1.3.2016 Eva Maria Marold: Von mir möcht ich singen

© Rabenhof - Pertramer
© Rabenhof - Pertramer

Im ausverkauften Wiener Rabenhof hatte das neue Programm von Eva Maria Marold Premiere. Diesmal präsentierte sie einen Chanson-Abend, dessen Texte von Werner Schneyder geschrieben hat. Ausschließlich mit Liedern, abgesehen von kurzen Zwischentexten, war das für die vielseitige Künstlerin tatsächlich eine Premiere. Die Kleinkunst-Redakteur Gerd Kern war dabei.

 

 

Vermutlich braucht man über Eva Maria Marold nicht sehr viel erzählen, denn sie hat sich mittlerweile einen wirklich hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Das burgenländische Allround-Talent kann auf eine klassische Gesangsausbildung verweisen und ist außerdem gelernte Schauspielerin. Sie selbst bezeichnet sich übrigens als Komödiantin, war in zahlreichen Musicals erfolgreich und hat im Bereich Kabarett zwei durchaus erfolgreiche Solo-Programme geschrieben. Aber auch im Theater und im TV war und ist sie sehr intensiv unterwegs.

 

Jetzt mit 48 Jahren zieht sie eine Art Zwischenbilanz ihres Lebens. In ausführlichen Gesprächen mit dem Kabarettisten Werner Schneyder hat sie ihre Vorstellungen präzisiert und gemeinsam haben sie daraus Texte erarbeitet. Die Themen sind vielfältig und Marold gibt damit dem Publikum sehr viel aus ihrem Leben preis.

 

Das beginnt schon bei ihrem Namen. Pinczolich fand sie für eine Bühnenkarriere eher suboptimal, weshalb sie sich für den Mädchennamen ihrer Mutter entschied. Dann erzählt sie von unverbindlichen One-Night-Stands, von einem Freund, bei dem sich herausstellte, dass er schwul ist (an dieser Stelle gab es übrigens einen Heiterkeitsausbruch! des Publikums), von einem sizilianischen Freund und dem damit verbundenen „Clash of cultures“, von ihrer geliebten Großmutter und von ihren beiden Söhnen („einer schwarz, einer braun“) sowie von ihrer ungebrochenen Liebe zur Bühne. Manchmal gibt es auch so etwas wie kritische Anklänge: Sie macht sich über Castings-Shows lustig, über die Schulsituation („Sprechtage“) und über den sogenannten Genderwahn („Mann bleibt Mann“). Zu diesem Thema endet ihr Programm übrigens mit einem etwas pathetischen Appell an das „Miteinander“ der Geschlechter.

 

Soweit so gut. Dazu kommt, dass Marold ungemein begabt ist, über eine tolle Stimme und eine beeindruckende Bühnenpräsenz verfügt sowie durch Aaron Wonisch kongenial am Klavier begleitet wird. Das alles wird vom begeisterten Publikum auch mit rauschendem Applaus belohnt. Jedoch...

 

... irgendwie wirkt des gesamte Abend nicht wirklich zeitgemäß. Für das Buch zeichnen im Programm zwar Marold und Schneyder gemeinsam verantwortlich – die Melodien stammen durch die Bank von renommierten Komponisten – doch Werner Schneyder klingt immer wieder (etwas zu) deutlich durch. Der einst bissige und scharfzüngige Kabarettist ist irgendwie müde geworden. Dadurch ist der Generationenunterschied deutlich herauszuhören und das irritiert. Beispiele gefällig?

 

Die Bildungsdebatte in Österreich läuft auf Hochtouren, und alles, was hier zum Ausdruck kommt, ist die Klage, dass an Sprechtagen nur die LehrerInnen reden (Warum hat Frau Marold nichts gefragt?). Auch dass die Integration von farbigen Kindern („einer schwarz, einer braun“) häufig sehr schwierig ist, wird nicht einmal erwähnt. Schwule werden dagegen irgendwie ins ironische Eck gedrängt, Vorurteile gepflegt („typisch italienisch“) und zu den Problemen der Gleichberechtigung von Frauen fällt Schneyder vor allem der Begriff „Genderwahnsinn“ ein.

 

Das sind nur einige Beispiele, die auch durch die Zugaben von Eva Maria Marold über die falsche Kulturpolitik kleiner Kommunen und über die menschliche Kälte in unseren Städten nicht ausgeglichen werden können. Marold selbst ist wirklich gut und wie gut könnte sie erst mit einem zeitgemäßen Programm sein. Mit „Ich möcht von mir singen“ fühlt man sich irgendwie aus der Zeit geworfen. Und auch die Zwischentexte wirken irgendwie künstlich und ziemlich humorbefreit. Denn wie witzig Marold sein kann, beweist sie, wenn sie nach kleinen Hoppalas die Schriftsprache verlässt und dann echten Charme und Witz versprüht.

 

Wenn man allerdings einen unverbindlichen und im durchaus positiven Sinn etwas altmodischen Abend verbringen möchte, dann ist man bei diesem Programm von Eva Maria Marold gut aufgehoben.

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

Eva Maria Marold

 

Rabenhof Theater