18.2.2016 Die Miri: Die Kåtz

© Clemens Nestroy
© Clemens Nestroy

Eine seltsame Figur ist Die Miri, die mit ihrem Programm Die Kåtz (Regie: Simon Windisch) im Theater am Alsergrund zu einer "Blockveranstaltung" der verstörend komischen Art einlädt. Das Thema des Abends ist: Was ist lustig? Kabarett einmal anders, schräg und sehenswert, meint DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

Die Miri ist anders. Anders als man sich eine Figur auf der Kabarettbühne erwartet. In einen Mantel mit überdimensionalen Schulterpolstern gekleidet, einem Luftballon an das Handgelenk gebunden, mit ernstem Gesicht, das keine Emotionen  außer dem Grant zulässt, stellt sie sich eine Frage: Was ist lustig, was bedeutet Lustigsein? Sie geht es sachlich und pragmatisch an, teilt die erste Hälfte ihres Programmes in vier Blöcke, in denen sie versucht, zu (er)klären, was denn lustig sei: "Es gibt Dinge, die sind lustig, es gibt Dinge, die sind nicht lustig." Den Begriff "Dinge" unterteilt sie in tote und lebendige Dinge. Das tote Ding wie zum Beispiel der Stein: nicht lustig, das Skelett hingegen: lustig. So einfach ist das. Meistens ist die Miri bei ihren Erklärungen ruhig und emotionslos, doch es kann schon einmal vorkommen, dass die ernste Miri auch schreit, oder dass ein Luftballon zerplatzt.

 

Als Zuseher versteht man recht bald, dass man es nicht mit einem 0815-Programm und einer 0815-Figur zu tun hat, hier steht eine Kunstfigur auf der Bühne, die so gar nicht den Erwartungen entspricht, sie ist so absolut anders, sie ist nicht auf Pointen aus, sie ist keine greifbare Figur, mit der man sich identifizieren kann, sie erzählt von ihrer Familie, von der Oma, dem Opa, der Mutter, dem Vater, dem Cousin, der Schwester und der Kåtz, aber in einer schrägen Art und Weise. Bei Miri kann man sich nie sicher sein, denn um die nächste Erzählecke, da lauert schon wieder eine Art Wahnsinn. Überraschungslustig nennt es Die Miri - ein schöner Begriff.

 

Die Miri, im wirklichen Leben Miriam Schmid, die mit Auszügen aus Die Kåtz 2014 den Grazer Kleinkunstvogel gewann, kommt vom Theater und das merkt man ihrem Programm an, das macht das Programm erst so spannend, weil sie es wagt, eine grantelnde, analysierende Figur auf die Bühne zu bringen, die so absolut atypisch fürs Kabarett ist, und sie behandelt die spannende Frage, was denn lustig sei und worüber die Leute lachen würden, auf sehr eigenwillige, spannende und schräge Weise.  Sie bricht die Erwartungshaltungen des Publikums, überzeichnet Klischees und zwischendurch singt sie auch schöne Lieder über die Kåtz, die in Richtung Zukunft in den Sonnenuntergang läuft.  Beim Lustigsein darf der Witz nicht fehlen, der kommt dann am Ende des Abends.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

Die Miri

Theater am Alsergrund