27.11.2016 Peter & Tekal: Es ist ein Arzt entsprungen

© http://www.kulisse.at/programm/peter-tekal/es-ist-ein-arzt-entsprungen
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Alle Jahre wieder warten Peter & Tekal mit einem Weihnachts-Special auf. „Es ist ein Arzt entsprungen“ ist das diesjährige. Es ist eine Kombination aus Altbekanntem und neuen Variationen, damit das (Stamm-)Publikum auch auf seine Rechnung kommt. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern war in der Kulisse wieder dabei.

 

 

„Mehr vom Selben“ lautet das Motto des Weihnachtsprogramms „Es ist ein Arzt entsprungen“ von Peter & Tekal, die sich in gewohntem – und bewährtem! – Stil durch den Abend blödeln. Warum auch nicht, dem Publikum gefällt es und eine gewisse Konstante in der schnelllebigen und immer dichteren heimischen Kabarett-Szene ist eine durchaus angenehme Erfahrung.

 

Am Anfang hört man einige Nachrichten, die auf dem Tonband der Praxis von Dr. Tekal hinterlassen werden – von Entschuldigungen, dass ein Termin wegen Krankheit abgesagt wird bis zu einer fehlgeleiteten Pizzabestellung sind einige Schmankerln dabei, die Angriffe auf die Lachmuskeln bedeuten.

 

Auf dem Weg in seine Ordination hat Dr. Tekal in der Straßenbahn ein Erlebnis mit einem anderen Fahrgast (natürlich Norbert Peter) zum Thema neue Medien und Facebook, das die Stimmung im Publikum zum Einstieg so richtig in Gang bringt, an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll. Sehenswert!

 

Aufgrund der schlechten Situation der ÄrztInnen in Österreich hat er einen Nebenjob als Telefon-Hotline-Mitarbeiter, allerdings bei mehreren Hotlines, nicht nur medizinisch, sondern auch beim Technik-Notdienst, bei der Suizid-Hilfe oder bei der Sex-Hotline. Blöd nur, wenn dann zwei Anrufer (dargestellt von Norbert Peter und Norbert Peter) verwechselt werden und Verkalkungen der Arterie mit Anti-Kalk-Tabletten für die Waschmaschine behandelt werden. Aber zum Glück gibt es ja auch eine Vergiftungs-Hotline…

 

Nicht fehlen darf selbstverständlich Frau Kratochwil, wie immer gekonnt verkörpert von Norbert Peter, die diesmal als Ordinationshilfe für Chaos sorgt. Sie erklärt auch, warum ein praktischer Arzt so praktisch ist: Weil sie sich bis zum Schluss überlegen kann, was ihr fehlt, und sogar im Gespräch kann sie noch irgendwo Beschwerden bekommen. Das geht bei dem eingeschränkten Tätigkeits-Bereich von Fachärzten klarerweise nicht…

 

Aber auch der Weihnachtsmann – nicht überraschend ein Alter Ego von Norbert Peter – spielt eine Rolle. Er ist Patient und wird in die Ambulanz geschickt, wo er das Schicksal vieler Menschen teilt, nicht mehr als eine Nummer zu sein und Stunden nur mit Warten verbringen zu müssen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und das gelingt!

 

Im Lauf des Abends präsentiert Ronny Tekal dann ein viel effizienteres Modell zur Spitals-Organisation: Angelehnt an das Running-Sushi-Prinzip durchlaufen die Patient/innen die Stationen im Spital auf einem Förderband, je nach Versicherungsklasse mit oder ohne Schleife zum Primar. Gleichzeitig warnt er vor der "GlobUlisierung" der Bevölkerung durch Alternativmedizin und andere Behandlungsmethoden, die der Schulmedizin ihr Geschäft streitig machen.

 

Tekals allgemein bekannte Karikatur des „typischen Österreichers“ mit immer offenem Mund und ausgeprägter Rumpfmuskulatur erfährt diesmal aus aktuellem Anlass eine Erweiterung: Eine etwas größere rechte Hand zum Wählen – die „HC-Pratze“. Politisiert wird sonst nicht, abgesehen von der Zugabe, die eine „moralische“ Empfehlung für die kurz bevorstehende Wahl beinhaltet und sich wohl ab nächster Woche auf das Ergebnis beziehen wird.

 

Insgesamt wie erwartet ein heiterer Abend ohne tiefgehende oder polarisierende Themen, leichte Kost und viel Humor.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

 

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