22.09.2016 Stefan Haider: Free Jazz

© Jan Frankl
© Jan Frankl

Das Programm nimmt seinen Ursprung bei der uralten LP „Free Jazz“, über die Stefan Haider vor langer Zeit in der Schule ein Referat halten musste. Die Idee dahinter: Improvisation, das Leben so nehmen, wie es kommt, und sich nicht über jede Kleinigkeit ärgern, die man ohnehin nicht ändern kann. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat sich im Niedermair Anregungen für diese Philosophie geholt.

 

 

Free Jazz, das inzwischen fünfte Programm von Stefan Haider, ist nicht als Unterricht konzipiert. Es ist kein Plädoyer für Religion – eher im Gegenteil. Es ist vielmehr eine Art Lebenshilfe, eine Anleitung, wie man sich und die alltäglichen Ärgernisse nicht so ernst zu nehmen. Die Themen dabei sind vielfältig und behandeln Fragen, die man sich teilweise noch nie gestellt hat, die deswegen aber nicht unwichtig sind.

 

Warum zum Beispiel sagte Gott erst am Ende der Schöpfung „Es werde Licht“? Hat er also alles im Finsteren erschaffen? So würde doch kein Mensch vorgehen, werder ein Chirurg noch Stefan Haider selbst, wenn er einen Fahrradreifen repariert. Man sollte die Bibel also nicht allzu wörtlich nehmen.

 

Und wieso ist es wichtig, Latein zu verstehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, auf der Straße jemanden zu treffen, der Latein spricht, nahe null ist? Zum Beispiel, weil man nur dann die Rücktrittsrede des Papstes verstanden hat, allen anderen hat sich der Sinn nicht erschlossen.

 

Ein weiteres naheliegendes Thema ist das Bildungssystem, das Stefan Haider aufgrund seiner Erfahrung als Lehrer immer gerne aufgreift. Zentralmatura, Leistungsbeurteilungen, Motivation von Schüler/innen sind einige der Punkte, in die er Einblicke gewährt. Ist es eigentlich motivierend, Leuten zu sagen, dass ihre Leistung schlecht ist, oder bewirkt das vielleicht sogar das Gegenteil?

 

Für alle enttäuschten Fußballfans ist die Erklärung, dass wir eigentlich nur sehr knapp am EM-Titel vorbeigeschrammt sind, sicher ein Trost. Und alle, die in Physik schlecht waren, können aufatmen: Es ist nicht wichtig, zu wissen, wie und warum ein Flugzeug fliegt – es genügt völlig, sich ein Ticket kaufen zu können.

 

Anschaulich, mit Beispielen und Erlebnissen untermauert streift das Programm die unterschiedlichsten Bereiche, häufig begleitet vom E-Bass. Wie erlebt man als 13jähriger den 17-Uhr-Tee der Katholischen Pfarre, bei dem sonst nur 16jährige sind und der erst um 19:30 Uhr beginnt, und wo es auch keinen Tee gibt...? Warum sollten frisch verliebte Pärchen im Kino schmusen und wie wirkt sich das auf Paare aus, die schon länger zusammen sind? Und wäre es nicht einfach konsequent, beim Heiraten nicht nur den Nachnamen, sondern auch den Vornamen zu ändern? 

 

Die Antworten werden dem Publikum nach und nach gegeben. Die Regie führt, wie auch bei den bisherigen Programmen von Stefan Haider, Nadja Maleh. Das (Stamm-)Publikum war begeistert, die Zeit ist sehr schnell vergangen. So hätte man sich seinerzeit die Schulstunden gewünscht!

 

In diesem Sinn: Weniger Struktur, weniger ärgern, und mehr Free Jazz!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

Website von Stefan Haider

www.niedermair.at