Im Gespräch mit: Thomas Maurer, Armin Wolf, Guido Tartarotti von der Karl May-Boygroup

(c) Ingo Pertramer
(c) Ingo Pertramer

Die Abenteuerromane von Karl May sind zwar nicht mehr brennend aktuell, dennoch gibt es derzeit ein kleines Revival. Zu Weihnachten hat zunächst RTL eine – übrigens ziemlich missglückte - „Winnetou“-Neuverfilmung gesendet und schon einige Zeit vorher haben sich vier sehr unterschiedliche Fans zusammengetan um ein Karl May-Programm auf die Bühne des Rabenhofs zu bringen. Thomas Glavinic, Thomas Maurer, Guido Tartarotti und Armin Wolf lautet die eher ungewöhnliche Kombination. Mit ihnen – Glavinic war leider noch auf Urlaub – sprach DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern über Karl May, sein Leben, sein Werk und vor allem natürlich über das geplante Programm.

 

 

Meine Herren, oder besser meine weißen Brüder, zunächst möchte ich ihnen ein Zitat vorlesen. „Winnetou ist eine moraltriefende und einfältige Geschichte und ein hochstaplerischer Roman“. Was sagen Sie dazu?

 

Guido Tartarotti: Wer hat denn so etwas gesagt?

 

Der Kurier-Redakteur Wilhelmer anlässlich des Starts von Winnetou auf RTL.

 

Tartarotti: Wilhelmer ist an sich ein sehr lieber Kollege, aber er muss auch nicht immer recht haben.

 

Thomas Maurer: Er hat zwar wahrscheinlich recht, aber trotzdem....

 

Der Vorwurf Hochstapler stimmt ja. May war ja vorsichtig gesagt ein Aufschneider. Muss das Werk einer Künstlers mit seinem realen Leben übereinstimmen?

 

Armin Wolf: Sicher nicht, aber bei May war ja das ein Problem, dass er behauptet hat, alles was er geschrieben hat, wäre wahr. Rowling z.B. behauptet ja nicht, dass sie Harry Potter sei. Jetzt regt das aber ohnehin niemanden mehr auf. Früher allerdings schon. Er hat ja z.B. darauf bestanden, 1200 Sprachen zu beherrschen.

 

Zurück zum RTL-Projekt. Wie hat Ihnen denn diese Verfilmung gefallen?

 

Einstimmig: Fürchterlich!!!

 

Maurer: Ich war schon mit den alten Filmen nicht glücklich. Mich hat nämlich sofort gestört, dass Old Shatterhand im Film nicht bärtig war. Und die Handlung ist auch schon damals entscheidend von der Vorlage abgewichen.

 

Tartarotti: Ich hab Karl May mit etwa 6 Jahren durch meinen Großvater kennengelernt, der mir die Geschichten vorgelesen hat. Von den Filmen war ich dann fürchterlich enttäuscht.

 

Wolf: Ich hatte schon vor dem ersten Film, den ich gesehen und auf den ich mich wahnsinnig gefreut habe, einige May-Bücher gelesen. Als der Film dann im Fernsehen gelaufen ist, war ich zunehmend empört. Ich weiß noch genau, dass ich im Nachspann gelesen habe „nach einem Roman von Karl May“, daraufhin zu meinem Vater gelaufen bin und gesagt habe: Das müsste heißen „trotz eines Romans von Karl May“.

 

Tartarotti: Pierre Brice als Winnetou war allerdings sehr in Ordnung. Genauso habe ich ihn mir vorgestellt.

 

Damit zum geplanten Programm. Wie ist es denn zu dieser Idee gekommen?

 

Maurer: Armin Wolf und ich wurden vor einigen Jahren vom „Format“ anlässlich des 100.Todestages von May interviewt.

 

Tartarotti: Und ich habe in einem Buch von Thomas Glavinic gelesen, dass er die Bücher von Karl May mag und habe dann den Fehler gemacht, zu Thomas Gratzer vom Rabenhof zu gehen und ihm dieses Projekt vorzuschlagen.

 

Maurer: Allerdings muss ich zugeben, dass das „Wiederlesen“ einige Erinnerungen zerstört hat. Es war streckenweise nämlich wirklich etwas mühsam.

 

Tartarotti: Wir haben uns für das Programm Themenblöcke zurecht gelegt, die wir je nach zur Verfügung stehender Zeit abarbeiten werden.

 

Maurer: Interessant wird z.B. das Kapitel „Karl May und die Frauen“ sowie sein Verhältnis zu Winnetou.

 

Wolf: Da gibt es ein Buch über Frau Pollmer, das in einer unfassbaren Art bösartig ist. Seine spätere Frau war ja übrigens deren lesbische Freundin. Und May hat dann einfach die Partnerinnen getauscht.

 

Kommen auch die Romane, die im Nahen Osten spielen, in Ihrem Programm vor?

 

Wolf: Ja, das werden wir selbstverständlich auch berücksichtigen, wenn auch der Schwerpunkt im Wilden Westen liegen wird. Es gibt übrigens einen ultimativen Test, ob jemand ein echter Karl May-Leser ist, nämlich ob er fehlerfrei den vollen Namen von Hadschi Halef Omar kennt. Wir werden übrigens versuchen, das mit dem Publikum zu üben.

 

Wird auch der Vorwurf an Karl May berücksichtigt, besonders nationalistisch geschrieben zu haben?

 

Maurer: May war ein geschmeidiger Opportunist und hat katholisch geschrieben, wenn es verlangt wurde, obwohl er ein Protestant war. Er war ein ideologisches Chamäleon, was man auch daran sieht, dass Hitler ein großer Karl May-Fan war und seine Bücher sogar als Ratgeber zur Kriegsführung benützt hat.

 

Es gibt ja auch das Gerücht, dass sich Hitler 1912 den letzten Vortrag Karl Mays, übrigens nur wenige Tage vor dessen Tod, in Wien angehört hat.

 

Wolf: Sicher ist jedenfalls und das zeigt die ganze Bandbreite Karl Mays, dass Bertha von Suttner anwesend war.

 

Tartarotti: Allerdings gibt es auch zahlreiche Stellen in seinen Texten, die beweisen, dass er schwer rassistisch war. Wie er z.B über Schwarze schreibt. Sie sind bei ihm zwar treuherzig, aber unglaublich beschränkt und faul und können auch nicht vernünftig reden. Auch Chinesen sind hässlich und verschlagen. Gleichzeitig betont er aber an vielen Stelle, dass Gott alle Menschen mit gleichem Wert geschaffen hat.

 

Wie sieht denn die Zielgruppe Ihres Programms aus?

 

Wolf: Das bleibt abzuwarten, aber es würde mich wundern, wenn viele 12jährige im Publikum wären (lacht herzlich!). Vermutlich ist Karl May heute ziemlich „uncool“, aber seine Figuren kennt trotzdem jeder. Er ist irgendwie die Helene Fischer der Literatur. In dem Programm werden wir übrigens auch einige sehr interessante Fotos zeigen, z.B. Karl May in verschiedenen Verkleidungen.

 

Wenn alles klappt, sind dann mehrere Abende geplant?

 

Wolf: Hoffentlich können wir dann jahrelang auf Tournee gehen und unsere Jobs aufgeben. Spaß beiseite. Wir wollten einen Versuch starten und wenn es funktionieren sollte, dann gibt es sicher Möglichkeiten weiter zu machen, obwohl die Terminabstimmung für uns vier etwas schwierig sein wird, denn wir haben ja alle schon einige andere Abendtermine fixiert.

 

Taratarotti: Beide Vorstellungen sind allerdings schon seit langem ausverkauft. Das liegt sicher daran, dass man uns vier in eher ungewohnten Rollen sehen kann, aber auch daran, dann Karl May immer noch einen – wenn auch etwas perversen - Zauber ausstrahlt.

 

Herr Wolf, Sie sind ja der einzige Neuling für diese Art von Live-Auftritten. Wie sehr freuen Sie sich denn darauf?

 

Wolf: Also, wenn der erste Abend gut läuft, dann werde ich mich auf den zweiten wirklich sehr freuen. Ich halte ja auch Vorträge und deshalb schreckt es mich nicht, lebende Menschen vor mir zu sehen, aber das hier ist doch etwas anderes. Ich blamiere mich nämlich nicht gern, das hat mich schon als Kind gestört.

 

Tartarotti: Bei mir ist es genau umgekehrt. Wenn ich wie Armin vor der Kamera säße und wüsste, dass mit 400000 Menschen zusehen...

 

Wolf: 600000. Wenn du dich schon irrst, dann bitte doch nach oben.

 

Tartarotti: ... also wenn mir eine Million Menschen zusieht, dann käme ich vor Panik nicht mehr aus dem ORF-WC.

 

Gibt es für diesen Abend eigentlich einen festen Text?

 

Maurer: Auch. Wir haben natürlich Moderationstexte, aber vor allem werden wir uns gegenseitig Originalzitate vorlesen und dann darüber reden.

 

Wolf: Und dann gibt es noch die Zuspielungen. Ich habe z.B. einen Anglistik-Professor zur Frage interviewt, ob man bei Karl May Englisch lernen kann. Er meinte, dass könne man, wenn man damit auskommt, primär Ausrufe des Erstaunens und der Empörung zu verwenden (Gelächter!). Tatsächlich stimmen alle von May verwendeten englischen Begriffe, nur das Wort „Indsman“ hat er erfunden.

 

Maurer: Dann wird es noch das Thema „Karl May und die Kulinarik“ mit einem renommierten österreichischen Koch geben.

 

Tartarotti: Georg Werthner, der ehemalige österreichische Meister im Zehnkampf soll uns die Möglichkeiten des Anschleichens auf Fingerspitzen zeigen, aber wir wissen noch nicht, ob das mit ihm zeitlich klappen wird.

 

Wolf: Und es wird auch eine musikalische Überraschung geben, denn ein wirklich renommierter Musiker wird das „Ave Maria“ spielen, und zwar die von May komponierte und getextete Version, und damit eine stimmungsvolle Abrundung diese eigenartigen Abends bieten.

 

Ich danke Ihnen für dieses wirklich interessante Gespräch.

 

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

Rabenhof Theater