22.11.2016 Gerafi – Zusammen sind wir individuell

(c) Gerafi
(c) Gerafi

Schon der Titel „Zusammen sind wir individuell“ lässt erahnen, dass Gerafi mit einer unkonventionellen Darbietung aufwarten werden, und so kam es auch. Das Programm war ein Feuerwerk an Gags und Situationskomik, das seinesgleichen sucht. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat im Theater am Alsergrund einen sehr heiteren Abend verbracht.

 

Was will man mehr als ein Publikum, das lauter lacht als die Darsteller sprechen und sie am Schluss nicht von der Bühne lassen will? GerafiGerald Dell’mour und Rafael Wagner – haben dieses Ziel jedenfalls mit Bravour erreicht. Zu recht. Die beiden engagierten Kabarettisten sind eigentlich Journalist und Musiker und setzen ihre Talente zur Komik auf der Bühne perfekt um.

Das Programm „Zusammen sind wir individuell“ erzählt die Geschichte von zwei Freunden, die in ihrer Kindheit aufgrund eines Umzuges den Kontakt verlieren. 20 Jahr vergehen, bis man sich zufällig wieder trifft. Geoffrey ist inzwischen Mitarbeiter in einer renommierten Werbeagentur, arbeitet 24/7 und gibt alles für Job und Karriere. Dass seine Bedürfnisse dabei auf der Strecke bleiben, verwundert nicht. Randy hingegen ist Musiker, das heißt, er wäre es gern. Leben kann er – mehr schlecht als recht – nur vom Kellnern. Aber zumindest Stress ist für ihn ein Fremdwort.

Als sich die beiden konträren Freunde wieder über den Weg laufen, mischt sich das Schicksal in Form eines magischen Amuletts ein: Da sich beide wünschen, einmal der Andere zu sein, geht dieser Wunsch in Erfüllung. Nun muss der eine schier unlösbare Aufgaben „seines“ Chefs bewältigen, während der andere vor der Herausforderung eines Rap-Wettbewerbs steht … Chaos vorprogrammiert – oder doch nicht?

Entlang dieser Handlungslinie bringen Gerafi in jeder Hinsicht vollsten Einsatz, sei es mit einem pantomimischen Schwertkampf ohne Schwert oder einem Selfie-Rap (großartig) vor einem virtuellen Handy. Die Ausstattung ist minimalistisch, aber die Vorstellungskraft des Publikums wird perfekt unterstützt, zumal die Darstellungen sehr realistisch sind. Eine Perücke genügt, schon hat man die umwerfende Sekretärin vor Augen, und Rollenbeschreibungen als Hut sorgen ggf. dafür, dass man weiß wer gerade agiert, so zum Bespiel „Radio“ oder „unbezahlter Klavierspieler“.

Bemerkenswert sind nicht nur die witzigen Ideen, sondern auch die Performance auf allen Ebenen: Wortwitz, Schauspiel und Musik sind in dieser Kombination einmalig, und die beiden Darsteller optimal aufeinander eingespielt. Jede Bewegung und jedes Stichwort passen perfekt. Dieses Programm verlangt den beiden sehr gute Kondition und Beweglichkeit ab, was aber kein Problem für sie ist. Und das Beste: Man merkt, dass es auch ihnen viel Spaß macht!

Es ist unmöglich, sich all die Pointen und Einfälle zu merken, Highlights waren aber unter anderem die unverständliche Telefonstimme des nicht sichtbaren Gesprächspartners, Bemerkungen wie „die ersten drei Probejahre“ oder die Entscheidung, statt „Morgensport“ morgen Sport zu machen (daher ja auch die Bezeichnung!), aber auch die Tatsache, sich nicht einmal leisten zu können, einen Maledivenurlaub zu stornieren, geschweige denn zu machen. Und der gemeinsame Tango – der allein ist schon einen Besuch wert! Da stört es auch nicht weiter, dass beim Singen ab und zu ein Ton nicht haargenau getroffen wird.

Bei allem Klamauk, der ein Garant für beste Stimmung ist, bauen die beiden aber durchaus auch Botschaften ein, die Stoff zum Nachdenken geben. Nicht nur, dass man einmal selbst hinterfragt, was denn wirklich wichtig ist im Leben und welche Änderungen dazu nötig wären – es werden auch Themen wie soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Menschenrechte angesprochen, allerdings ohne schwermütig oder belehrend zu wirken.

Und ein wichtiger Hinweis für die Damen im Publikum: Die Zugabe! Achtung Kreisch-Alarm, jedenfalls geht es da etwas hitziger zu ...

Fazit: Gerafi sind ein kongeniales Team, das es versteht, das Publikum durch einmalige Ausdrucksweise (verbal und schauspielerisch), originelle Gags und perfekte Zusammenarbeit bis ins kleinste Detail in ihren Bann zu ziehen und für beste Stimmung zu sorgen. Zusammen sind sie jedenfalls nicht nur individuell, sondern auch großartig. Bitte weiter so!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

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Theater am Alsergrund