26.9.2016 Stadtsaal: Hader & friends

 

Josef Hader, von nicht wenigen als eine Art Übervater des österreichischen Kabaretts angesehen, hat sich vor einiger Zeit entschlossen gemeinsam mit vier kabarettistischen Nachwuchskräften eine Art „Bunten Abend“, d.h. Ausschnitte aus aktuellen Programmen der Beteiligten, auf die Bühne zu bringen. Der Stadtsaal war bis zum letzten Platz gefüllt, und auch „die Kleinkunst“-Redakteur Gerd Kern wollte sich von den Qualitäten der Kleinkunst-Zukunftshoffnungen überzeugen.

 

… zur Premierenkritik

 

 

Zu Beginn meinte Josef Hader, dass er junge KabarettistInnen eigentlich nicht mag, weil sie ja noch große Erfolge haben werden, wenn er schon lange tot sein wird. Und außerdem wäre das ja genau besehen eine Förderung der Konkurrenz. Dennoch habe er für diesen Abend eine Ausnahme gemacht und vier junge und talentierte Menschen eingeladen, mit ihm gemeinsam einen Abend zu gestalten. Warum? Ganz einfach jeder hätte eine beachtliche Summe dafür bezahlt und außerdem würden alle Einnahmen dieses Abends ausschließlich an ihn gehen. Naja.

 

Dabei waren daher Lisa Eckhart, Bernie Wagner, Omar Sarsam und Clemens Maria Schreiner. Um aber Sie als regelmäßige Leser von „DieKleinkunst“ nicht zu langweilen, kurz zwei Hinweise: Bis auf Omar Sarsam war das auch genau die Besetzung der „Langen Nacht des Kabaretts“ (nur Otto Jaus wurde gegen Sarsam getauscht), über die wir ausführlich berichtet haben. Und da alle nur Ausschnitte aus ihren Programmen präsentierten, sei auf die einzelnen Kritiken der Programme auf dieser Seite verwiesen.

 

Deshalb nur einige Anmerkungen zur Situation im österreichischen Kabarett, die sich an diesem Abend vermutlich unabsichtlich, aber gerade deshalb exemplarisch zeigte. Da sind zunächst die sogenannten Altmeister der Kleinkunst, diesmal vertreten durch Josef Hader, der schauspielerisch überzeugend und routiniert einige Standards über die Bühne brachte. Neues kam aber trotz der aktuellen Situation in Österreich und der Welt leider nicht.

 

Omar Sarsam wurde bejubelt, weil er einige wirklich witzige Nummern bot und auch musikalisch voll auf der Höhe war, bei genauem Hinhören aber nur oberflächliche Unterhaltung bot. Auch dass das Wiener Publikum sich hörbar dann besonders gut unterhielt, wenn es lauthals Begriffe mit sexueller Zweideutigkeit mitsingen durfte, macht etwas nachdenklich. Eigentlich sollte man das im Mitteleuropa der 21. Jahrhunderts nicht mehr als Tabubruch empfinden.

 

Anders zeigt sich die Situation bei Lisa Eckhart: Die aus dem Bereich Poetry Slam kommende Künstlerin versteht es ihre Zuhörer gezielt zu provozieren („Wenn wir Tiere schlachten und essen, warum schlachten wir dann in Kriegen Menschen ohne sie dann zu essen?“). Auch ihre Schlussaufforderung „Seien Sie nicht rassistisch, hassen Sie alle Menschen“ geht genau in diese Richtung. Hier merkte man allerdings schon etwas Reserve im Publikum, die erst durch die neu und furios gedichtete Eckhart`sche Bundeshymne aufgelockert wurde.

 

Bernie Wagner, immerhin Gewinner des Grazer Kleinkunstvogels, mühte sich wie schon bei seinem Auftritt in der „Langen Nacht“, um etwas Stimmung zu machen. Allerdings sind seine Texte dafür deutlich zu schwach und auch die Performance überzeugt nicht wirklich. Typisch war sein selbstkritischer Kommentar als eine Seite seiner Gitarre riss: „Das ist bei mir auch schon egal“.

 

Der vierte im Bund war Clemens Maria Schreiner, der sein Talent durchaus bestätigte. Recht witzige Texte und eine Präsentation, die immer besser wird, weisen darauf hin, dass sich hier ein Talent entwickelt. Bei einem Kabarettisten seines Alters würde man aber dennoch mehr Biss, ja vielleicht sogar Wut auf die aktuellen Zustände erwarten.

 

Apropos Biss: Damit ist die generelle Situation des österreichischen Kabaretts auch schon umrissen. Wenn arrivierte und manchmal etwas müde wirkende Altmeister der Szene sehr häufig immer noch angriffiger als der Nachwuchs sind, stellt sich unweigerlich die Frage wohin sich das Kabarett in Zukunft entwickeln soll. Reicht seichte und unverbindliche Unterhaltung tatsächlich aus oder wäre eine etwas kritischere Haltung zumindest von einigen Proponenten nicht doch wünschenswert, wenn nicht sogar notwendig?

 

Die Entscheidung darüber wird aber letztlich das Publikum durch seinen Besuch zu treffen haben.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

Hader & friends