27.1.2016 Mike Supancic: Im Jenseits ist die Hölle los

Mike Supancic stellte im ausverkauften Wiener Stadtsaal sein neues Programm „Im Jenseits ist die Hölle los“ vor. Supancic ist ja vor allem für sein kraftvolles Musikkabarett bekannt und ob er diese Stärke auch diesmal ausspielen konnte, davon wollte sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern überzeugen und besuchte die Premiere.

 

 

Ausverkaufter Stadtsaal ... Bühnenlicht ... tosender Applaus ... Auftritt Mike Supancic. Er greift zu seiner Gitarre, die auf der Bühne auf ihn wartet und startet mit der Stones-Nummer „Sympathie for the Devil“, die er mit einem kritischen Text zum Thema Mietwucher in Österreich unterlegt. Das lässt ja einiges für den Abend erwarten ... Ende ... tosender Applaus ... Licht aus ... Licht an. Supancic kommt wieder auf die Bühne...Das Programm startet.

 

„Alles begann mit einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Geisterbeschwörung: Im Gasthaus Hansy wollten sie mit Draculas Blut das verrufene Pentagramm der Wiedergeburt auf den Bauch des Rosskogler Kurtl malen. Doch was als Flucht geplant war, wird zur Fahrt auf einer Tiefschaubahn in die Abgründe der Anderswelt. Mike verbringt eine rauschende Nacht der Toten in Amys Weinhaus und ist Ehrengast beim ewigen Karneval der unsichtbaren Verkleidungskünstler. Einstein hört Rammstein und Zappa sabbert Black Sabath. Allah feiert in Walhalla. Jesus liebt sich und Buddha kann ohnehin durch nichts ersetzt werden. Mit einem Wort: Im Jenseits ist die Hölle los“.

 

Soweit der etwas eigenwillige Pressetext zum aktuellen, etwas eigenwilligen Programm von Mike Supancic. Ganz abgesehen davon, dass er sich an diesem Handlungsentwurf ohnehin nicht gerade sklavisch hält, ist diese Geschichte auch nicht wirklich wichtig, denn sie ist nur ein etwas bröckeliger Kitt, der seine Songs zusammenhalten soll, es aber nicht überzeugend schafft.

 

Allerdings ums Sterben geht es in diesem Programm schon. Mike entgeht am Morgen seines Konzerts einige Male dem Tod, einmal indem er z.B. durch einen offenen Kanaldeckel in die Wiener Kanalisation stürzt und dort von einem Krokodil(!) nicht gefressen wird, dann während einer Begräbnisfeier aber doch stirbt und in der Hölle landet. Er trifft dort auf die verschiedenen Todesarten – z. B. auf den Selbstmord (ein Steirer!), auf den Herzkasperl oder auf den Kehlkopfkrebs. Dann stellt sich allerdings heraus, dass es sich um einen Irrtum handelt, denn ein gewisser Joe Supancic hätte eigentlich sterben sollen. Also wird Mike unter Entschuldigungen auf die Erde zurückgebracht und zwar auf den Budapester Flughafen, schlägt sich von dort in einem Bus zur österreichischen Grenze und dann nach Wien durch, wo er in verschiedene Demonstrationen gerät, aber schließlich doch noch gerade rechtzeitig im Stadtsaal landet. An dieser Stelle ist das Programm zu Ende und Supancic stellt lakonisch fest, jetzt könne er ja mit dem heutigen Auftritt anfangen, wobei er nicht vergisst zu fragen, ob sich vielleicht ein gewisser Joe Supancic im Publikum befindet.

 

All die hier aufgezählten Treffen, Stationen und Zwischenfälle dienen allerdings nur dazu, die jeweiligen Songs mit einem roten Faden zu verbinden. Und die sind zum Teil gar nicht so schlecht. Dass hier das eigentliche Talent von Supancic liegt, sollte ihn beim nächsten Mal dazu bringen, sich auf diesen Teil zu konzentrieren und seine Lieder höchstens mit einigen launigen Worten zu verbinden. Die Musik basiert fast immer auf bekannten Hits und wird mit - mehr oder minder gelungenen – eigenen Texten unterlegt. Doch das ist irgendwie eigenartig: Neben tiefgehenden und auch sehr kritischen Songs wie der über den Organhandel, neben echt witzigen wie der über den Besuch bei einem ungarischen Zahnarzt (als die Behandlung völlig daneben geht, meint der: „Wenn man so schiach ist, braucht man auch keine schönen Zähne“) trägt Supancic auch Texte vor, die Schihüttenniveau sicher nicht übersteigen.

 

Aber wie auch immer, dem Publikum gefällt es. Nahezu jeder Satz wird beklatscht und eine Dame hinter mir kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, wobei sie zwischendurch immer wieder völlig atemlos „Wahnsinn“ keuchte. Ob sie dann auch noch mitbekommen hat, dass Supancic am Schluss politisch eindeutig Stellung bezogen und FPÖ-Chef Strache durch den Kakao gezogen hat, weiß ich nicht genau. Jedenfalls sagte sie noch einmal. „Wahnsinn“.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

Stadtsaal

 

Mike Supancic