Im Gespräch:  Fritz Aumayr  -  5 Jahre Stadtsaal

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Es war eine der erfolgreichsten Kleinkunstgründungen der letzten Jahre: Am 3 Jänner 2016 wurde der Wiener Stadtsaal fünf Jahre alt. Das war auch der Anlass für ein Gespräch, das DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern mit Fritz Aumayr, gemeinsam mit Andreas Fuderer Mitbegründer dieser erfolgreichen Institution, führte.

 

 

Versuchen wir doch zu Beginn eine Begriffsklärung. Sie sind ja so etwas wie der „Godfather“ des Wiener Kabaretts. Was verstehen Sie denn unter diesem Begriff?

 

Kabarett ist eine satirische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Zuständen. Es sind politisches Bewusstsein, Humor und seismographische Einfühlung erforderlich. Im Idealfall sollte man dem Zeitgeist entgegenwirken und gesellschaftliche Entwicklungen vorwegnehmen. Und diese Inhalte werden dann im Kabarett noch zusätzlich satirisch überhöht.

 

Dann gehen wir doch bitte einen Schritt weiter. Was ist denn Kleinkunst? Ist das ein weiterer Begriff?

 

Das ist überhaupt eine eigenartiger Begriff. Das denke ich mir immer beim Deutschen Kleinkunstpreis. Da gibt es die Sparten Kabarett, Kleinkunst, Comedy und Chanson. Ursprünglich wollte man vermutlich mit möglichst wenig technischem Aufwand einen Abend gestalten.

 

Sie selbst haben Ihre Tätigkeit mit Kabarett begonnen?

 

Ich komme eigentlich aus dem Bereich der Gruppe Schmetterlinge. Dort ging es vor allem um das politische Lied. Und genau zu dieser Zeit kam es 1976 zur Arena-Besetzung. In der Folge kamen wir dann zu dem Schluss, dass wir uns mehr Auftrittsmöglichkeiten erarbeiten müssen. Einige Zeit später, genau 1980, habe ich deshalb mit Unterstützung der Schmetterlinge und von Kulturstadtrat Zilk die Kulisse gegründet. Es gab dafür einen einmaligen 30 prozentigen Investitionszuschuss der Stadt. Dann habe ich mich gemeinsam mit Wolfgang Teuschl um das Spektakel gekümmert. Das Vindobona habe ich 1988 gegründet.

 

Haben Sie diese Kabaretts gleichzeitig geführt?

 

Nein ich habe immer wieder gewechselt, wenn es Bedarf an größeren Veranstaltungsstätten gab. Das Vindobona war für damals ,mit 320 Plätzen ideal. Leider hat es bei meinem Nachfolger nicht mehr geklappt, weil er unbedingt einen Kabarett-Center mit 3 Sälen realisieren wollte. Aber das war damals unmöglich. Die Stadt ist nicht eingesprungen und die Folge war ein Konkurs. Damit gab es ein Vakuum, denn Orpheum und Kulisse konnten den Bedarf nicht mehr decken. Also sollte ein neues, zentral gelegenes Haus gegründet werden.

 

Sie haben sich also auf die Suche gemacht. Wie kamen Sie dann auf den Stadtsaal?

 

Das war ein glücklicher Zufall. Ich habe sehr lange erfolglos gesucht und während eines Kuraufenthalts hat mir der Besitzer dieses Hauses den Veranstaltungssaal angeboten, in dem damals der Verein für Konsumenteninformation untergebracht war. Ich habe mir das Objekt 2010 angesehen und war sofort davon überzeugt. Die Umbaukosten habe ich auf etwa 800 000€ geschätzt und 1 Million ist es dann geworden. Und dann hatte ich noch einmal Glück, denn der Geschäftsführer des VKI war Franz Floss, ein Studienkollege. Wir wurden und rasch einig und halfen dann auch noch dem VKI bei seinem Umzug an derselben Adresse.

 

Wie lange hat dann der Umbau gedauert?

 

Das ist erfreulich rasch gegangen. In 4 Monaten war das Wichtigste erledigt und am 3.Jänner 2011 haben wir eröffnet.

 

Damit kommen wir zur Programmierung. War es klar, dass die österreichischen Kabarettisten hier auftreten würden?

 

Ja, schon vorher haben alle begeistert zugesagt. Das hat dann auch praktisch funktioniert und heute haben wir im gesamten deutschsprachigen Raum kein Problem interessante Künstler zu engagieren. Dazu beigetragen hat sicher auch, dass Josef Hader bei uns eingestiegen ist und seine Beziehungen verstärken natürlich unsere Möglichkeiten. Das wird durch Till Hofmann, ebenfalls ein Partner, ideal ergänzt. Das hat sich auch beim Besuch ausgewirkt, der von Jahr zu Jahr besser wurde. Heute stehen wir bei 86% Auslastung und das bei 420 Plätzen. 2015 haben wir 550 000 Karten verkauft.

 

Hängt das auch damit zusammen, dass die Künstler bei Ihnen - wenn überhaupt - nur in kurzen Serien auftreten?

 

Ja, das ist uns wichtig. Auch Programme, die extrem stark nachgefragt werden, gibt es nur in kurzen Serien, also maximal dreimal hintereinander.

 

Wie kommt der Mix verschiedener Kleinkunstbereiche zustande?

 

Schwerpunkt ist natürlich das Kabarett. Dann hat Musik einen gewissen Stellenwert und da auch das neue Wienerlied. Hier gibt es auch eine Kooperation mit „Wean hean“.

 

Gibt es öffentliche Förderungen für den Stadtsaal?

 

Nein, wir bekommen keinerlei öffentliches Geld, obwohl das in diesem Bereich extrem unüblich ist. Über die Gründe will ich mich nicht näher auslassen, aber wir kommen zum Glück auch so ganz gut über die Runden. Es hat wahrscheinlich auch etwas mit verletzten Eitelkeiten zu tun. Aber so ist es nun einmal. Wir haben übrigens auch keinen Baukostenzuschuss für den Umbau bekommen.

 

Zurück zum Spielplan. Wie viele Tage pro Jahr bieten Sie hier Programm?

 

Wie spielen an 320 Tagen und dazu kommen auch Doppelvorstellungen wie Matineen, Gesprächsreihen und die Literaturschiene bisher in Zusammenarbeit mit Radio Wien. Hier könnte sich in absehbarer Zeit eine Zusammenarbeit mit Ö1 ergeben. Außerdem denke ich darüber nach, den Bereich „Poetry Slam“ einzubauen. Damit erreicht man ein junges, urbanes Publikum besonders gut. Wir starten demnächst mit Julia Engelmann. Dieser Auftritt war übrigens sofort ausverkauft. Wir versuchen eben für junges und älteres Publikum Angebote zu erstellen. Das geht auch bis zu Axel Zwingenberger. Und ab Mitte August 2016 wird es wieder ein witziges Sommertheater so etwa für zwei Wochen geben. Lassen Sie sich überraschen.

 

Wie sieht denn das Verhältnis Stadtsaal-Nachwuchskünstler aus?

 

Durch die Größe unseres Saals sind wir definitiv nicht die beste Plattform dafür. Aber mein Partner Andreas Fuderer bietet im Niedermair dafür die besten Voraussetzungen. Dazu kommt der Vorteil, dass es für dieses Kabarett auch Förderungen gibt, weil dort auch Kindertheaterproduktionen stattfinden und so auch das Kabarett infrastrukturell davon profitiert.

 

Wann steht denn das Veranstaltungsprogramm tatsächlich fest?

 

Zu einem Teil arbeiten wir schon an 2017. Aber wir haben natürlich einen gewissen Spielraum und die meisten Künstler sind auch verständnisvoll wenn es zu Kollisionen kommen sollte. Auch mit deutschen Künstlern funktioniert es immer besser, denn das Interesse des Publikums steigt erkennbar. Ich wundere mich selbst, wie schnell manche Programme ausverkauft sind, wobei die Information vor allem über das Internet und das gedruckte Programm erfolgt.

 

Auch die Infrastruktur im Stadtsaal ist sehr erfreulich. Welchen Stellenwert hat denn für Sie der Gastronomiebereich?

 

Einen durchaus wichtigen. Ohne diesen Bereich hätten wir vermutlich gewisse finanzielle Schwierigkeiten. Hier darf man sich nicht übernehmen, indem man einen richtigen Küchenbetrieb aufzieht. Wir verstehen uns als erweiterter Buffetbetrieb mit kleiner Karte, was erfreulicherweise sehr gut ankommt. Außerdem haben wir ein, wie ich glaube, interessantes Weinangebot.

 

Mir fällt auf, dass Sie an sehr vielen Abenden persönlich anwesend sind, obwohl der größte Teil der Arbeit ja vermutlich tagsüber anfällt.

 

Ja, das habe ich mit meinem Partner Andreas Fuderer beschlossen, dass immer einer von uns beiden anwesend ist, und das vor allem aus Respekt den Künstlern gegenüber. Wirklich notwendig ist es selten, denn wir haben hier ein fantastisches Team, das seit Jahren zusammenarbeitet und zu unserem Erfolg ganz entscheidend beiträgt.

 

Unter diesen Voraussetzungen kann man also davon ausgehen, dass man Sie noch lange als einen der Leiter das Stadtsaals erleben wird.

 

Ja, davon können Sie ausgehen. Solange es mir gut geht, wird man mich hier antreffen.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

www.stadtsaal.com