4.10.2016 Petutschnig Hons: Gusch GmbH

© www.petutschnig-hons.at
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Petutschnig Hons is back in town ... bei der Premiere seines 2. Soloprogramms "Gusch GmbH" (Regie: Andi Peichl) im Kabarett Niedermair in Wien zeigt der Wutbauer aus Schlatzing wieder, wo der Schlaghammer hängt und wie es so in Schlatzing und auf der Welt zugeht. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink hat es sich angesehen.

 

 

Wenn "My name is, my name is Petutschnig Hons" erklingt, dann wird es wieder ernst.  Ausgestattet mit einem Schlaghammer und mittlerweile unverkennbar in seiner Arbeitskleidung - grüne Latzhose, Gummistiefel, blauer Arbeitsmantel und roter Hut - betritt der besagte Petutschnig Hons, seines Zeichen Bauer im kärtnerischen Schlatzing, erfolgreich auf facebook und youtube und Gewinner des Publikumspreises des österreichischen Kabarettpreises 2014, wieder die Kabarettbühne, um über aktuelle Missstände in Schlatzing und gleich auch auf der ganzen Welt zu wettern. Ärgern muss er sich recht viel, aufregen tut er sich über alles mögliche, rüpelhaft ist er, hinterfotzig, streitsüchtig, legt sich mit den Nachbarn an, liebt das Frühstücksbier am Morgen und droht des öfteren, seine Fäuste sprechen zu lassen. Das war schon in seinem ersten  Soloprogramm "Auf's Maul",  so und hat sich auch nicht geändert.

 

Eigentlich beginnt alles recht harmlos, die Frau ist krank, deshalb bringt er die Kinder in die Schule und in den Kindergarten, verzichtet dafür sogar auf seinen morgendlichen Besuch beim Wirten. So fängt er von seinem Tag zu erzählen an, zeitlich erstreckt sich "Gusch GmbH" von ca. 5 Uhr am Morgen (Kühe melken im Stall) bis 18 Uhr am Abend, bis er wieder auf seinen Hof zurückkehrt. Während er so erzählt, fallen ihm immer wieder Themen ein, über die er sich so aufregen muss, die er nicht gut findet, wie zum Beispiel das Thema Datenschutz, darüber ärgert er sich beim Versicherungsvertreter, der ihm partout keine Lebensversicherung abschließen lassen will, aber die starke Hand von Petutschnig Hons, die sich da um den Hals des Vertreters krallt, überzeugt ihn dann doch, es zu tun. Also schon auch ein wenig grob, dieser Bauer aus Schlatzing.

 

Der Petutschnig Hons ist eine Figur, die der Kabarettist Wolfgang Feistritzer mit großer Überzeugungskraft spielt, trotz der Rüpelhaftigkeit ist dieser Bauer ein wachsamer und kritischer Beobachter. Man sollte ihn nicht unterschätzen, sein Universum besteht nicht nur aus Kühen, Melkmaschinen, Trakoren und Jauchengruben. In der verbalen Flut, die über das Publikum hereinbricht, finden sich durchaus sozialkritische Äußerungen und seine Analysen zu Wirtschaft und Globalisierung im Großen - etwa die Reise der Sojamilch von Südamerika nach Russland - und unter anderem zu den infrastrukturellen Veränderungen in Schlatzing - etwa Einkaufszentren außerhalb der Ortschaft - im Kleinen treffen immer wieder den Nagel auf den Kopf.

 

Schlatzing ist ein enges Tal, und dementsprechend ist auch laut Bauer Petutschnig der Horizont seiner Bewohner, zum Glück gib es jedoch ihn und er hat den Durchblick. Er ist eine sehr wandelbare Figur, wechselt vom lauten Poltern mit deftigen Sprüchen zum sattelfesten Auskenner in deutscher Grammatik, und erteilt in dieser sogar der Lehrerin seiner Tochter Nachhilfe oder noch überraschender und ganz neu: wir lernen den Petutschnig Hons auch als literaturinteressierten, feinsinnigen Menschen kennen, ein paar Minuten lang, wenn er mit seinen Nachbarn über Neuerscheinungen in der Literatur diskutiert und dabei an einem Glas Chardonnay nippt, es scheint eine Szene wie aus der Zeit gefallen, denn sonst ist die Welt des Petutschnig Hons eine andere. Die Beschreibung der Agrarsitzung, an der er so gerne teilnimmt beim Kirchenwirt, fällt da schon anders aus: "Wer freundlich ist, verliert". Bei den hitzigen Diskussionen kann schon einmal auch ein Schnapsglas als Wurfgeschoss dienen.

 

Lässt der Wutbauer Petutschnig Hons es im ersten Teil ein wenig an Schärfe fehlen, dreht er dafür umso mehr im zweiten Teil des Programmes auf. Ein Handlungsfaden ist erkennbar, es kristallisiert sich heraus, dass sich in seiner Abwesenheit vom Hof auf demselbigen etwas zusammenbraut, die Spannung steigt, aber genaueres weiß man erst am Schluss ...  Auf jeden Fall steht fest: Petutschnig Hons ist auch mit "Gusch GmbH" ein absolut sehenswertes Programm gelungen.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

www.petutschnig-hons.at

Kabarett Niedermair