15.2.2016 Barbara Balldini: Verkehrstauglich

© www.balldini.com
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Barbara Balldini hatte mit ihren bisherigen Programmen zum Thema Sexualität sehr viel Erfolg, brachte jährlich 60000 Besucher zum Lachen und zum Nachdenken, doch noch nie hatte sie sich nahezu ausschließlich mit dem Thema Mann beschäftigt. Das hat sie jetzt nachgeholt. Im Casanova hatte sie mit  „Verkehrstauglich“ Premiere. Weil wir wissen wollten, wie ihre Überlegungen auf einen Mann wirken, haben wir DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern ersucht, sich das neue Programm anzusehen.

 

Das Wiener Casanova war ausverkauft und das Publikum wartete gespannt auf das neue, das vierte Programm der erfolgreichen Vorarlberger Kabarettistin, Sexualpädagogin und Lebensberaterin Barbara Balldini. Nach „Von Liebe, Sex und anderen Irrtümern“, „Heart core – SEXtra LUSTig“ und „Balldini KOMMT“ jetzt also „Verkehrstauglich“.

Zum Kabarett war sie vor neun Jahren eher zufällig gekommen, denn bei einem ihrer Vorträge haben sich die Teilnehmer so gut unterhalten, dass sich  die Idee ergab, daraus tatsächlich ein Kabarettprogramm zu machen. Sie war damit so erfolgreich, dass sie auch noch drei – übrigens sehr gut verkaufte - Bücher zum Thema Sexualität schrieb. Hatte sie sich bisher vor allem mit eingefahrenen Denkmustern und Problemen von Partnerschaften, mit den erotischen Möglichkeiten im 21.Jahrhundert sowie mit der Psyche ihrer Besucher beschäftigt, widmete sie sich nun schwerpunktmäßig dem Thema Mann. Das tut sie in doppelter Funktion. Gleich zu Beginn betritt sie als Verkehrspolizistin den Zuschauerraum und spricht Besucher direkt an, was bei Betroffenen sichtlich Unlust, bei allen anderen aber Vergnügen hervorruft. Auf der Bühne wechselt sie dann immer wieder in die „echte Balldini“, eine Aufgabenteilung, die didaktisch sehr gut funktioniert: Die Politesse gibt Anweisungen und die Pädagogin erklärt und rät.

Dabei schöpft Balldini aus den Erfahrungen ihrer Praxis, die sie mittlerweile seit 16 Jahren betreibt. Man merkt sehr bald, dass ihr nichts Menschliches fremd ist, sie auch keinerlei Scheu hat, sexuelle Probleme anzusprechen, jedoch dabei nie wertet oder ins Obszöne abgleitet. Sie erklärt Stopp-Schilder im Bereich der Sexualität und warnt vor Sackgassen, beschäftigt sich aber auch ausführlich mit Hinweisen, die auf Vorrangstraßen zur Zufriedenheit führen, kurz sie will ein „Navigationssystem im Verkehrsdschungel von Liebe, Sex und Leidenschaften“ bieten.

 

Und das gelingt bravourös, denn Balldini ist live erlebt ein echtes Naturereignis. Man wird nur selten auf österreichischen Bühnen soviel Vitalität, Lebensfreude und Engagement erleben. Dabei sind ihre Ausführungen überwiegend sehr ernst zu nehmende Erfahrungen aus ihrer langjährigen Praxis. Das Zitat „If you don`t get what you want, fuck what you get“ ist dabei aber sicher nicht Motto, sondern nur einer ihrer Gags. Sie beschäftigt sich vielmehr intensiv mit dem sexuellen Verhalten von Männern und erzählt z.B. von einem Patienten der sich für sexsüchtig hielt, weil er zweimal pro Woche masturbierte. Das Thema Penis stellt in ihrem Programm überhaupt einen zentralen Punkt dar: Ob sie nun Größen-Mythen zurechtrückt (im Kongo tatsächlich durchschnittlich 18 cm, in Korea 9 cm und in Europa 14 cm), Männer mit Autotypen vergleicht, erzählt, dass pro Sekunde weltweit 5000 Liter Sperma ausgeschüttete werden, sich über Partnerschaftsbörsen lustig macht und Tipps für das erste Rendezvous gibt, immer steckt eine ernsthafte Information hinter ihren Gags.

 

Barbara Balldini ist derzeit auf Österreich-Tournee und kommt im April wieder nach Wien. Ein Besuch in ihrer Praxis, sprich Kabarettbühne lohnt sich, denn ihre volle Wirkung entfaltet sie nur bei persönlichem Kontakt,. Dann allerdings sind Nebenwirkungen garantiert.

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

www.casanova-vianna.at

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