Im Gespräch mit Christian Hölbling

(c) christian hölbling
(c) christian hölbling

In weniger als einer Woche, am 17.9.2015, feiert der Kabarettist Christian Hölbling mit seinem neuen Programm "Ich kann auch anderst!" Wien-Premiere im Kabarett Niedermair. DieKleinkunst hat dies zum Anlass genommen, um mit Christian Hölbling über die steirischen Wurzeln, den Humor in Kärnten und die Figuren im neuen Programm zu sprechen.

 

Dein neues Programm heißt „Ich kann auch anderst!“ - worauf beziehst du dich?

Dass es einen Hölbling neben dem Helfried gibt. Und das Wort "anderst" ist ja eigentlich falsch, aber manche sagen so. Das soll darauf hinweisen, dass nicht alles perfekt ist, dass sich in der Emotion Fehler einschleichen. Das Fehlerhafte ist ja die Nahrung des Komikers.

Warum  geht Helfried nach 15 Jahren auf der Kabarettbühne „in Pension“?

Ich habe einfach das Bedürfnis, vieles zu zeigen, was mit der Kunstfigur so nicht möglich ist: eine andere Art von Geschichten, andere Lieder, auch andere Emotionen. Das ist nach so langer Zeit echt wohltuend, befreiend, lustig. Außerdem gibt es Helfried als Figur ja weiterhin, etwa als Moderator des Humorfestivals Velden oder der "Strengen Kammerlichtspiele". Eine gelungene Figur entsorgt man nicht. Ich gebe ihr nur andere Aufgaben.

War es schwierig, die Figur des Helfried, die dich so lange begleitet hat, gehen zu lassen und etwas ganz anderes im neuen Programm zu machen?

Überhaupt nicht - viele Ideen haben mich schon lange begleitet, und das Programm hat sich fast von selbst geschrieben. Auch zu meiner eigenen Überraschung. Mein Humor hat sich ja nicht verändert, er hat nur eine andere Form gefunden.

Back to the roots im neuen Programm - was ist darunter zu verstehen?

Einerseits die Form des Kabarett-Solos mit sehr österreichischer Prägung, andererseits auch die Beschäftigung mit meiner Herkunft aus der rauhen steirischen Industrieregion. Ich mache mich ziemlich über mich selbst lustig, etwa mit dem "Sir", der irrtümlicherweise in eine Arbeiterfamilie hineingeboren wird.

Wirst du ganz „du selbst?“ auf der Bühne sein oder bleibst du dem Figurenspiel treu?

Es gibt zahlreiche Figuren, die sich aus meiner Erzählung heraus entwickeln, etwa ein tüchtiger Telekom-Verkäufer, ein zynischer Anwalt, eine kontrollierende oberösterreichische Oma oder mein Kapfenberger Bandleader.

Was darf sich der Kabarettbesucher, die Kabarettbesucherin von diesem Programm erwarten? Wird es eher in Richtung Musikkabarett gehen?

Die Musik macht ein Viertel des Programms aus und hat eine sehr hohe Qualität. Man hat echt den Eindruck einer Swing-Band im Wohnzimmer. Aber im Grunde geht es um einen Menschen mit Familie und Beruf und um seine Nöte in einer Gesellschaft, die sich immer mehr beschleunigt und immer unübersichtlicher wird. Dass dieser Mensch ich bin, gibt dem ganzen halt eine Komik.

Gibt es eine persönliche Lieblings- bzw. Hassfigur in deinem neuen Programm?

Ich hasse keine meiner Figuren, sonst könnte ich sie nicht spielen. Die stärkste ist sicher mein Bandleader Mike aus Kapfenberg. Der hat die dankbare Rolle des sehr drastischen, aber sehr ehrlichen Goschingers. Eine herrliche Rolle!

Du bist 2001 nach Kärnten gezogen - kann es da nicht passieren, dass man den Humor verliert bei den Zuständen, die dort geherrscht haben? … Oder ist es gerade der Humor, mit dem man dagegen ankämpfen kann?

Beides stimmt. Ich habe mich teilweise grün und vor allem blau, später dann orange geärgert. Die Zustände sind ja unvorstellbar, selbst jetzt im Nachhinein. Ich wusste, entweder muss ich gehen oder mit meinen Mitteln kämpfen, also mit den Mitteln der Sprache, der Satire, der Kreativität. Das habe ich versucht, und das hat mich auch erleichtert.

Anfang Oktober findet wieder das Humorfestival in Velden statt – wie siehst du die Entwicklung des Festivals? Es war ja sicher schwierig, so ein Festival in Kärnten zu etablieren. Und was erwartet die Besucher dieses Jahr?

Die ersten vier Jahre waren irrsinnig mühsam. Das Konzept, internationale Künstler, die teilweise nicht so bekannt sind, in den Süden Österreichs zu bringen, ist mit harter Überzeugungsarbeit verbunden. Andererseits hatten wir auch eine kleine, aber treue Fangemeinde. Seit zwei Jahren haben wir das Gefühl, das Festival hat sich etabliert. Aber man kann nie zu sicher sein. Wir sind nach wie vor sehr auf den Besuch angewiesen, die Finanzierung ist ein Balanceakt. Unsere Besucher lieben die Mischung aus Kleinkunst, Comedy, Varieté, Live-Musik und Helfrieds Moderation. Ich kann natürlich alles empfehlen, sonst wäre ich ein schlechter Direktor. Einfach auf www.humorfestival-velden.at schauen!

Ein Steirer spricht Kärntnerisch, wie fühlt sich das an, ist das nicht ein Sakrileg?

Privat rede ich nach 14 Jahren in Kärnten immer noch nicht Kärntnerisch. Da gibt es einen inneren Abwehrkampf. Und was nicht wirklich von innen kommt, wäre aufgesetzt. Das Bruckerisch meiner Herkunft rede ich übrigens auch nicht. Durch das ausgiebige Tourneeleben habe ich mir offenbar ein optimiertes Salonsteirisch zugelegt. Beide Dialekte kommen aber in meinem neuen Programm vor und sind sehr gut geeignet, bestimmte Emotionen zu erzeugen. Aber es bleibt Satire.

Lieber Christian, danke für das Gespräch!

 

zur Website von Christian Hölbling

Kabarett Niedermair