aber schon auch einen Anspruch - wir behaupten zum Beispiel, dass Wolfgang Ambros im arabischen Raum rauf- und runtergespielt wird, weil er der einzige Austropopper war, der seine Texte ins Arabische übersetzt hat, und wir beginnen, Wolfgang Ambros nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links zu singen. In der Vorbereitung war das Auswendiglernen mitunter das Schwierigste, was ich jemals in meinem Leben tun musste. Wir drehen es ja  komplett um. Alle Worte von den Liedern sind bekannt, aber du hast keine Assoziationsmöglichkeit, sondern du musst es Wort für Wort auswendig lernen. Wir wollen durchaus, dass das Publikum davon überrascht wird und nur mehr staunt.

Wir singen etwa zu Jaques Offenbachs Cancan, der wahnsinnig schnell ist, einen Zahnarztbesuch. Das ist ein Husarenritt, weil es so schnell ist, das Publikum soll aber jedes Wort verstehen, weil es ein lustiger Text ist. Das ist unser Anspruch – ich will das Publikum überraschen, und mich auch.

Ihr bastelt ja auch ein Liebeslied mit dem Publikum.

Ja, wir machen ein Spontan-Liebeslied. Es ist ja so, wenn man Liebeslieder  musikalisch betrachtet, sie sind immer nach demselben Muster gestrickt, es gibt  also Parameter, wie ich ein Liebeslied bastle. Und wir basteln es gemeinsam mit dem Publikum. Das ist für uns auch sehr unterhaltsam, weil das Publikum so lustige Einfälle hat, die sie hinausrufen. Gruppendynamisch passieren da Sachen, Männer möchten eine Traumfrau erschaffen, und beschreiben sie, sagen etwa, sie hat 60 kg und die Frauen halten dagegen und rufen hinaus: und sie ist 1,90m groß, oder sie hat einen Oberlippenbart und schielt. Am Ende kommt dann meistens ein Zombie-Liebeslied heraus. Wir bauen das alles in das Liebeslied ein, und da merken die Leute, dass es nichts vorher Geprobtes ist, sondern dieses Lied tatsächlich erst an diesem Abend auf der Bühne entsteht, weil wir ihre Zurufe, zum Beispiel den Oberlippenbart, einbauen.

Wie war eure Probenarbeit?

Da sind wir wieder beim Thema All Inclusive. Wir haben beide Kinder, und wenn wir arbeiten möchten, ist das hier schwierig. Deshalb sind wir – so wie auch schon bei „Tralala“ - im Jänner in Ägypten auf All Inclusive Urlaub gewesen. Da war kein Mensch, nur wir. Wir waren auch am Strand alleine und haben dort mit Laptop und Gitarre geprobt, auswendig gelernt, Brainstorming gemacht, getextet, das war optimal. Es kam auch vor, dass wir erst am Abend Ideen hatten und dann bis in die Nacht hinein gearbeitet haben, das ginge hier mit Familie nicht.  

Stichwort Musikzitate – wie sucht ihr sie aus?

Wir haben zuerst eine Idee, wie könnten wir etwas machen,  und dazu suchen wir die passenden Lieder. Ich nenne dir ein Beispiel: Wir haben eine ganze Nummer, bei der wir sagen: Es gibt so viele Melodien und so viele Hits, aber nicht alles, was eine Melodie ist, wird ein Hit. Wir drehen die Geschichte um: Warum ist was ein Hit geworden, und was hätte passieren müssen, damit es keiner wird? Wir behaupten zum Beispiel, dass es keinen Schluss gibt oder dass auch die richtigen Namen notwendig sind - „Living next door to Jutta“ wird kein Hit. Oder zum Beispiel welche Lieder kann man beim Sex nicht spielen, „Du entschuldige i kenn di“  kommt da nicht gut an.

Ihr habt ein riesiges Musikarchiv im Kopf?

Ich sage von mir, ja, ich habe eins, aber Thomas Strobl, da er von der Musik kommt, ist eine lebende  Musikenzyklopädie, er ist ein Goldschatz, eine Fundgrube. Ich muss sagen, bei unserer Zusammenarbeit ergänzen wir uns perfekt. Ich komme vom Kabarett, vom Schauspiel, vom Theater und kann gut abschätzen, was lustig ist und was nicht bzw. was gut klappt. Und der Thomas ist der, der sagt, glaub mir, das Lied kennt jeder, das geht sicher gut. Wir hatten Voraufführungen, bis jetzt waren wir ja im Probenstadium mit kleinem Publikum (70-80 Leute), bei denen wir ausprobiert haben, was funktioniert und was funktioniert nicht oder was funktioniert wie, zum Beispiel das Liebeslied. Da arbeiten wir mit dem Publikum, das müssen wir natürlich mit Publikum ausprobieren.

Das Herausstreichen ist ein Problem?

Ja, natürlich. Aber da musst du hart zu dir selbst sein. Deshalb haben wir ja auch zwei Regisseure. Der Andi Bartel, unser Techniker, der schon so lange mit uns unterwegs ist und weiß, was wir können und was nicht. Er hat die Hauptregie gemacht, und sozusagen ein Supervisor, ein Regulativ war Gerold Rudle, der genau weiß, was ein Schmäh ist und was nicht, der mich in- und auswendig kennt, und mittlerweile auch den Thomas gut kennt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Thomas Strobl entstanden?

Wir haben gemeinsam im Kabarett Simpl gespielt und in den Pausen und zwischen den Doppelvorstellungen gemeinsam gesungen, er hat dabei auch Gitarre gespielt. Wir sind ja in etwa gleich alt, haben daher auch den gleichen Musikgeschmack,  und ich kenne auch sehr viele Lieder, aber natürlich nicht so gut wie er.

Kann man sagen, ihr habt euch künstlerisch gefunden, Thomas Strobl  und du?

Ja, absolut. Wir passen ideal zusammen. Nur im Unterschied zu Steinböck & Rudle – da waren wir ja nur ausschließlich Steinböck & Rudle -, machen wir nicht ausschließlich dieses Projekt, sondern jeder von uns macht auch andere Projekte. Thomas musiziert zum Beispiel mit Viktor Gernot bei den „Best Friends“, er hat noch ein zweites Duo mit dem Rainer Sokal, und auch ich spiele ja an der Volksoper. Und im Sommer spiele ich in Haag bei den Sommerfestspielen im Stück von Michael Niavarani die Hauptrolle, bei dem Werner Sobotka Regie führt – darauf freue ich mich schon sehr.

Du bereust es nicht, den Lehrberuf aufgegeben zu haben?

Nein, überhaupt nicht, ich war gerne Lehrer, aber das, was ich jetzt mache, macht mir noch mehr Spaß: die kreative Komponente und Leute zu unterhalten, mit ihnen Spaß zu haben und mit zum Beispiel 200 Leuten einen lustigen Abend zu verbringen. Oder wenn ich an der Volksoper singe: Es ist ein Wahnsinn, wenn 50 Musiker für dich spielen und du darfst mit ihnen ein Lied singen, das ist so ein Geschenk.

Es ist eine hohe Kunst, ein gutes Programm zu liefern, mit sehr viel Vorbereitung und Arbeit.

Ja genau. Da bin ich aber noch der Lehrer, ich gehe nicht hinaus und sage: Egal, wir machen einfach. Meiner Meinung nach schaut ein Programm nur dann luftig, duftig, leicht und improvisiert aus, wenn du ein engmaschiges Netz hast, auf dem du springst. Mit dem Gerold war das schon so, wir hatten ja den Ruf, wir seien die Mathematiker des Kabaretts. Wenn ich abweiche und improvisiere, kein Problem, jederzeit, ich will ja nicht, dass jeder Abend gleich aussieht. Aber ich kann jederzeit wieder zurück.  

Wie viele Instrumente werden in eurem neuen Programm gespielt?

Es gibt nur Gitarre,  Ukulele, Kazoo. Ukulele und Kazoo spielen wir gemeinsam, etwa bei  Welthits, bei denen wir der Meinung sind, in unserer Version wären sie nie Hits geworden – wir spielen „Also sprach Zarathustra“ oder „Chariots of Fire“, oder den „Radetzkymarsch“ mit Ukulele und Kazoo.

Bist du nervös vor den Auftritten?

Nervös ist das falsche Wort, das hat so etwas Beunruhigendes. Ich würde sagen, es gibt eine Grundspannung - manche nennen es vielleicht Lampenfieber -, ohne die möchte ich nicht auf die Bühne gehen, das erzeugt eine Konzentration und Spannung. Wenn es mir egal wäre, dann sollte ich den Beruf wechseln.

Und Lampenfieber gibt es bei jeder Vorstellung?

Ja, selbstverständlich! Das ist bei jeder Vorstellung so, es kann  immer etwas passieren, es ist ja live. Auch das Publikum ist immer anders. Du kannst zweimal dasselbe Programm spielen und hast völlig unterschiedliche Abende. Mir muss klar sein, was ich auf der Bühne tue, und mit der ganzen Energie und Kraft, die mir zur Verfügung steht, muss ich es präsentieren. Dabei bin ich vollkommen konzentriert und gespannt, um entspannt zu spielen.  Ich möchte es schaffen, den Leuten, die ja mit unterschiedlichen Gefühlen in die Vorstellung kommen - müde, gut, schlecht, frustriert, was auch immer -, ein Gefühl mitzugeben, wenn sie nach Hause gehen, nämlich dass sie sagen können: Jetzt geht es mir gut, und auch schon während der Vorstellung sollen sie sich wohlfühlen. Und das muss ich auch aus mir herausholen, um ihnen das so klarzumachen. Und das ist jeden Abend anders und jeden Abend spannend.

Lieber Herbert, vielen Dank für das Gespräch!

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

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