21.4.2016 Bernhard Lentsch: Atmen

© www.bernhard-lentsch.at
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Atmen ist lebensnotwendig, keine Luft zum Atmen haben, das Gefühl haben zu ersticken, in Atemnot geraten, befreit durchatmen können, all diesen atmungstechnischen Zu- und Umständen möchte Bernhard Lentsch in seinem 2. Kabarettsolo Atmen auf den Grund gehen. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink hat sich Atmen in der Gruam angesehen.

 

 

Schon in den ersten Minuten auf der Bühne nimmt Bernhard Lentsch den Skeptikern im Publikum den Wind aus den Segeln, indem er sein Aussehen anspricht: Tattoos, Nasenpiercing, eigenwillige Frisur. Damit hat er die Aufmerksamkeit des Publikums und die Stimmung ist gleich einmal locker. Auch weil er den Kontakt zum Publikum immer wieder sucht - gut, das ist jetzt in der Gruam nicht so schwierig, aber Bernhard Lentsch kann man sich auch gut auf einer größeren Bühne vorstellen, wie etwa auf der Bühne der Kulisse, wo er vor ca. einem Monat die Premiere von seinem 2. Kabarettprogramm "Atmen" gespielt und sicherlich auch für gute Stimmung und Energie gesorgt hat durch seine offene Art und seine unglaubliche Bühnepräsenz.

 

Die Rahmenhandlung von Atmen, der rote Faden, wenn man so will, ist das Atemseminar, das er (Mörder einer Pflanze) gemeinsam mit zwei weiteren Verbrechern in der Justizanstalt besuchen muss, wobei er bei der Vortragenden, der "Atmeralin", nicht besonders beliebt ist. Den Inhalt des Seminars versucht er wiederzugeben und liefert dabei skurrile Gedankengänge und Assoziationsketten und gleitet immer wieder ab zu kurzweiligen Erzählungen über seine Familie, Beziehungen, die Arbeit, und all das präsentiert Bernhard Lentsch  mit vollem Körpereinsatz und zeigt dabei sein schauspielerisches Können. 

 

Und auch mit seinem mit feiner Ironie durchsetzten Humor punktet er. Man fragt sich, warum Lentsch, Gewinner des Großen NÖ Kabarett- und Comedypreises, nicht präsenter ist auf den Kabarettbühnen Österreichs. An seinem Können kann es wohl nicht liegen. Denn er erweist sich als Naturtalent. Wo andere Schauspielunterricht, Regie und sogar Autoren für die Pointen brauchen, erarbeitet er sich alles selbst. Und dabei ist er ein präziser (Er)Arbeiter. Man weiß ja, was auf der Bühne so locker und beiläufig wirkt, ist harte Arbeit. Und bei Bernhard Lentsch wirkt auf der Bühne alles locker und beiläufig. Sei es die Interaktion mit dem Publikum, seien es seine Erzählungen, unter anderem von familiären Erlebnissen, seien es Parodien, sei es die Darstellung mehrerer Figuren auf der Bühne, es ist ein großes Vergnügen, ihm dabei zuzusehen. Aber Lentsch ist nicht nur unterhaltsam, er regt auch zum Nachdenken an.

 

Wer hat sich nicht schon einmal die Frage gestellt, ob das Leben, das er/sie führt, das richtige ist? Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, ob der Job der richtige ist und ob nicht tief im Herzen ein ganz anderer Berufswunsch, eine Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben steckt? Wer hat nicht ab und zu oder sogar öfter das Gefühl, dass er/sie erstickt im aktuellen Leben? Keine einfachen Gedanken, die Bernhard Lentsch anspricht. Ist der erste Teil des Programms vor der Pause noch eine gute Mischung zwischen Spaß und Ernst, bekommt der zweite Teil eine gewisse Schwere, vor allem bei den Erzählungen über die Oma und vor allem über den "kriegsverrohten" Opa. Was in der zweiten Hälfte aber hervorsticht, ist, wie er auf der Bühne das Besiegen seiner negativen Gefühle (Furcht, Ärger, Resignation) zeigt. Darstellerisch und inhaltlich ist das neben den vielen Highlights davor noch einmal ein ganz besonderes, bevor das Programm zu Ende ist.

 

Bernhard Lentsch sollte man sich unbedingt ansehen. Mit seinem guten Gespür für Pointe und Timing, seinem schauspielerischem Talent und dem interessanten Thema schafft er in Atmen die Mischung zwischen Unterhaltsam-Sein und dem Publikum doch auch eine Botschaft mit auf dem Weg zu geben und zum Nachdenken anzuregen.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

 

 

Website von Bernhard Lentsch