30.8.2016 Thomas Maurer: Ab Hof - Texte aus eigenem Anbau

© Christian Skalnik
© Christian Skalnik

So schnell kann's gehen, zuerst das Zusperrfest, dann das Aufsperrfest, dazwischen ist so etwas wie Sommer passiert, und dann gibt es auch schon die erste Premiere der Herbstsaison 2016 im Kabarett Niedermair zu sehen. DieKleinkunst-Redakeurin Margot Fink war dabei, als sich Thomas Maurer mit seinem Programm "Ab Hof - Texte aus eigenem Anbau" als  Autor präsentierte.

 

 

Der Name Thomas Maurer scheint nicht nur Garant für scharfsinnige Kabarettprogramme zu sein, sondern er ist auch in dem einen oder anderen Printmedium präsent und zeigt seine Vielseitigkeit und Fabulierkunst. Lange Jahre betätigte er sich als Kolumnist im Kurier, Fans der Kolumne konnten nicht umhin, am Samstag zuerst die Kolumne und dann erst den Rest der Zeitung zu lesen, zumindest kenne ich zwei, die das getan haben. Zur Freude der Fans der Maurer'schen Schreibkunst veröffentlichte er die Sammlung seiner Kolumnen in dem Buch Im Wendekreis der Wende. Doch dann war ziemlich plötzlich Schluss mit dem Kolumnenschreiben im Kurier, und zwar zufällig just zu dem Zeitpunkt, als Helmut Brandstätter als Chefredakteur die Geschicke der Zeitung übernahm.

 

Fad wurde Thomas Maurer trotzdem nicht, eine gemeinsame Kolumne mit Florian Scheuba im A la Carte, Drehbücher, wie zum Beispiel für die erfolgreiche Serie BÖsterreich, Texte für die nicht sehr lange im Programm von Ö1 vorgesehene Nachfolgesendung des legendären Guglhupf, Welt Ahoi, oder auch zuletzt die Wienerische Version von Die Tankstelle der Verdammten, die in der Sommerproduktion im Stadtsaal zu sehen war.

 

Eine Auswahl seiner Texte präsentiert Thomas Maurer, der gerade erst zum dritten Mal seit dem  Bestehen des Österreichischen Kabarettpreises  für sein aktuelles Programm "Der Tolerator" mit selbigen ausgezeichnet wurde, nun in seinem als Leseabend konzipierten Programm "Ab Hof - Texte aus eigenem Anbau" im Kabarett Niedermair.

 

Maurer hat also ein paar Schubladen umgedreht bzw. in den Word-Dateien Nachschau gehalten, und was da so alles zum Vorschein kam, kann man unter fantasievoll, geistreich, humorvoll, selbstironisch, kritisch und sprachgewandt zusammenfassen, um einige der Adjektive zu bedienen, die passen würden. Seine Texte bieten viel Gelegenheit, herzhaft zu lachen, sich mit Maurer zu freuen, mit ihm mitzuleiden (Schweineschlachtung) oder sich auf skurille Abenteuer einzulassen - die Aufmerksamkeit des Publikums ist maurer jedenfalls gewiss.

 

Ein Highlight für sich ist die Geschichte "Überleben im Burgenland", in der er gemeinsam mit dem Fotografen Ingo Pertramer und dem Gastronomen und Besitzer des Restaurants Taubenkogel, Walter Eselböck, in der Wildnis des Burgenlandes das Überleben trainieren will. Wie er sich über sich und seine Weggefährten lustig macht, ihr gemeinsames Vorhaben durch den Kakao zieht und auch noch eine spannende Geschichte zu erzählen vermag, ist großartig.

 

Wer die Folge von BÖsterreich gesehen hat, zu der Maurer an diesem Abend aus dem von ihm verfassten Drehbuch vorliest,  und sich noch daran erinnern kann, wie Robert Palfrader und Nikolas Ofzcarek in einem Sadomaso-Swingerclub in Aktion zu sehen sind, hat die Gelegenheit, den Film vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen, während die Stimme von Thomas Maurer zu hören ist. Auch hier zeigt er, dass er stimmlich in viele Rollen schlüpfen kann und auch verschiedene Sprachfärbungen und Akzente drauf hat.

 

Auch zwei Kurzgeschichten, Auftragsarbeiten des Red Bulletin, in denen eine Dose vorkommen soll, liest Maurer vor. Natürlich trifft er nicht die Erwartungen der Auftraggeber, eine Geschichte zu erzählen, in der diese besagte Dose werbewirksam in Szene gesetzt wird, nein, die Dose in seiner Geschichte bringt Unheil, deshalb wird die erste Auftragsarbeit nicht veröffentlicht und da Geld keine Rolle spielt, so Maurer, wird er trotzdem bezahlt und bekommt auch noch den Auftrag für eine weitere Geschichte.

 

Der Autor Thomas Maurer kann nicht nur sehr gut schreiben, er kann auch sehr gut vorlesen  - das steht fest. Durch die Unterschiedlichkeit der Texte bleibt Ab Hof - Texte aus eigenem Anbau  abwechslungsreich, spannend und sehr unterhaltsam.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

www.thomasmaurer.at

www.niedermair.at

 

Eben wurde er für sein aktuelles Programm Der Tolerator zum dritten Mal seit dessen Bestehen in der Hauptkategorie mit dem Österreichischen Kabarettpreis bedacht. M - derstandard.at/2000043618306/Ab-Hof-Thomas-Maurer-als-kabarettistischer-Nahversorger