6.6.2016 Stefan Lasko: Ein Freudianer kennt seinen Schmerz

© richard dergovics
© richard dergovics

Endlich wagte sich wieder einmal ein „neuer“ Kabarettist auf eine Wiener Kleinkunst-Bühne. Im ausverkauften Kabarett Niedermair hatte Stefan Lasko mit seinem Programm „Ein Freudianer kennt seinen Schmerz“ Premiere. Ob hier ein Gewinn für das heimische Kabarett zu erwarten ist, hat sich Die Kleinkunst-Redakteur Gerd Kern angesehen.

 

Stefan Lasko ist kein Neuling auf der Bühne, im Gegenteil, man könnte ihn beinahe schon als Routinier bezeichnen. Allerdings hat man ihn bisher vor allem als Schauspieler und Musiker erlebt. Nach Absolvierung der  Schauspielschule Krauss hatte er zahlreiche Engagements am Theater in der Josefstadt, im TAG, im Theater Phönix und bei den Festwochen. Und außerdem war seine musikalische Zusammenarbeit mit Manuel Rubey in der Band „Mondscheiner“ durchaus erfolgreich. Aktuell gibt es eine musikalische Formation mit der Bezeichnung „Lasko“. Auch das Niedermair kennt er schon aus der Bühnenperspektive, denn hier hat er für Kinder einige Märchenprogramme präsentiert.

 

Das alles hat ihm aber nicht gereicht, weshalb er in rund zwei Monaten sein erstes Kabarett-Soloprogramm geschrieben hat, bei dem Tobias M. Draeger Regie führte. Lasko ist fest davon überzeugt, dass er hier all seine Fähigkeiten vernetzt nützen und vor allem sagen kann, was ihm wirklich am Herzen liegt. Auch die prinzipiell autarke Form des Kabaretts hat ihn gereizt, denn, wie er in einem Gespräch nach der Premiere betont, sei er hier für Erfolg oder Misserfolg ganz alleine verantwortlich. Dass er für sein erstes Programm die Psychoanalyse als roten Faden gewählt hat, zeigt schon, dass Lasko bereit ist, sehr viel von sich selbst preiszugeben. Er ist also fest entschlossen über sich zu reden oder meistens eher sein „Über-Ich“ sprechen zu lassen. Und das tut er dann auch.

 

Er erzählt über sein Leben als Vater zweier Kinder, die „Hort, aber herzlich“ betreut werden, sowie als Ehemann einer erfolgreichen „Freudianerin“, die ihm sichtlich überlegen ist. Er schildert sein Scheitern als Tennisspieler in Maria Lanzendorf – dort vernichtete er bei Misserfolgen seine Schläger, was seinen  Eltern allmählich zu teuer wurde - ebenso wie sein häufiges, schwer genervtes Versagen als Vater. Es gehe ihm darum aufzuzeigen, wie man mit seinen psychischen Schmerzen verträglich leben könne. Das alles stellt er in einer Form dar, die die Besucher im Niedermair begeisterte. Schon eingangs meint er, dass er „eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung“ habe, denn schon seine Geburt sei eine von vielen Entscheidungen gewesen, die er nicht selbst getroffen habe.

 

Im Hinblick auf seine Karriere verwundert es aber nicht, dass er sein Programm mit zahlreichen - übrigens meist wirklich gut gelungenen – Liedern aufmotzt. Seine Musikalität und sein gelungenes Jonglieren mit Worten überzeugen restlos. Überhaupt sind seine Wortspiele und Assoziationen so verblüffend, dass sie manchmal erst langsam beim Publikum einsickern. Beeindruckend ein Kreation, in dem er die Namen vieler seiner Kabarettkollegen verblüffend verarbeitete.

 

Jedenfalls präsentiert Lasko sein Programm mit einem unglaublichen Engagement – einfach atemlos in körperlicher und geistiger Hinsicht. Und das obwohl ihm formal Andreas Vitasek näher stehe als Mario Barth. Seine Angst, dass er Gags erzählt und keiner im Publikum lacht – eigentlich DIE Urangst jedes Kabarettisten – erweist sich als völlig unbegründet.

 

Um etwas Ruhe zu gewinnen, vor allem aber um Ordnung in sein Leben zu bringen, legt er sich im zweiten Programm-Teil auf die Couch, doch hat man nicht den Eindruck, dass hier alle seine Probleme wirklich gelöst werden. Und ganz egoistisch betrachtet ist das auch nicht wünschenswert, denn dann hätte Lasko vermutlich nicht mehr ausreichend Anlass sich in Zukunft wieder auf die Bühne zu stellen und weitere Programme zu präsentieren. Auch wenn er nicht gerade deutlich gesellschaftspolitisch Stellung bezieht, sondern es bei eher unverbindlichen Andeutungen belässt, ein Gewinn für die etwas eingefahrene österreichische Kabarettszene ist er in jedem Fall.

 

Diesem ersten Abend werden garantiert weitere folgen und es lohnt sich, im Herbst das Programm des Niedermair auf den Namen Lasko zu überprüfen – Sie werden es nicht bereuen. Ein Highlight seines Programms mit dem Titel „Frankreich wir kommen“, in dem er die Namen aller Kadermitglieder der österreichischen Fußball-EM-Mannschaft umwerfend komisch verarbeitet, wird aus aktuellen Gründen dann allerdings fehlen.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

Stefan LaskoKabarett Niedermair