10.11.2016 Gerhard Walter: Im Kleinen und Ganzen

(c) www,gerhardwalter.at
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Die Welt ist eine wunderliche. Wenn man sich ihr annimmt, wenn man aufmerksam zu beobachten beginnt und offen ist für die vielen Skurrilitäten und Absurditäten, dann bietet sie genügend Stoff für ein Kabarettprogramm - "Im Kleinen und Ganzen", so heißt das neue Soloprogramm von Gerhard Walter, in dem er dem Publikum seine Gedanken, Erlebnisse und Ideen auf höchst vergnügliche Weise mitteilt. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink war dabei.

 

 

 

Wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist. Unmögliches, Erstaunliches, Unsinniges, Wunderliches, Seltsames, Irrsinniges, Phantastisches, Unglaubliches. Gerhard Walter macht sich auf, das Leben zu beobachten, auf der Straße, im Supermarkt, wird auch oft fündig in der Zeitung, im Fernsehen, im Kaffeehaus, teilt auch eigene Erfahrungen mit und stellt fest: "Es gibt alles, und das ist großartig."  Dass "alles möglich ist", öffnet ein weites Feld, in dem sich Gerhard Walter dieses Mal im Standup-Format bewegen kann. Und er bewegt sich neugierig in viele Richtungen: Familie, Kinder, Beziehungen, Einwegfeuerzeuge, Kriege, um hier nur einige zu nennen. Gepaart mit seinem guten Sinn für Humor, spaßigen Kommentaren und klugen Gedanken sorgt er für ein feines und unterhaltsames Programm.

 

Immer wieder überrascht er in "Im Kleinen und Ganzen" mit Ideen, interessanten Assoziationsketten und fantasievollem Weiterspinnen von vorgefundenen Situationen. Wenn Gerhard Walter sagt: "Denken wir das einmal weiter", kann man sicher sein, jetzt wird es lustig. Er stolpert immer wieder über Seltsames, wie etwa Solosynchronschwimmen oder Luftpistolenschießen bei der Sommerolympiade, oder wenn auf seinem Handy ungefragt ein Update durchgeführt wird und die Benutzeroberfläche dann anders aussieht, das vergleicht er damit, dass jemand an seiner Tür klingelt und seine Freundin einfach austauscht. Oder er greift skurille Situationen auf, gibt sich aber nicht mit der gegebenen Situation zufrieden, sondern spinnt und denkt sie weiter. So etwa wenn er Schlagzeilen wie: "Frau fiel auf Krokodil, Krokodil schwer verletzt" liest, dann kommt die Fantasie ins Spiel und die Geschichte des verletzten Krokodils endet im Zirkus.

 

Bei der Lesung der Geschichte über den Download des Antivirenprogrammes, das ziemlich im Desaster endet und für viele Lacher sorgt, treibt Gerhard Walter die Absurdität der zahlreichen Kundennummern und Passwörter für alles mögliche, das Anlegen eines Kundennaccount, die Pincodes etc. auf die Spitze, einfach köstlich, es ist wirklich ein Vergnügen ihm zuzuhören und zuzuschauen.

 

An manchen Stellen weist das Standup-Format Längen auf, und als Publikum ertappt man sich beim gedanklichen Abschweifen, wie etwa beim Thema Kinder, das zu ausführlich behandelt wird. Die Situation mit einem schreienden Baby im Kaffeehaus ist auch nicht so spannend, genausowenig die klischeehaften Unterschiede zwischen Mann und Frau. Pointierter wird es hingegen, wenn Gerhard Walter beim Thema Kinder ein Erwachsenengespräch mit einem Vierjährigen führt.

 

Eine seiner Erkenntnisse ist: Es gibt viele Dinge, aber vieles davon braucht man nicht. Was es nicht gibt, meint Gerhard Walter, wofür es aber es eine große Zielgruppe gebe, sei Mode für Depressive. Darauf muss man erst einmal kommen. Und dann kommentiert er zum Vergnügen des Publikums eine Depressionsmoden-Herbstkollektion: wir sehen "ein Sakko für trübe Tage, den traumatisierenden Schnitt des Hemdes, und der Schnitt der Hose ist vorsetzlich unentschlossen und stellt eine Allegorie der Bindegewebsschwäche dar".

 

Am besten ist Gerhard Walter, wenn er sich in Situationen hinein begibt, wenn er zu erzählen beginnt, in Figuren schlüpft und sein darstellerisches Können zeigen kann. Eine veränderte Stimme, ein anderer Gesichtsausdruck, eine kleine Veränderung in der Art zu reden, und als Zuschauer bekommt man sofort ein Bild der Situation. Hier sei zum Beispiel das Telefongespräch eines Wieners am Freitag, 14 Uhr, mit "der Normandie" erwähnt, das, und davon ist Gerhard Walter überzeugt, für das Ende des Zweiten Weltkrieges gesorgt habe. Oder die sehr unterhaltsame Schilderung des Urlaubs mit der Freundin in Amerika, im Death Valley, bei der er zeigt, wie gut er im Geschichtenerzählen ist. 

 

Er kann aber auch anders. Kritisch nämlich, wenn er sich anschaut, was sich auf der Welt sonst so abspielt und mit welchen Horrormeldungen wir jeden Tag konfrontiert sind.  Es gibt nur eine Welt, wir sollten schauen, dass diese Welt ganz bleibt, das wäre eine gute Idee, "solange der Mars bei der nächsten Ausbaustufe der U6 nicht dabei ist".

 

Das Ende ist überraschend und könnte nicht besser sein. Die Stimme total verändert, der Text befindet sich in der Nonsensecke, und das Programm endet mit einem starken Bild: .... "bis die Sonne explodiert". In diesem Moment wünscht man sich mehr davon und bedauert, dass Gerhard Walters Streifzug durch die vielen Wunderlichkeiten und kleinen oder auch großen Verrücktheiten und Seltsamkeiten schon zu Ende ist. 

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

 

Gerhard Walter

 

Kabarett Niedermair