Im Gespräch mit Gerald Votava

Die jüngeren Kabarettfans assoziieren mit deinem Namen „Projekt X“ von FM4. Gab es davor auch schon kabarettistische Lebenszeichen?

Meine ersten medialen Arbeiten war „Montevideo“ (Anm.: Idee Baier/Ruzowitzky) im TV, das war 1994, also noch vor „Projekt X“.

Den Humor, welchen du in diesen beiden Sendungen pflegst, ist schon recht skurril. Wie würdest du selbst die Art deines Humors beschreiben?

Es ist ein Humor, der in die Metaphysik geht und in Metaebenen jeglicher Abstufungen (ironisierend). Natürlich hab ich einen eigenen Humor, der Grundlage meiner kindlichen Entwicklung gewesen ist. Schon als Kind hab ich, oft unbewusst, Menschen parodiert. An die erste Parodie, an die ich mich bewusst erinnern kann, war so mit 18 Jahren - die vom damaligen Bundeskanzler Kreisky. Ich hab’ aber nie richtig politisches Kabarett gemacht. Ich hab mich mit Schulfreunden durch Humor über die ganze Schulzeit sozusagen gerettet. Dadurch, dass ich ein humanistisches Gymnasium besucht habe, war das ein Humor, der an „veralterter Bildung“ angesetzt hat.

Prinzipiell denk ich aber nicht darüber nach, wie mein Humor beschaffen ist und setze auch keinen Rahmen in dem Sinn. Die Grenzen sind dort, wo die Geschmacklosigkeit beginnt, aber das ist eher eine Sache des Bauch- und Taktgefühls.

Um auf dein Soloprogramm zu kommen: Wie kommt es überhaupt zu seinem Titel „Narzissmus und Tiere“?

Ich habe mir gedacht, wenn ich eine Bühne wie den Stadtsaal bespiele, dann sollte es ein Thema sein, das interessant wirkt, aber auch breitenwirksam ist. Ich besitze ja seit einem Jahr eine Hündin (Anm.: ein Huskey) und, wenn ich mit dieser unterwegs bin und auf Fremde treffe, so kommt man über das Tier irrsinnig leicht ins Gespräch mit anderen Leuten. Meine Hündin ist wirklich attraktiv. Wenn sie dann aber meinen, „Wow, DER ist aber schön“, dann denk’ ich mir als MANN immer, die können nur MICH meinen (mit einem Augenzwinkern). Die Menschen befriedigen damit also immer sehr stark meinen Narzissmus.

Mir fällt außerdem auf, seitdem ich abgenommen habe (Anm.: Einerseits gesundheitlicher Wunsch, andererseits Vorbereitung auf einen Filmdreh der in der Nachkriegszeit spielen wird), dass in mehr als 90% der Fälle mich die Menschen darauf ansprechen. Das Körperliche, und damit schon auch das Narzisstische, ist also schon ein sehr interessantes Thema. Der Narzissmus kann sich natürlich auch in sexueller oder pekuniärer Attraktivität ausdrücken. Aufgrund meiner Lebenserfahrung hab ich überhaupt das Gefühl, dass der Narzissmus in unserer Gesellschaft eine immer größere Bedeutung einnimmt.

Die zwei Themenkreise „Narzissmus“ und „Tiere“ meines kommenden Programms spielen also soziologisch und psychologisch eine große Rolle für die Menschen. Lustigerweise hatte ja auch das Philosophicum Lech beide Begrifflichkeiten bereits zum Thema: „Tiere – der Mensch und seine Natur“ 2012 und „Ich – Der Einzelne in seinen Netzen “ 2013. Die Art und Weise wie wir uns in sozialen Netzwerken darstellen, z. B. sein „Gfrieß“ ins FB stellen, ist auch in einer Weise ein narzisstischer Avatar.

Das sind  also die Ebenen, wie es zu diesem Titel gekommen ist.

Und ich dachte, du willst in dem Programm den Tieren narzisstische Züge unterstellen! Die Frage ist, ob Tiere überhaupt eitel sein können?

Tja, die Frage ist, ob z. B. Tiere überhaupt ihr eigenes Spiegelbild wahrnehmen können. Also ich glaub nicht, dass man Tieren Narzissmus unterstellen kann, aber der Blick der Menschen auf die Tiere, das hab ich bei den Erlebnissen mit meinem Hund so stark erlebt, das ist unfassbar, wie das funktioniert und welche Rolle die Schönheit von Tieren spielt.

Was dürfen sich nun die Leute von deinem Programm erwarten? Ich hoffe kein Philosophicum…

Nein, keine Sorge. Ich werde eine Geschichte erzählen, von einem Menschen, der in eine Welt hineingeboren ist, in der er alles hat, was narzisstische Bedürfnisse befriedigt, dem aber dann das Herz das Blut nicht durch die Adern pumpen will und der stirbt dann. Eine Verbindung zwischen Tier und Mensch in der Geschichte ist - weil es inzwischen technisch machbar ist -, dass er ein Schweineherz hat. Das ist die Ausgangsposition der Geschichte.

Es ist dein erstes Soloprogramm und das gleich in dem großen Stadtsaal. Wie geht es dir damit?

Nein, meine ersten Soloerfahrungen habe ich bereits 1998 mit „Gerald und Chantal“ im Niedermair und dann in der Kulisse gesammelt. Bereits damals lernte ich Andreas Fuderer kennen, welcher ja schon seit Jahrzehnten der Geschäftsführer des Niedermairs ist und nun auch Mitbegründer des Stadtsaals war. Natürlich werde ich hier vor der Premiere fleißig ausprobieren, wie man die Geschichte in diesen großen Räumen am besten erzählt. Die Vorbereitungen machen mir große Freude, und das Erarbeiten des Stücks ist sehr spannend.

Du hast ja insofern Heimvorteil, da du mit der Band „Familie Lässig“ schon oftmals hier aufgetreten bist.

Ja. Zusätzlich hab ich mit größeren Bühnen insofern Erfahrung, als das Rabenhoftheater schauspielerisch die letzten Jahre meine Heimatbühne war und ist.

Du hast, wenn es um das Kabarettistische geht, bis jetzt eher ein jugendliches Publikum angesprochen, wie z. B. mit „Projekt X auf FM4. Hast du dir überlegt, wen du mit Narzissmus und Tiere ansprechen willst?

Ich möchte, dass alle Menschen willkommen sind, also dass ich die Sprache so wähle und die Bilder und Geschichte so spaßig vermittle, dass, wer auch immer das Programm besuchen kommt, Spaß daran haben möge. Ich will mir sozusagen nicht aussuchen, wer mein Programm besucht und mir vorher auch nicht anschauen, welchen Bildungsweg der Mensch gegangen ist.

Wenn man gedankliche Leistungen voraussetzen möchte, dann muss das einfach Spaß machen, so wie das z. B. der Gunkl macht. Sein letztes Programm hat mich wahnsinnig inspiriert, weil er es zuwege bringt, erkenntnistheoretische Prozesse mit Ironie zu vermitteln.

Du bist ja auch Musiker, wird es auch musikalische Anteile in deinem Programm geben?

Ich denke schon, in welcher Form, das ist noch nicht ganz fix.

Im TV warst du zuletzt komödiantisch in „Schlawiner“ zu sehen. Die Serie ist beim Publikum sehr gut angekommen. Wird es da eine weitere Staffel geben?

Ich hab schon den Eindruck, dass noch eine weitere Staffel für die Entwicklung meiner Figur gut wäre, natürlich auch für die anderen Figuren. In der ersten Staffel hat man die Gruppe kennen gelernt, dann ist vieles auseinander gebrochen in der zweiten Staffel, andererseits hat der Walter Fritschek dann erstmalig Gefühle zu einem anderen Menschen entwickelt … Ob es eine weitere Staffel gibt, weiß ich aufs Erste aber nicht.

Um jetzt auf dein Programm wieder zurück zu kommen. Eine einfache Frage, welche aber vielleicht gar nicht so einfach zu beantworten ist: Warum „müssen“ die Leute unbedingt in dein Kabarett kommen?

Das ist eine gute und wichtige Frage … Es gibt natürlich die verschiedenartigsten Gründe, sich Narzissmus und Tiere anzuschauen. Es wird ein „leiwander“ Abend mit einer spannenden Geschichte und schöner Musik sein. Und ich hoffe, die Leute werden den Raum bereichert verlassen, und noch „schöner“ rausgehen, als sie reingegangen sind -  um den Narzissmus zu befriedigen (lacht).

Ein besseres Schlusswort hab ich selten gehört (lacht ebenfalls). Ich wünsche dir jedenfalls viele „narzisstische“ Erfahrungen mit deinem neuen Programm!

Gerald Votava

Premiere „Narzissmus und Tiere“ im Stadtsaal am Fr. 23.1.2015