28.11.2016  Christof Spörk: Am Ende des Tages

(c)  Ernesto Gelles
(c) Ernesto Gelles

Mit Keyboard, Ziehharmoniker und Klarinette im Gepäck macht sich der Musikkabarettist Christof Spörk zur Premiere seines bereits vierten Soloprogramms seit 2011 auf den Weg zum Orpheum. Ebenso DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller, mit Block und Füllfeder ausgerüstet, um herauszufinden, worum es laut Spörk am "Am Ende des Tages" denn wirklich geht.

 

 

 

Wo ist die politische Mitte? Muss ein Realist nicht in Wirklichkeit ein Prophet sein? Und warum sind Finnen so gut im Rechnen? Im Einstiegsteil widmet sich Christof Spörk tagespolitischen Themen (wie der Präsidentschaftswahl: "Bei Luxusartikel braucht ma einfach länger bei der Auswahl. I denk wenn i einkaufen geh: Milch, Brot Zucker hab i sofort. Aber beim Blauschimmelkäse...") und dem Beleidigtsein aller möglichen österreichischen Entitäten, wobei ihm sein ausgeprägtes Talent zur Dialekteimitation zu Gute kommt. Es folgen anekdotische Schilderungen über die Erziehung seiner vier Nachwuchs-Spörks und philosophische Einsprenksel, das eine oder andere sogar poetisch ausgefeilt. Im Vergleich zu dem, was folgt, scheint die erste Viertelstunde wie eine Aufwärmphase, um die Stimmung der Zuschauer im gemütlichen, zum Bersten gefüllten Orpheum vorzubereiten.

 

Der Sprachwitz des Kabarettisten wird durch den manchmal dramatisch, manchmal komischen Einsatz von Musik komplettiert. Er begeistert einerseits mit fetzigen Liedern über das Sparen, das "Schirch"-sein von Gewerbeparks und den Start-Up-Hype. Zur Ziehharmoniker und dem Keybord gesellen sich schließlich noch die Klarniette und eine Loop Machine. Mit diesen Insturmenten und natürlich mit seiner vielfältig-wandelbaren Stimme werkt Spörk leidenschaftlich auf der Bühne herum. Mit der Loop Station zaubert er ein Selbstoptimierungs-Madrigal und ein Kinderlied über das BIP und die Unsinnigkeit der Wachstumswirtschaft.

 

Aufgrund des Wahlwohnsitzes des gebürtigen Steierers findet sich im Verlauf des Abends ein Palette an Burgenland-Schmähs. (u. a. mit Bezug auf das gratis vom Land angebotene "Dickdarmkrebs-vorsorgeuntersuchungsprogramm".) Als wachgeistiger Konsument enttarnt Spörk das Werbekonzept regionaler Lebensmittelproduktschienen, die sich nämlich alle über das Heimatmotiv bestens an Herrn und Frau Österreicher verkaufen lassen. Besser funktioniert nur noch das "Zauberwort 'zurück', denn wenn man das verwendet, dann kaufen die alles". Beim Hofer habe er den Zurück-zum-Ursprung-Bio-Soja-Drink-Schoko gekauft. "Wissts ihr was des is? A Kakao, richtig!"

 

Einen der Höhepunkte stellt das Brexit-Gedicht dar, in dem sich die Freunde Brexit, Öxit, Grexit, und wie sie alle heißen, auf einer Schweizer Berghütte treffen. Wegen des zunehmenden Drucks auf die Blasen all der Xits kommt es zu einer Auseinandersetzung am Pissoir, deren Komik zwar, wie zu erwarten, auf der Parodie der etablierten Länderklischees und -akzente fußt, die durch die originelle Geschichte und den Erzählmodus in Versform aber aufgepeppt wird, und so nicht aufgewärmt, sondern erfrischend und charmant daherkommt.

 

Im zweiten Teil dominieren Schulbildungsthemen, wie etwa sein Hass auf Aber-Sätze, die Frage nach legalen Bestrafungsmethoden und die Sinnlosigkeit der Zentralmatura. Ein Lied sticht durch sein ernsthaftes Anmuten ("Das Gute ist jetzt naiv, Moral ist obsolet, weil das Schlechtsein fast was modisches umweht.") und der Frage nach der Pointe, die es an sich selbst richtet, besonders heraus. "Ich bin kein Gutmensch" heißt es und ist, reich an harmonischen und rhythmischen Wendungen, das im Programm musikalisch am anspruchsvollsten ausgearbeitete Stück.

 

Mit den Klängen von Spörks Klarinettenmelodien schließt sein stimmiges, abwechslungsreich-kurzweiliges und musikalisch-komisches Kabarettprogramm. Die Premierengäste verlangen euphorisch nach zwei Zugaben. Eine Forderung, der Publikumsliebling Christof Spörk mit Genuss nachkommt.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller

 

 

 

Christof Spörk

 

Orpheum