14.10.2016 BlöZinger: bis morgen

© Ernesto Gelles
© Ernesto Gelles

Die Neugier war sehr groß, welches Thema BlöZinger (Robert Blöchl und Roland Penzinger) dieses Mal auf die Bühne bringen würden. Und die Überraschung war noch größer, denn in "bis morgen" (Regie: Jacob Banigan) beschäftigt sich das Kabarettduo mit dem Älterwerden und dem Tod. Nicht gerade leichte Kost, dachte sich DieKleinkunst-Redakeurin Margot Fink, doch BlöZinger wären nicht BlöZinger, wenn sie nicht auch diesmal wieder ein großartiges Programm präsentierten.

 

 

Franz (Robert Blöchl) ist 75, pensionierter Lehrer und lebt im Altersheim. Rollatorrennen um die Fernbedienung, Sitzen auf der Parkbank, Medikamenteneinnahme, nächtliche lästige Klogänge, das sind sozusagen die Highlights in seinem Leben. Ein paar Wehwehchen plagen ihn, aber hauptsächlich langweilt er sich zu Tode, versucht den Annäherungsversuchen der 72-jährigen Frau Gruber zu entkommen und wünscht sich auch nichts sehnsüchtiger, als dass ihn der Tod endlich holen kommt. Apropos Tod (Roland Penzinger), der kommt zwar, besucht ihn jeden Morgen, sie spielen Schach oder Scrabble oder Schnapsen und reden viel miteinander, aber mitnehmen tut er ihn nicht. Ein Jahr lang nicht.

 

Soviel zum Setting und zur Thematik - Wohnen im Altersheim, letzte Lebensphase, die Endlichkeit und der Tod. Durchaus schwere Kost könnte man meinen, ist es ja auch, doch BlöZinger schaffen es, keine Schwere aufkommen zu lassen. Schon alleine, dass der Tod sehr naiv ist und keine "Lebenserfahrung" besitzt, er hat z. B. noch nie ein Eis gegessen, durchbricht den Ernst und sorgt für witzige Dialoge. Wo sich der Tod allerdings gut auskennt, das ist das Sterben, und da kann er aus Erfahrung sprechen: "Die Leute sterben im Sommer viel entspannter" oder "Ich mag den Frühling, alles beginnt zu leben, um zu sterben".  Und so enwickeln sich in bis morgen - übrigens die Worte, die der Tod jeden Tag bei der Verabschiedung spricht - Gespräche über das Leben, den Sinn des Lebens, die Fragen, die man sich angesichts des Todes stellt.

 

In der langen Zeitspanne von einem Jahr, das in die vier Jahreszeiten unterteilt ist (musikalisch - no na - von Vivaldi begleitet), ist  eine Veränderung im Verhalten der beiden Figuren zu sehen: Der lebensüberdrüssige Franz bekommt durch die Gespräche mit dem Tod seine Lebensfreude wieder zurück, der Tod hingegen sieht sich zum ersten Mal mit einer Herbstdepression konfrontiert.

 

Was Szenenwechsel und Figuren anlangt, arbeiten Blöchl und Penzinger im Gegensatz zu den vorigen beiden Programmen ERiCH oder Kopfwaschpulver reduzierter, dafür textlastiger, was bei diesen Themen auch klar ist und genauso gut funktioniert. Es kommen jedoch Träume vor, die jeweils eine Jahreszeit einleiten, und in denen sie auch ihr pantomimisches Können zeigen. Auch wenn sie in den Traumsequenzen  teilweise ohne Worte arbeiten, gelingt es ihnen, Stimmungen zu erzeugen und Slapstickmomente einzubauen,  sei es durch Mimik oder eine Bewegung, und es ist ein Vergnügen, ihnen dabei zuzusehen.

 

Roland Penzinger stellt in bis morgen auch den bekifften Zivildiener Mario dar, der im Altersheim aushilft - eine weitere Figur, die für sehr heitere Momente sorgt ("Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund") - und zeigt hier großartigste Schauspielkunst, denn wie schwierig muss es sein, völlig nüchtern und klar einen eingerauchten Menschen darzustellen, ohne dass es gespielt und aufgesetzt wirkt.

 

Robert Blöchl wiederum zeigt wunderbar die Verwandlung von Franz,  wobei er in der Phase der Lebensfreude sich sogar ans Klavier setzt und zum Geburtstag einer Heimbewohnerin zwei Lieder singt, eines davon ist dem Tod gewidmet ("Der Tod macht heute blau"), der davon natürlich ganz gerührt ist.

 

Trotz der vielen treffsicheren Pointen und lustigen Momente nähern sich die beiden mit sehr viel Feingefühl der Thematik der eigenen Endlichkeit und dem Tod, da können auch stillere, nachdenklichere Momente vorkommen. Irgendjemand hat gesagt: gute Bücher sind wie lange Sommer für die Seele. Man könnte auch sagen: ein gutes Kabarettprogramm ist wie ein langer Sommer für die Seele.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

 

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Kabarett Niedermair