10.11.2015 Thomas Maurer: Der Tolerator

© Ernesto Gelles
© Ernesto Gelles

Man erwartet sich viel und bekommt alles und noch viel mehr! Einen unglaublichen Abend erlebte DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink bei der Premiere des neuen Soloprogramms Der Tolerator von Thomas Maurer.

 

 

Die Toleranz des Publikums wird schon zu Beginn auf die Probe gestellt, wenn Thomas Maurer mit Kazoo und marokkanischer Trommel  den Abend beginnt.  Und er weist auch sogleich darauf hin, dass einem zuerst etwas auf die Nerven gehen muss, damit man es tolerieren kann.  Er selbst übe sich in Toleranz, sei schon ganz gut darin, aber das erste Mal regt er sich dann ziemlich bald auf, nämlich über die Emoticons, diese „gagerlgelben Schmunzelwarzen“,  was ihn dabei so aufregt, ist die Sprachlosigkeit der Menschen, sie müssten Gefühle über Striche und Satzzeichen ausdrücken.

 

Er sei zu einem Toleranzsymposion eingeladen worden, erzählt er weiter, um dort Launiges zum Schlagwort Toleranz vorzutragen, und er habe sich im Sinne der Arbeitsminimierung dazu entschlossen, daraus gleich einen ganzen Abend zu entwickeln. Der Begriff Toleranz (laut Maurer der Kitt unserer Gesellschaft) oder auch die Titelvorgabe Der Tolerator eröffnen ein weites Feld an Möglichkeiten, sich an dem Begriff abzuarbeiten, das können so alltägliche Dingen wie Laktoseintoleranz oder eben auch Emoticons sein, aber auch Islamisten oder FPÖ-Wähler. Für  sogenannte Protestwähler, die aus Frust und Ärger gegenüber anderen Parteien die FPÖ wählen, fällt Maurer ein besonders treffender Vergleich ein: Wenn ich mich im Wirtshaus über dreckige Gläser und pickerte Teller ärgere, komme ich doch auch nicht auf die Idee, aus Protest aus der Häuslmuschel zu saufen.“ Dafür erntet er tosenden Applaus,

 

Was Maurer dann aber wirklich so überhaupt nicht tolerieren kann, ist die „pure, ungefilterte Blödheit“, natürlich die der anderen, das ist eh klar. Wie viel davon muss er aushalten? Und wie hält man die aus, die man echt nicht aushält? Gute Frage.

 

Grauslich wird es dann in der Pause, wenn Maurer Hasspostings über den Schirm laufen lässt, gefunden bei eudestrache.at , damit, wie er sagt, auch diese Seite Gelegenheit  zur Selbstdarstellung bekommt. Beängstigend, schockierend und widerwärtig sind diese Beiträge.

 

In der zweiten Hälfte des Programms läuft Maurer zur Höchstform auf. Er ist bissig, böse, sehr kritisch, regt sich oft auf, geht gegen Vorurteile an wie „die Asylanten kriegen 30.000 Euro im Jahr und ein Smartphone und ich Österreicher krieg nix.“ Er bringt einen Ausspruch von Jonathan Swift auf die Leinwand: „Man kann nicht die Menschen durch Vernunft von etwas abbringen, wozu sie nicht durch Vernunft gebracht wurden.“  Wie man während der gesamten Vorstellung hindurch ständig das Smartphone zur Hand nehmen und auf Facebook posten kann, wie es mein Sitznachbar getan hat, ist mir ein Rätsel. So etwas regt mich auf! Dazu fällt mir Maurers Feststellung ein: Dinge, die sich ignorieren lassen, damit man sie gar nicht erst tolerieren muss, sind eine tolle Erfindung!

 

Der Tolerator ist ein sehr zeitkritisches Programm, es ist manchmal ein wenig derb, aber meistens sehr böse und pointiert. Und am Ende explodiert die Bombe nicht, als alternatives Ende gibt es Thomas Maurer im Smiley-T-Shirt an der Gitarre, der „We Shall Overcome“ singt. Apropos Toleranz!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

www.thomasmaurer.at