7.11.2015  Theater am Alsergrund: Best Of Nagel

Letzten Samstag fand der dritte Teil der Feier-Trilogie zum 20-jährigen Jubiläum des Kleinkunstpreises Goldener Kleinkunstnagel statt. Der Moderator Robert Putz, Gewinner des Neulingsnagels 2012, erinnerte zu Beginn des Abends an den Erfinder des Kleinkunstnagels, Andreas Hutter. Mit einem Patzen Idealismus und löwenhafter Tatkraft hatte er aus einem modrigen Kohlenkeller diese glanzvolle Kleinkunstbühne gezaubert, welche seit 1995 besteht. DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler war gespannt, welche „Nagelköpfe“ an diesem Abend zu sehen waren.

 

 

Christoph Straka, Gewinner des Neulingsnagels 2010, eröffnet den Abend. Er bringt Auszüge aus seinem Programm „Urtheppat!“, in welchem er die Anpassungsnöte, welche man als Oberösterreicher in der Weltstadt Wien erlebt, mit viel Ironie beleuchtet. Legendär ist für mich schon sein durchgeknallter Psychiater, welcher meint, sämtlichen Seelenschmerz des depressiven Zuagrast’n mit probiotischem Joghurt heilen zu können.

 

Marcel Mohab, der sich 2012 mit Ausschnitten aus „Animal Funk“ den Goldenen Kleinkunstnagel erspielte, war als nächster an der Reihe. Wortarm und gestenreich, stets mit skurrilem Humor, vollführt er seine imaginativen Zaubertricks und zaubert mir dabei sogar einen Mixer aus dem Ohr. Ich freue mich schon auf die Premiere seines nächsten Programms „Out of Nowhere“.

 

Über die Jahre ging, sowohl im Hauptbewerb, als auch beim Nachwuchsbewerb, der Preis des Goldenen Kleinkunstnagels auch immer wieder an deutsche TeilnehmerInnen. So gewann die Ravensburgerin Fee Hübner 2002 den Neulingsnagel. An diesem Abend beweist sie gleich dreifach ihr Können: Instrumental am Klavier, als virtuose Sängerin und als wandlungsreiche Schauspielerin. Sie spielt mit viel Humor 3 recht konträre Rollen: Eine exaltiert-naive Schauspielerin, eine prüde überkorrekte Pianistin und eine alkoholisierte Diva.

 

Nach der Pause geht es mit dem Sieger des Hauptbewerbs des letzten Jahres weiter, Michael Eibensteiner. Er bringt den Prolog aus seinem aktuellem Programm „Nacktaffe“ Er thematisiert hierbei auf satirische Weise die brisante Thematik „Ausländer“ und klärt uns auf, dass Österreich in Wirklichkeit ein Bund von 9 „Auslanden“ ist. Als „diplomierter Herkunftsdiagnostiker“ diagnostiziert er messerscharf, wer im Publikum Tschetschene, Ukrainer, Russe oder Chinese ist.

 

Peter Klien beschließt das „Best Of Nagel“. Er eroberte die Trophäe des Neulingsnagels 2009. Klien überrascht das Publikum an diesem Abend: Er präsentiert nicht nur Gustostückerln aus seinem letzten Programm „Offline“, sondern überzeugt vor allem als Comedian. Ein Wuchtel-Feuerwerk geht auf uns nieder, u. a. über unpassendes Allerseelen-Wetter, einen „nichtamtsführenden Bundeskanzler“ und Jogging-Mania. Woran dieser Stil erinnert? Richtig an den Gag-Teil von „Willkommen Österreich“. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist Peter Klien doch einer der Autoren dieser Late-Night-Show.

 

Dieser Abend bewies wieder, welch Kleinkunst-Kaderschmiede das Theater am Alsergrund ist. Größen wie Thomas Stipsits, Klaus Eckel oder Blözinger u.v.m. verdienten sich hier ihre ersten Sporen. Es ist nur zu hoffen, dass unabhängig von der Omnipräsenz öffentlicher oder privater TV-/Radiomedien der Goldene Kleinkunstnagel auch in Zukunft als Geburtshelfer für so manche große Kabarett-Karriere dienen darf.

 

Danke, liebe Conny und lieber Michi, dass es Euch gibt!

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

Theater am Alsergrund