2.2.2016 aschenbrenner.wunderl: denn sie wissen nicht, was sie tun 2.0.

© astrid knie
© astrid knie

Mit dem rebellischen James Dean hat "denn sie wissen nicht, was sie tun 2.0" von aschenbrenner.wunderl nichts zu tun, schon eher mit einem Höllenritt in der U6, dem Kauf einer Tomate in einem Victoria's Secret-Shop in New York oder einem Witze erzählenden Sepp Forcher. Klingt nicht nur sehr unterhaltsam, das ist es auch, findet DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

Eine feine Sache ist es, immer zu wissen, was man tut, oder? Oder doch nicht? Wissen wir immer, was wir tun? Diese Frage stellen aschenbrenner.wunderl (Patrizia Wunderl und Astrid Aschenbrenner) dem Publikum. Wenige Hände, an einem Tisch konzentriert, gehen in die Höhe, die anderen sind eher der Meinung: Hm, nein, wahrscheinlich nicht, und halten es daher wie Patrizia Wunderl, denn sie weiß nicht immer, was sie tut. Astrid Aschenbrenner hingegen behauptet, sie wisse immer, was sie tut. Hier haben wir schon die Gegenpositionen der beiden, die sich durch das gesamte Programm ziehen und aus denen sich herrlich witzige, komische Dialoge zwischen den beiden ergeben.

 

aschenbrenner.wunderl wissen sehr gut, was sie tun und welche Zutaten es braucht für ein unterhaltsames, abwechslungsreiches Kabarett. Handwerklich können sie aus dem Vollen schöpfen, sind doch beide ausgebildete Schauspielerinnen. Dass  sie dabei im Laufe des Abends auch  von ihren nicht immer angenehmen Erfahrungen bei der Schauspielausbildung erzählen, liegt auf der Hand.  Überzeugend sind sie bei allem, was sie an diesem Abend bieten  - sei es die Verkäuferin bei Victoria's Secret mit american English oder die Verkäuferin in Wien bei der Feinkost vom Interspar. Diese punktet mit philosophischen Ergüssen, während sie 10 dag Emmenthaler herunterradelt.

 

Ein wenig Kritik wird zwar geübt - an den üblichen Verdächtigen wie etwa die EU, die manipulative Werbung und die Allergene im Essen -, aber hauptsächlich  bieten die beiden mit "denn sie wissen nicht, was sie tun 2.0" ein abwechslungsreiches Programm, in dem sie sich in unterschiedlichste Rollen begeben. Bei der Partnersuche etwa träumt Patrizia Wunderl von einem Mann, eine Mischung aus Gottschalk, Jauch und Copperfield und Astrid Aschenbrenner versucht diesen Traummann darzustellen.

 

aschenbrenner.wunderl bestechen durch ihr großartiges Zusammenspiel, durch witzige Ideen - bei der Fahrt mit der U6 laufen sie z. B. zur Höchstform auf, denn innerhalb kürzester Zeit verändern sie Situationen, Dialoge, Figuren und Dialekte; in ihren Doppelconférencen läuft der Schmäh, und es zeigt sich ihr Gespür für Situationskomik - etwa bei der Darstellung des Kranichs, bei dem die Tränen abfließen. Immer wieder suchen sie die Nähe zum Publikum, scherzen mit den Leuten auf sehr sympathische Art und Weise, sind schlagfertig und bespielen problemlos und mit viel Energie die große Bühne des CasaNova, wirken dabei souverän und locker, und das ist wirklich eine hohe Kunst.

 

Die Talentprobe haben sie wieder einmal abgegeben. Es ist zwar nichts dabei, was man nicht schon einmal gesehen hätte, aber ob es auch so gut gespielt wurde wie von aschenbrenner.wunderl, ist eine andere Frage.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

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