20.09.2016 Rabenhoftheater: Die Tagespresse Show

© Rita Newman
© Rita Newman

Der Titel „Die Tagespresse Show“ ist Programm im Rabenhoftheater – ein neues Kabarettformat lockt das Publikum direkt in den Newsroom der Tagespresse. Überraschendes, Witziges und zum Teil auch die Grenze des guten Geschmacks Überschreitendes wird aktuell aufbereitet und in Form einer Live-Nachrichtensendung dargeboten. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern wollte sich natürlich auch ganz aktuell informieren.

 

 

Die Premiere der Tagespresse Show im Wiener Rabenhoftheater erregte große mediale Aufmerksamkeit. Und so kam es, dass statt der – wie bei diesen Veranstaltungen sonst üblich – zahlreichen Kolleg/innen aus der Kabarettszene diesmal viele bekannte Gesichter aus der Medienwelt live miterlebten, wie ein neues Kleinkunst-Format zum ersten Mal über die Bühne ging. Damit erhielt dieses Debut den passenden Rahmen.

 

Das Konzept ist so einfach wie genial: Kabarett als Nachrichtensendung, das Setting als Newsroom: ein Pult für den Sprecher, in dessen Rolle Paul Kraker souverän schlüpft, und ein großer Bildschirm für Einblendungen und Live-Zuschaltungen, durch die Peter Klien als fliegender Reporter aus allen Ecken der Welt führt. Die Struktur ist ebenfalls die aus Nachrichtensendungen bekannte – Kurzmeldungen, Politik, Interviews mit Menschen an unterschiedlichen Schauplätzen, Wirtschaft, Sport, dazwischen aktuelle „Breaking News“.

 

Der Stil entspricht dem der Tagespresse – pointiert werden die verschiedenen Themen und Personen auf die Schaufel genommen. Natürlich soll an dieser Stelle nicht zuviel vorweg genommen werden, deswegen nur ein paar „Kostproben“, um auf den Geschmack zu kommen.

 

Wirtschaft: Wirtschaftsminister Mitterlehner fordert, dass Frauen schneller ins Arbeitsleben zurückkehren, deswegen soll die Schwangerschaft von 9 auf 6 Monate verkürzt werden. Finanzen: IKEA setzt Steuererklärungen zum Selbstbasteln ein – der Zahlungsverzug resultiert aus dem Fehlen eines wesentlichen Bauelements mit der Bezeichnung Mǿraal. Wien: Die Pläne für die Strecke der U5 wurden präsentiert: Diese wird spiralförmig in über 100 Stationen vom Stephansplatz nach Baumgarten (!) verlaufen, alle Bezirke verbinden und eine Fahrtdauer von mehr als 7 Stunden haben, dafür ohne Umsteigen. Inbetriebnahme voraussichtlich 2065.

 

In dieser Tonart geht es durch den Abend. Die Aufbereitung der Inhalte ist professionell, die Darbietung ebenso. Besonders originell sind Paul Krakers Verabschiedung von den beiden 3SAT-Zusehern und der fliegende Wechsel von Peter Klien zwischen seinen Außenstellen.

 

Ein Handlungsstrang ziehen sich als roter Faden durch die „Sendung“ – die geplante Wiederholung des Zweiten Weltkrieges, da die Aufnahmebestätigung der Kunstuni an Adolf Hitler gefunden wurde. Daraus entspinnt sich eine umfassende Berichterstattung mit Interviews, der Machtübernahme von Richard Lugner, der als neuer Präsident einen unkonventionellen Lösungsansatz bietet und aktuellen Meldungen aus aller Welt.

 

Dies ist auch gleichzeitig die Schwachstelle des Programms, da dieses Thema zu dominierend wird und einige Berichte dazu an der Geschmacklosigkeit kratzen. Zugegeben, der Zweite Weltkrieg bietet als Thema auch satirisches Potential, aber manchmal sollte man Tote (Themen) besser ruhen lassen.

 

Erschreckend sind die Interviews zu unterschiedlichen Fragestellungen, die Peter Klien an mehreren Schauplätzen in Wien gemacht hat – sei es zum eben genannten Thema, Michael Häupls Trinkgewohnheiten oder die U6. Angesichts der Antworten beginnt man stark zu hoffen, dass es sich bei den Gesprächspartner/innen um gebriefte, bezahlte Mitwirkende handelt – hat aber gleichzeitig die leise, beklemmende Ahnung, dass die Antworten doch echt sind…

 

Fazit: Ein buntes, abwechslungsreiches Programm, das ohne Pause eine Tour d’Horizont durch die nachrichtentauglichen Themen führt und hie und da noch Optimierungspotential hätte. Als neues Kabarett-Format aber sehr gelungen!

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

www.rabenhoftheater.com