21.10.2015  Uta Köbernick und Gunkl: Grüße aus Lakonien

© Beat Allgaier
© Beat Allgaier

Zwei eher unangepasste Kabarettisten haben sich auf Vermittlung eines gemeinsamen Freundes zusammengefunden und starten eine Tournee durch den deutschsprachigen Raum: Uta Köbernick und Günther Paal alias Gunkl. Ob die Beiden wirklich so gut zusammenpassen, hat DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern im Wiener Stadtsaal überprüft.

 

 

Uta Köbernick, die seit Jahren in der Schweiz lebt, wuchs im Berliner Stadtteil Köpenick auf. Vielleicht hat ja diese Namensähnlichkeit dazu beigetragen, dass ihr späteres Leben von der Auseinandersetzung mit Wörtern geprägt wurde. Sie war jahrelang Mitglied in einem Jugendchor und begann mit 15 eigene Lieder zu schreiben. Seit 1996 ist sie Mitglied von SAGO, der Schule für Poesie und Musik von Christof Stählin. In der Folge studiert sie in Zürich Schauspiel und spielte dort auch Theater. 2006 ging sie mit ihrem ersten Soloprogramm auf Tournee, dem andere folgten, für die sie übrigens zahlreiche Preise erhielt.

 

Ihre Texte („Ich singe Lieder und sage Sachen“) sind teils angriffig, teils poetisch, wobei sie immer darauf achtet, nicht sentimental zu werden. Sie begleitet ihre Lieder auf der Gitarre oder der Violine und gibt sich dabei stimmlich äußerst variabel. Nie kommt sie dabei - wie auch bei ihren gesprochenen Texten – in Versuchung, unverbindlich zu sein. Ihre Texte strotzen von hintergründigem Humor („Warum lernt man in Mathematik nicht, womit man im Leben zu rechnen hat“), aber auch von deutlicher Gesellschaftskritik. Immer zeigt sie Flagge und nennt Missstände unverblümt beim Namen. Sie fühlt sich dazu nicht nur verpflichtet, sondern geradezu „genötigt“. Daher ist es auch kein Zufall, dass ihr neues Soloprogramm „Grund für Liebe – politisch, zärtlich, schön.“ heißt. Auf die Frage, ob sie als Liedermacherin denn auch Protestlieder schreibe, meinte sie, sie schreibe „Widerständchen“. So hat ihr schon vor einiger Zeit geschriebenes Lied „Zäune bauen“ heuer traurige Aktualität bekommen. Sie kritisiert mangelndes kritischen Denken („Wozu anders denken, wenn man sich erst ganz vom Denken befreit hat“), was in Situationen wie dem umstrittenen TTIP-Abkommen endet. Die darin enthaltene und vieldiskutierte Investoren-Schutzklausel bezeichnet sie als „die Realisierung aller Verschwörungstheorien“.

 

Mit der Sprache zu jonglieren, ist aber nicht nur eine Stärke von Köbernick, sondern bekanntermaßen auch von Gunkl. Es lag also durchaus nahe, dass die beiden über ein gemeinsames Programm nachdachten. Es gab bereits den Doppelabend „Sonnenschein und Welt“, und jetzt senden sie „Grüße aus Lakonien“. Gunkl seziert wort-akrobatisch menschliche (und unmenschliche) Verhaltensformen. Seine mit einer ordentlichen Portion Humor versehene Kritik ist nie vordergründig (sehr deutlich wird er nur bei der Kritik an kirchlichen Institutionen und Funktionären), wirkt aber sehr oft unnachsichtig. Er spielt mit Unterschieden von Begriffen „Alle und Jeder“, „Tapferkeit und Mut“ oder „eh und immerhin“. Seine Analysen scheinen aus der Verzweiflung zu resultieren, dass Menschen so sind wie sie eben sind. Trotzdem beendet er seine Analysen immer wieder mit der Bemerkung „Man darf aber trotzdem hoffen“.

 

Verhaltene Hoffnung ist durchaus auch ein Thema diese Doppelabends („Angst ist der rote Teppich für den Mut“). Doppelabend, weil die beiden Protagonisten kaum gemeinsam auftreten, sondern Programmblöcke abwechselnd präsentieren. Sie bieten also kein gemeinsam geschriebenes Programm, sondern „einen sinnvollen Dialog im Einklang“. Das Verbindende ist außer einer ähnlichen Geisteshaltung nur, dass Gunkl die Lieder von Uta Köbernick einige Male auf dem Bass begleitet und sie eine gemeinsame Zugabe bieten. Apropos Bass: Er verwendet an diesem Abend ein sechssaitiges Exemplar ohne Bünde, wodurch sich „eine unendliche Möglichkeit von falschen Tönen ergibt“, die er, das muss zu seiner Ehre gesagt werden, aber nicht wirklich ausnutzt. „Lakonien“ ist die Denkheimat der beiden Künstler, die „nur einen Schritt von der Welt entfernt liegt“.

 

An welchen Abenden und in an welchen Orten Sie „Grüße aus Lakonien“ erhalten können, erfahren Sie auf den Homepages der beiden Protagonisten.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

www.koebernick.ch

 

www.gunkl.at

 

www.stadtsaal.com