14.11.2016  SCHMIDinger: 1000 Rosen

©  www.facebook.com/kabarettduoschmidinger/photos
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Als DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler am Anfang der Saison das Veranstaltungsprogramn des Casanova Wien nach Herbst-Premieren durchforstete, stolperte er über den Namen SCHMIDinger. "Schau an, die Schmidinger macht zum runden Geburtstag ein neues Programm", dachte er sich. Umso überraschter war er dann, als er entdeckte, dass sich hinter dem programmatischen Namen SCHMIDinger Lisa SCHMID und Gerhard GradINGER verstecken. Solo kann Gerhard Gradinger ja schon auf einige Bühnenerfolge verweisen. Aber wie schaut das nun zu zweit aus?

 

 

Während Gerhard Gradinger schon einige Bühnenerfahrung besitzt (3 abendfüllende Programme, Mitglied der Langen Nacht des Kabaretts 08/09, Gewinner des Kabarettpreises Milchkanne), kann man dies von Lisa Schmid ganz und gar nicht behaupten. So viel man auch Dr. Google auch befragt, sie ist kleinkünstlerisch ein unbeschriebenes Blatt. Auf der Bühne agiert Lisa Schmid aber so, als hätte sie schon mehrere Jahre Routine gesammelt. Einerseits passt der Kontakt zum Publikum, auch wenn sie, wie Gradinger zu Beginn des Abends meint, geblendet durch die Bühnenbeleuchtung ins Dunkel spielt, andererseits harmoniert sie bestens im Zusammenspiel mit Gerhard Gradinger, sie treten sozusagen in Resonanz.

 

Die beiden meinen anfangs, andere Kabaretts zeichneten sich durch Zugaben aus, ihres durch eine "Vorgabe", nämlich, dass sie vorhaben reines "Nummernkabarett" zu bieten. "Endlich", dachte ich mir. Irgendwie ist es ja schon fast ein zwanghaft ungeschriebenes Gesetz, dass man als Kleinkünstler nur dann als vollwertig zählt, wenn man abendfüllende Theaterwerke abliefert, die einen epischen und dramaturgischen Bogen über den kompletten Abend bieten ("Ein-/Zweipersonentheaterstück"). Fast möchte man meinen, man gerät in den Verdacht ein Comedian zu sein, wenn man "nur" Nummernkabarett spielt. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist SCHMIDingers "Vorgabe" fast mutig. Ich aber bin froh, endlich einmal wieder puristisches Nummernkabarett zu sehen.

 

Nicht überraschend ist die Themenwahl der beiden: Natürlich bietet es sich an, die Beziehung Mann-Frau unter den verschiedensten Aspekten und in den unterschiedlichsten Situationen humoristisch zu betrachten. Ein paar Beispiele gefällig?

 

Ein Streitgespräch des Paares im Auto über die provinziellen Eigenheiten der Schwiegermutter ("de Schlowakn"), bevor die Restln ihres Sonntagsbratens im Wald entsorgt werden. Eine skurrile Beziehungsanbahnung in einem Kaffeehaus, bei welcher er sich in unterschiedlichen Bindungsverträgen anbietet, welche an die Schmähs von Versicherungsvertretern bzw. Handyverträgen erinnern. Ein doppeldeutiges Gespräch, in welchem das Publikum den Unterschied zwischen einem (Edith)Klinger- und einem Swingerklub kennenlernt. In einem anderen Sketch der beiden erhalten wir Anregungen, wie man am besten den Weltuntergangstag mit seinem Partner verbringen könnte.

 

Mein persönliches Highlight des Abends ist die Schlussnummer, in welcher Lisa Schmid ihre Leid über ihren "Mann von der Stange - Baujahr 80, leichter Bierbauch, einfach gestrickt" klagt. Gerhard Gradinger sitzt dabei im Feinripp-Unterleiberl als zombiehaftes Wesen auf der Bühne, welches nur in Reaktion auf ihre Fingerschnips diverse Stehsätze von sich gibt, welche einen echten Macho "auszeichnen".

 

Die Conférencen zwischen den Nummern sind teilweise zu Mini-Solokabaretts erweitert. Lisa Schmid versucht sich dabei in satirischen Betrachtungen zur Flugangst, oder zu angedichteten Mutterfreuden durch die weibliche Umgebung ("Bastelts eh scho?!"). Gerhard Gradinger setzt sich in ironischer Weise mit der Datenschutzproblematik in unseren Tagen auseinander und argumentiert dabei etwas blauäugig, dass heutzutage Kundenkarten von Lebensmittelgeschäften bezüglich des Schutzes persönlicher Daten sicherer seien, als sie es früher während des Einkaufs beim Greißler ("Geschäft ohne Konzernhintergrund") waren. Gradinger liegt es einfach im Blut, das Publikum mit seiner humorvollen und legeren Erzählweise zu unterhalten.

 

Thematisch und stilistisch wenden sich SCHMIDinger mit "1000 Rosen" eher an ein Publikum, das eher auf Mainstream steht. Gradingers Soloprogramme waren sicher giftiger und gesellschaftskritischer. Mit ihrem Humor sprechen SCHMIDINGER sicher eine breite Publikumsmasse an, allerdings besteht die Gefahr, dass das Pointenniveau Richtung transdanubischen Bierzeltatmosphäre kippt, darauf sollten die beiden achten. "1000 Rosen" ist nicht unbedingt eine positive Message, was den Zustand einer Beziehung anbelangt, jedoch kann es durchaus tröstend wirken, wenn man/frau auf humorvolle Weise erlebt, dass es in anderen Partnerschaften kommunikativ genauso herb zugeht.

 

Was über alledem steht, ist aber die merkbare Spielfreude von Gerhard Gradinger und Lisa Schmid. Im Gegensatz zu den negativen Beziehungsstereotypen, welche sie in den Sketches karikieren, harmonieren die beiden auf der Bühne aufs Vortrefflichste.

 

 

DieKleinkunstredakteur Markus Freiler

 

 

SCHMIDinger

 

Casanova Wien