26.1.2016 2gewinnt: Schmusen

© Christopher Glanzl / 2gewinnt.at
© Christopher Glanzl / 2gewinnt.at

Bei ihrem 3. Programm  beschreitet das Kabarettduo 2gewinnt  (David Haller und Homajon Sefat) neue Wege und verlässt  die "Unwohlfühlzone". Schon der Titel Schmusen lässt nur positive Assoziationen zu. Publikumsbeschimpfungen und derbe Geschmacklosigkeiten waren gestern, nun präsentieren sie sich unter der Regie von Leo Lukas als sehr wandelbar und gereift und bieten schräges, buntes, intelligentes Kabarett, findet DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

Irgendetwas ist anders diesmal, aber was? - man könnte  fast sagen: willkommen in der Wohlfühlzone! Vielleicht ist es das?! Denn dorthin locken uns die beiden sympathischen Kabarettisten nämlich überraschenderweise, und sie achten darauf, dass wir es uns dort gemütlich einrichten, indem sie uns mit Zuckerl beschenken, wenn wir die richtigen Antworten geben. Doch diese Zone ist trügerisch, es wären nicht 2gewinnt, wenn es nicht so wäre. Denn es dauert nicht lange, bis  David Haller und  Homajon Sefat mit uns, dem Publikum, gemeinsam abtauchen in ihr satirische Reich. 

 

Perfide sind sie, wenn sie anfangen, uns Tierwitze zu erzählen, weil sie meinen, das ist es, was die Leute hören wollen, wie etwa: Wie heißt der Penis von Putin? - Russwurm, und wir lachen und lachen und dann erzählen sie einen Witz falsch und benutzen – ausgeborgt von Men in Black – den Stab, der die Erinnerung der letzten Minuten löscht und fangen von vorne an, aber nicht mehr, um Witze zu erzählen, sondern um festzustellen, dass wir, das Publikum, so etwas sicher nicht hören möchten, weil zu seicht und so weiter, und da erwischen sie uns, und wir werden ein wenig verlegen, denn wir haben ja eben gerade sehr gerne über diese seichten Witze gelacht.

 

2gewinnt sind ausgefuchst, "Schmusen" etwa – stellt sich heraus – wird auch als Ersatzwort für so böse Wörter wie etwa das F-Wort gebraucht, da heißt es dann nicht abgefuckt, sondern abgeschmust, wie man den Titel also lesen möchte, sei der Fantasie eines jeden Zuschauers, jeder Zuschauerin überlassen.

 

Die beiden Kabarettisten spielen Figuren, haben sich enorm weiterentwickelt und eine gute Mischung gefunden, Kritik zu üben, satirisch zu sein, Missstände anzuprangern, aber auch einfach einmal nur zu unterhalten oder sich in Selbstironie zu üben. Sie sind wandelbar, sie sind ein Blinder, sie sind ein Apokalypseprophezeier, sie sind eine Liedtexte des 1996 erschossenen Rappers Tupak Shakur zitierende Mutter, sie sind Adolf, der Blindenhund, sie sind eine bekiffte Salzgurke, sie sind grölende Betrunkene, die einen Junggesellenabschied feiern, sie sind ein bunter Strauß an möglichen Charakteren, auf die man in einer U-Bahn treffen kann, "der repräsentative Querschnitt der Österreicher", versammelt in der U6. Wobei man sagen muss, die U6 ist dabei aber auch eine sehr inspirierende, nie versiegende Quelle, wenn man es darauf anlegt, sich solcher Figuren anzunehmen.

 

Immer wieder überraschen und begeistern 2gewinnt in der Darbietung: Etwa wenn sie in der Dunkelheit existenzielle Fragen per SMS beantworten. Sefat: Wann werde ich wieder glücklich sein? oder "Wann wird die Welt gut?" - Antwort von Haller, mit einem Zitat aus "I'm so excited" von den Pointer Sisters: "Tonight, we gonna make it happen." Von diesen Kleinoden finden sich viele im neuen Programm.  2gewinnt begeistern mit viel Fantasie n ihren Geschichten, liefern viele gute Ideen und Gedanken, von Leo Lukas in der Regie in eine stimmige, runde Sache gebracht, doch sie halten das Publikum immer in Spannung, wir wissen nämlich, es wird wieder etwas passieren und der streichelweiche Umgang mit uns ist nur Tarnung. Obwohl das Duo zugänglicher wirkt als in den vorangegangenen Programmen, sind sie doch voller Hinterlist, um gnadenlos unzulängliche, niederträchtige, rassistische, dumme, gierige und neidvolle Gedanken von Herrn und Frau Österreicher aufzudecken, sei es mittels der Schimpftirade des Blinden in der U-Bahn oder der Hassrede auf die in allen U-Bahnstationen angebotenen Gratiszeitung.

 

Es kann aber auch einmal Nonsens sein, eine bekiffte Salzgurke etwa hat in Schmusen durchaus  ihre Berechtigung und eine für die Handlung nicht unwichtige Funktion. Und am Ende des Abends, was kann man sagen, geht es um Verlust und um die Liebe. Doch bevor es zu kitschig wird, machen sich 2gewinnt, wie schon öfter an diesem Abend, auch darüber lustig, indem sie ein Zitat aus dem Film Nottinghill verwenden. Es ist ein Spaß und Genuss, den beiden zuzusehen.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

2gewinnt

 

Theater am Alsergrund