17.02.2016  Thomas Franz-Riegler: Aundas

http://www.eiffelbaum.com/version2014/portfolio-item/thomas-franz-riegler/
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Letzten Mittwoch begab sich DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler in zweierlei Hinsicht auf Entdeckungsreise. Einerseits bot sich mit Thomas Franz-Riegler, gemäß des Titels seines Soloprogramms, ein Künstler, der etwas "Aundas" ist, als die anderen. Andererseits ist der Veranstaltungsort, das Konzertcafé Schmid Hansl, vielleicht das gemütlichste Kaffeehaus Wiens. Beste Voraussetzungen einen stimmungsvollen Abend zu erleben.

 

 

Das Schmid Hansl kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon seit 119 Jahren existiert an diesem Ort ein Café. Sein heutiger Name geht auf den Wienerlieder-Interpreten Johann Schmid zurück, welcher das Lokal 1952 neu eröffnet. Bald entwickelte sich das Kaffeehaus zum beliebten Künstlertreffpunkt. Es ist ein Lokal nach meinem Geschmack: Geölter Parkettboden, vergilbte Tapeten mit einer Menge Fotos, welche zu einer Zeitreise einladen, gedämpfte warme Beleuchtung, gepflegtes Bier und - ganz unwienerisch - eine sehr bemühte Zahlkellnerin.

 

Aber nun zum Hauptakteur des Abends, Thomas Franz-Riegler. Der Mostviertler hob sich schon im Finale des Goldenen Kleinkunstnagels 2015 im Theater am Alsergrund durch seine hohe Musikalität und den Zwischentönen seiner Wortwahl hervor. Sein Leben ist seit dem sechsten Lebensjahr durch und durch von Musik bestimmt. Bereits während seines Musikstudiums und danach spielte er Schlagzeug und Percussions in verschiedensten Bands. Es offenbart sich dabei ein weiter musikalischer Bogen von Jazz (LA Bigband, Punches&Judies), über Folkrock (Tuskulum), Neuer Volksmusik (Stoahoat&Bazwoach, Xnund) und Sabine Stieger (Global Kryner).

 

Für Ordnungsfetischisten und In-Kasterl-Denkern wird Thomas Franz-Riegler dadurch zu einen "Problem", denn er ist musikalisch äußerst schwer zu schubladisieren - er ist eben "Aundas". Nun fragt man sich, wie kann man so viel Musikalität und Musiker auf die kleine Bühne des Schmid Hansl bringen? Franz-Riegler macht aus der Not eine Tugend: Looper, sei Dank! Er rationalisiert mit diesem Gerät eine ganze Band weg. Je nach Song werden da Begleitrhythmen und Melodiephrasen der verschiedensten Instrumente geloopt: Vocal Percussions, Gitarre, Trompete, Geige, Keyboard.

 

Musikalisch legt der Godfather of Loop zu seinen satirischen Texten eine Reise rund um die Welt zurück: Volksmusik, Hillbilly, südamerikanische und afrikanische Rhythmen, Reggae - jeder Song für sich musikalisch und textlich ein Kleinod. Franz-Rieglers "Gedanken für den Tag" kommen nicht mit der Keule daher, sondern sind wohl portionierte Aphorismen und von sprachlicher Finesse.

 

Das Generalthema seines Programms ist das "Verändern". Das Lied "Wundan" thematisiert den wundersamen Umgang des Menschen mit den Social Media, welches nach einer Änderung des Umgangs mit diesen schreit. Im Song "Freistott" geht es um die Überwindung des Sauberkeitswahns ("Doch i wü jetzt Freistott, dass i putz wia a wüder..."). Eher pessimistisch klingt es in "Bitte suach da nix aus" ("... entscheidst di eh imma gleich fias gleiche"). Voll Selbstironie ist "I kenn mi aus" in welchem er "statt ana Lösung oft Problem gfundn hot". Franz-Riegler erkennt im Song "Jammast eh?" den hohen kommunikativen Wert des Jammerns. Allerdings ist dieses oft mit Veränderungsresistenz gekoppelt.

 

Thomas Franz-Riegler gelingt es, im wahrsten Sinn des Wortes, allein zu unterhalten. Das Publikum bleibt insofern aufmerksam und munter, da er es immer wieder dazu animiert die Refrains zu singen, wie z.B. bei dem doppeldeutigen "Net amoll". Als Klassiker seiner Auftritte gilt inzwischen die Publikumsbeteiligung bei "Während dem Autofahn tippn". Hierbei darf eine weibliche Besucherin auf der Bühne loopen. Zum Gaudium der Zuhörerschaft hört man dann ihren Sprechgesang mehrmals als Refrain. Der Running Gag des Abends beim Anmoderieren der Lieder ist der Satz "Da kann ma übrigens Tanzn dazu". Dieser Aufforderung bin ich zwar nicht nachgekommen, aber vielleicht das nächste Mal? Dazu müsst' ich mich verändern...

 

"Aundas" ist ein Aufruf, Mut zur Veränderung zu zeigen. Von tiefer Weisheit ist auch Franz-Rieglers Tipp, "den Weg des Neuen zu genießen". Er bietet mit seinem Programm genau das Missing Link zwischen Musik und Satire, denn seine humorigen bis nachdenklich stimmenden Bemerkungen und Erzählungen zwischen den Liedern sind mehr als nur eine Anmoderation dieser, sondern Musiksatire at its best!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

Thomas Franz-Riegler

 

Konzertcafé Schmid Hansl