9.11.2016  Matthias Kleinart: VIP-TV

© pixquadrat.com
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Musste die Vor-Premiere im Oktober noch wegen eines Bandscheibenvorfalls abgesagt werden, stand Matthias Kleinart am Mittwoch gerade und in kabarettistischer Höchstform auf der Bühne des Spektakel. Die Premiere seines Programmes "VIP–TV" zog zahlreiche Gäste, darunter viele Bekannte des Künstlers, an. Auch DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer hat sich unter die Gäste gemischt und sich vom Fernsehprogramm des Senders VIP-TV unterhalten lassen.

 

 

Natürlich startete Matthias Kleinart, wie sich das für einen guten Kabarettisten gehört, mit einem Kommentar zur am Vortag stattgefundenen Präsidentenwahl in Amerika. „Ich bin kein politischer Kabarettist, aber da müssen wir jetzt kurz durch.“ Er sei froh, dass es Trump gibt, denn der lenke von dem ab, was bei uns hier so läuft. Es folgt eine Imitation von Norbert Hofer, die an ähnliche Beiträge von "Willkommen Österreich" erinnert. Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person, damit sich das Publikum ein Bild von ihm machen kann, zeigt er eine Karikatur seines Gesichtes, startet das Programm des Fernsehsenders VIP-TV.

 

Zuerst führt Kleinart als Sepp Forcher (inklusive Hut und Dialekt) durch das "Klingende Österreich", und zwar konkret an den besinnlichsten Ort Österreichs: Wien. Dort erörtert er die Vielfalt von Hundehaufen und wundert sich über Jugendliche in Öffentlichen Verkehrsmitteln („Hey oida!“). Doch die Sendung trifft wohl nicht mehr den Geist der Zeit, denn sie wird durch ein Zumba-Mitmachprogramm ersetzt. Dabei zeigt Kleinart dem Publikum viele Figuren, vom Schwan bis zu Seegurke und Plankton, und animiert es zum Mitmachen. „Wenn es alle machen, ist es weniger beknackt“ – Na ja, darüber kann man diskutieren.

 

In weiteren „Sendungen“ wird unter anderem Falco wieder zum Leben erweckt, über ein Techtelmechtel zwischen ORF Kultur-Lady Barbara Rett und einem Herren Serafin (Junior oder Senior?) spekuliert, das Niveau von Kasperl mit dem von "Anna und die Liebe" verglichen, und und und. Vielen großen Namen unseres Landes wird Tribut gezollt, bzw. werden sie charmant auf die Schippe genommen. Auch alle großen ORF Formate werden analysiert, sei es "Tom Turbo" mit seinen namenskreativen Bösewichten, Dancing Stars, Sportsendungen und die Probleme der Kommentatoren, die Namen der Sportstars korrekt auszusprechen, oder Universum mit der aktuellen Folge „Universum Perversum. Jungtiere in der Gürtelregion Lugner“. Wird es dann doch zu viel, wird der Fernseher einfach abgedreht. Matthias Kleinart drückt die Fernbedienung und von der Technik kommt das passende Geräusch und Black.

 

Zwischendrin greift der Kabarettist immer wieder zum Mikro und gibt Einblicke in seine Beatbox-Künste. Auch eine kurze Clownerie-Szene hat er eingebaut, natürlich inklusive roter Nase und Abstecher ins Publikum. Dass hinter seinen Schmähs auch eine Message steckt, wird bei Kleinart deutlich. Bei allem, was er tut, ist der Wiener stets medienkritisch, so werden auch Werbepausen veräppelt und das Vokabular von Politikerinterviews analysiert. Selbst sein Outfit hat er nach der gesellschaftskritischen Zeichnung darauf ausgewählt. Und am Ende seines Programms folgt sogar ein philosophischer Höhepunkt. Er spricht von seinen Träumen, von 90% Wahlbeteiligung unabhängig vom Wetter bis hin zum Fehlen von Angst, statt der Angst vor Fehlern. Sein letzter Satz ist eine Frage ans Publikum: „Und was ist dein Traum?

 

Hier hätte Matthias Kleinart stoppen können. Ein vergnüglicher Kabarett-Abend der mit einer Message und einer philosophischen Frage endet. Die Zugabe, ein VIP-Ratespiel, ist zwar lustig und anders, zieht das ohnehin lange Programm aber zusätzlich in die Länge. So kommt man mit Danksagungen auf eine Spielzeit von zweieinhalb Stunden. Das ist zwar beachtlich für ein Soloproramm, vor allem da Kleinart zu keiner Zeit an Power verliert und erstaunlich schnell von einer Rolle und einem Dialekt in den nächsten wechselt, Jedoch hätte man sich wohl auch etwas knapper fassen können.

 

Vergnüglich war der Abend allemal, während ich eher ein ständiges Schmunzeln auf den Lippen hatte, übernahm die erste Reihe das laute Lachen und Schenkelklopfen für den restlichen Saal. Einen großen Pluspunkt hat Matthias Kleinart auf jeden Fall, ob man nun eher geschmunzelt oder doch lauthals gelacht hat, er ist ein Sympathieträger. Viele Gäste der Premiere sind mit ihm befreundet und die, die es nicht sind, wünschen sich wohl nun es zu sein, denn der junge Kabarettist ist von Grund auf sympathisch.

 

 

Die Kleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer

 

 

 

Matthias Kleinart