21.03.2016 Robert Mohor: Angst?

© http://s1.wohintipp.at/
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Zum Fürchten ist Robert Mohors neues Programm mit dem Titel Angst? jedenfalls nicht, so das Fazit der DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller nach der erfolgreichen Premiere in der Kleinkunstbühne Gruam.

 

 

Wie das Programm zu seinem Titel "Angst?" kommt und was das eigentliche Konzept darstellt, wird im Laufe des Abends nicht klar. Einen roten Faden gibt es nicht, ihren Platz finden alle möglichen Themen von Arbeit und Wirtschaft, Migration, Reichensteuer, Verkehr, Bankwesen, Werbung, Naturschutz bis hin zu Ehe, Singledasein und Viagra. Robert Mohor spielt sich warm und kommt in seinem Figurenmarathon auf "Tour durch die österreische Seele" richtig in Fahrt und beschert dem lachfreudigen Premierenpublikum nicht ganz runde aber abwechslungsreich-unterhaltsame 90 Minuten.

 

Der Abend im gemütlichen Kellerlokal "Gruam" beginnt mit einem Religionsdiskurs, der nicht nennenswert inspiriert, sondern eher oberflächlich ausfällt. Wer Kirche sagt, muss auch Staat sagen, so folgt gleich darauf das Thema Politik. Es sei ja "modern, hip und cool", die FPÖ zu kritisieren, und so muss jeder Kabarettist, der etwas auf sich hält, zumindest einen "bösen Halbsatz" im Programm haben, reflektiert Mohor. Die üblichen Verdächtigen der aktuellen Politsphäre bekommen einige Hiebe versetzt, darunter Mikl-Leitner, Kurz, Grasser und – in Faymanns Fall etwas zynisch: "Wenn er jemals etwas erkannt hat, dann, dass einem Ideale nicht im Weg stehen dürfen."

 

Das Herzstück des Programms stellt die Überlegung, "worüber würden Österreicher und Österreicherinnen reden wollen, wenn man ihnen eine öffentliche Plattform bieten würde?", dar. Infolge spielt Mohor mit umwerfendem schauspielerischen Talent "Interviews" nach, ganz in Manier der humoristischen ORF-Sendung "Alltagsgeschichten".

 

Brennhammer Franz, "wegen da Krise" arbeitslos und beim AMS gemeldet, beschwert sich über die "faulen Hund, Owizara - owa neman ma die Hocken weg, san die deppad oda wos?!". Redet derb daher, argumentiert unschlüssig und repräsentiert ein Klischee nach dem anderen. Ein näselnder Pensionist, der 45 Jahre in der Wirtschaftkammer gearbeitet hat, empört sich derart über die Tatsache, dass sich selbst Floridsdorfer schon als Wiener bezeichnen, sodass sich dessen Stimme leicht überschlägt. Viktor Schmied, ein arroganter, selbstgefälliger Konzernchef, der sich selbst als sehr sozial engagiert bezeichnet, plädiert eindringlich für seine Definition von Gerechtigkeit, also gegen eine höhere Besteuerung der Reichen. Danach packt Mohor den etwas platten "Ehe-Geschichten-Humor" aus und schildert einen Einkaufstag mit seiner besseren Hälfte. Es sind einfache Lacher, die mäßig raffinierten Schmähs kommen beim vergnügten Publikum (das hauptsächlich aus Ehepaaren im besten Alter besteht) dennoch sehr gut an.

 

Schauplatzwechsel: Staureport. Ein sehr aufgebracht schimpfender Herr, der zu spät zu seinem Bratlessen um 12 Uhr kommt. Ein Kiffer, der die "kontemplative" Komponente eines Staus genießt, während er eine Stille-CD hört. ("I hob jetzt grad die Nummer 3 drinnen. Stille am Bahnhofs-WC. Schau: do konnst die Stille sogar riechen. Da musst einfach voll in dir sein"). Danach eine Dame, die schon ganz nervös geworden ist, weil die Feuerwehr durch die Rettungsgasse gefahren ist. "Das gibt auch eine Anzeige! Das geht ja nicht" Ein 82-jähriges, liebenswertes Männchen, das ganz angetan ist, noch einen Jahrhundertstau mitzuerleben. Und schließlich ein Autonarr, der ganz verknallt in seine aufgetunte Kiste ist, um Mohors treffende Zeichnung der österreichischen Autofahrergesellschaft abzurunden.

 

Ab der zweiten Programmhälfte geht es Schlag auf Schlag. Wir reisen in einen Landgasthof in der Steiermark, Mohor packt seine Dialektkenntnisse aus und imitiert in tiefstem Steirisch einen alten Herren, der sich wegen einer Werbung für Seitenschläferkissen ("Das Seitenschläferkissen gibts nur für Linksschläfer. Aber nix für uns Rechte") übergangen fühlt. Weiter geht's in der Wiener U-Bahn. "Wo san die U-Bahnen, wenns net do san?", fragt sich ein psychisch auffälliger, schwer paranoider Verschwörungstheoretiker im gehetzten Flüsterton. Auf Okto-TV geht's ums gesunde Leben, auf Youtube erklärt ein deutscher App-Entwickler seine "easy downzuloadende" neue Strom-App, in Stammersdorf engagiert sich die Bürgerinitiative "Freie Ziesel" gegen Großbauten und für den Schutz des Ziesel-Lebensraums.

 

Es ist ein flottes Programm, das Robert Mohor sich da vorgenommen hat, ein fliegender Wechsel der Figuren und Themen, ein Auf und Ab zwischen gelungenen Pointen und halbherzigen Gags. Nicht zuletzt gewinnt Mohor durch seinen sympathische Art, wenn er zum Beispiel aus dem Programm aussteigt und spontane Kommentare zur Tagespolitik macht.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller

 

 

Anm. d. Red.: Robert Mohors neues Programm läuft nun unter dem geänderten Titel "Mensch, Mohor!"

 

 

http://www.mohor.at/index.html

http://www.gruam.at