27.9.2016 Nadja Maleh: Best-of Kabarett

© Gary Milano
© Gary Milano

Jetzt ist es also soweit. Auch Nadja Maleh präsentierte ein „Best of“ ihrer bisherigen Programme in der ausverkauften Wiener Kulisse. Erwarten konnte man sich eine bunte Mischung von Liedern, kurzen Szenen, Stimmwandlungen und Witzen, die üblicherweise nicht unter der Gürtellinie landen. Ob diese Erwartungen erfüllt wurden, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern angesehen.

 

 

Die Wiener Kulisse war bis auf den letzten Platz besetzt als Nadja Maleh die Bühne betrat. Auf dem Programm stand ein „Best of“, für das sie als Rahmen eine Flugreise gewählt hatte. Als Flugbegleiterin mit extrem angenehmer Stimme versprach sie ein „Kurzflug-Entertainmentprogramm“, das die 100 Minuten-Reise wie im Flug vergehen lassen sollte. Und sie hielt wirklich Wort. Vermutlich war es aber sehr schwierig, aus ihren mittlerweile fünf Soloprogrammen diese Zusammenstellung herauszudestillieren, denn sehr vieles musste dabei unter den Tisch fallen, das es ebenfalls verdient hätte, hier präsentiert zu werden. Aber dazu wäre wohl ein Langstreckenflug notwendig gewesen, und auch auf diesem hätte man sich garantiert nicht gelangweilt.

 

Die Tochter einer Tirolerin und eins Syrers („Ich kenne daher den Fundamentalismus beider Seiten“) zündet ein Humor-Feuerwerk, das blendend unterhält. Damit beweist sie, dass Kabarett keineswegs tiefschürfend sein muss, sondern auch mit lockerer Unterhaltung sein Ziel erreichen kann. Denn zwischen all ihren Witzen schimmert immer wieder auch Kritisches durch, etwa wenn sie jene Politiker kritisiert, die allzu schnell bereit sind „Das Boot ist voll“ zu sagen - „ohne selbst auch das kleine „Seepferdchen-Abzeichen zu haben. Aber wer mit Bananen zahlt, muss eben mit Affen arbeiten“. Oder wenn sie sehr eindrucksvoll den Neid und die Rücksichtslosigkeit einer Dorfgemeinschaft einer etwas einfach gestrickten Solosechser-Gewinnerin gegenüber anprangert. Vegetarier kritisiert sie mit der Feststellung, dass sie zwar keine Tiere essen, diesen aber die Nahrung wegfressen.

 

Überwiegend aber darf rückhaltlos gelacht werden. Ihre Witze verletzen nicht, sondern unterhalten, und das ist auch das erklärte Ziel von Nadja Maleh. Sie ist eine überzeugende Verwandlungs-künstlerin, ohne die Kostüme wechseln zu müssen. Nur durch ihre Stimme und ihre Körperhaltung schlüpft sie in die unterschiedlichsten Rollen. Als russische „Wellness-Expertin Olga“ bietet sie eine strenge Behandlung, als chinesische Masseuse beseitigt sie körperliche Schmerzen und ersetzt sie durch Lachkrämpfe, als Kindergartentante Melanie beweist sie, wie gefährlich politische Dummheit sein kann oder als merkwürdige Frau Professor Huber drischt sie Gemeinplätze unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit.

 

In jeder Rolle überzeugt sie vor allem auch stimmlich. Wie schnell es ihr gelingt, die zahlreichen Rollen zu wechseln, beeindruckt, wie sicher jede Pointe sitzt, unterhält. Durch die Lockerheit und Perfektion ihrer Präsentation übersieht man beinahe, wie viel intensive Arbeit hinter dieser „Lockerheit“ steckt.

 

Drei Lieder, die von Nadja Maleh ohne Ironie oder Spaß präsentiert werden, zeigen dabei deutlich, wie musikalisch und stimmlich überzeugend sie auch abseits des Kabaretts sein könnte. Begleitet wird sie übrigens auf der Gitarre von Bernd Alfanz.

 

Aber zurück zum Kabarett: Ein Besuch dieses „Best of Nadja Maleh“ unterhält garantiert und ist eine unfehlbare Medizin gegen Stimmungstiefs und Herbstdepressionen. Also unbedingt hingehen!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

Nadja Maleh

www.kulisse.at