11.02.2016 Markus Hauptmann: Highlights aus der Schule

© Walter Kienast
© Walter Kienast

Der Name „Highlights“ verrät es schon – hier handelt es sich um ein Best-Of aus vergangenen Programmen. Schul-Kabarett ist bekanntlich ein ergiebiges Thema, in diesem Fall aus der Sicht des Volksschullehrers Markus Hauptmann. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat in der Kulisse die Schulbank gedrückt.

 

 

Ausverkaufter Saal, die Spannung schien wie am ersten Schultag. Nach ein paar etwas irreführenden Ansagen (die bereits zum Programm gehören) betrat Markus Hauptmann unter großem Auftrittsapplaus die Bühne, gefolgt von Martin Mader, der für die musikalische Untermalung und ein paar Co-Auftritte zuständig ist. Geboten wurden an diesem abwechslungsreichen Abend natürlich vor allem schul- bzw. lehrerbezogene Nummern, aber auch Gesang (meist in Form von Cover-Versionen bekannter Lieder) und Ausflüge in die dem Publikum ganz offensichtlich noch sehr gegenwärtigen 80er-Jahre. Das erkannte man daran, dass die damals aktuellen Melodien lautstark (mit)gesungen wurden, Begriffe, Lieder und bekannte Persönlichkeiten von damals herzliches Lachen und viele „ja-genau!“-Rufe auslösten und die Stimmung damit gleich zu Beginn angeheizt war. Auch DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern fühlte sich in diese Zeit zurückversetzt und erlebte viele heitere Dèjà-vús.

 

Sehr erfrischend war die ständig präsente Selbstironie, mit der Markus Hauptmann Lehrenden – also auch sich selbst – gegenüberstand. Nicht nur wegen der Ferien, die nicht gerade beliebt machen (so traut er sich in den beiden Sommermonaten gar nicht mehr aus dem Haus, die Konferenzen im Herbst sind dann ein bisschen wie Wiedersehensfeiern im Geisterschloss, wo sich zahlreiche bleiche Wesen in die Arme fallen), sondern auch wegen des aktuellen Gender-Problems. Er selbst gendert sich schon lange, ist also eine Lehrerin, weil das eben ein weiblicher Beruf ist. Leider, so sagte er, sind Pädagogen auch im Privatleben Pädagogen. Die Wohnungen vollgeräumt mit Lernspielen, die Partner

eingesetzt zum Basteln und der Umgangston ... ach, den kann man sich ja auch nicht so einfach abgewöhnen. Nach dem Sex kann es schon sein, dass ein Lehrer meint: „Du hast dich wirklich sehr bemüht, aber für ein Befriedigend hat es leider noch nicht gereicht.“

 

Sehr amüsant die Szene zweier „Bobo“-Elternteile (in einer Doppelconférence mit Martin Mader) am Spielplatz, die diese Gesellschaftsschicht ironisch beleuchtet und zeigt, wie gut diese Eltern ihre Kinder erziehen – oder umgekehrt? Begonnen bei der Namensgebung über die Ablehnung des Wortes „Nein“, den Ehrgeiz der Eltern, ein Sternchen auf die Gedächtnisübung zu bekommen bis hin zum linksdrehenden Soya-Joghurt wird kein Thema ausgelassen. Dass Hauptmann aufgrund von Lärmempfindlichkeit seine Flaschen im Altpapiercontainer entsorgt oder die Montage eines Blitzableiters an einer Kirche als klares Misstrauensvotum empfindet, erfuhr man ebenso wie die Tatsache, dass „80% aller Jugendlichen rauchen und die übrigen 20% so betrunken sind, dass sie die Zigarettenpackungen nicht aufbekommen“ und dass ein netter Kerl der ist, „der mit der fetten Schwester von der Geilen tanzen geht“. Leider auch, dass die NMS nichts Anderes ist als eine umetikettierte Hauptschule – eine typisch österreichische Lösung.

 

Dazwischen wurden immer wieder gesangliche Einlagen dargeboten, meistens Cover-Versionen bekannter Songs. So wurde aus „Thriller“ von Michael Jackson „Billa“, Mosers Reblaus wurde im Drogenmilieu angesiedelt und Udo Jürgens` “Aber bitte mit Sahne“ verwandelte sich in „Wir sind echte Männer“. Auch ein Rap stand auf dem Programm. Natürlich gibt es bessere und weniger pointierte Nummern, das Niveau wechselt. Nicht ganz verständlich (und vor allem nicht nötig) war, dass Hauptmann bei einigen Sketches in eine Sprache verfällt, in der man mit kleinen Kindern oder geistig langsamen Personen spricht. Das nimmt den Nummern den Biss und ist auch nicht passend – durch normale Sprache würden diese Sequenzen sehr gewinnen.

 

Fazit: Ein bunter Abend, an dem viel geboten wurde, einige Stellen, an denen man herzlich lachen konnte, andere, die zum Nachdenken anregten und ein paar, die vielleicht nicht ganz zum „Best-Of“ gepasst haben. Aber nobody is perfect, auch Lehrer nicht, und so kann man sagen: Ein Sehr gut

war es noch nicht ganz, aber ein durchaus unterhaltsames Programm.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

Kulisse

Markus Hauptmann