16.11.2015  Science Busters feat. Gunkl: Blade

© Science Busters
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Ein Naturwissenschafter, ein intellektueller Kabarettist und ein Conférencier, der jede aufgelegte Pointe treffsicher verwertet – das ist die Rezeptur für das Programm „Blade – Science Busters feat. Gunkl“, das DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern im Wiener Stadtsaal erlebte.


 

Vorweg sei gesagt, dass die Besetzung an diesem Premierenabend aus gesundheitlichen Gründen bei den Science Busters von der Stamm-Konstellation abgewichen ist. Sowohl Werner Gruber als auch Heinz Oberhummer sind derzeit nicht auftrittsfähig, deswegen wurde das Programm personell und inhaltlich adaptiert. Die Premiere wurde von Martin Puntigam, der als Conférencier fungierte, Gunkl und Florian Freistetter bestritten. Die ursprüngliche Kombination wird ab Ende Dezember zu sehen sein.

 

Das Bühnenbild erinnert etwas an einen Uni-Hörsaal. Zwei Tische mit Utensilien und eine dreiteilige Leinwand erwarten das Publikum. Wer die Science Busters kennt, ist mit dem Beginn sehr vertraut: Martin Puntigam betritt im gewohnten Outfit (ein hautenges knallrosa glänzendes Shirt und eine schwarze Trainingshose) die Bühne und kündigt das Programm und die Mitwirkenden an. Im aktuellen Fall wurden auch die beiden fehlenden Wissenschaftler entschuldigt. Das erfolgte routiniert-unterhaltsam.

 

Der anschließende Vorstellungs-Block fungiert als „warming-up“. Zunächst wurde Gunkl über seinen Werdegang und seine Gründe, Kabarettist zu werden, befragt – unterstützt von Kinderfotos und Ausschnitten aus dem Film „Maiers Büro“, die das Publikum merklich erheiterten. (Wer es jetzt wissen möchte: Diese Berufswahl war Zufall und wurde von Alfred Dorfer ausgelöst.) Auch die Wurzeln von Florian Freistetter wurden erkundet, bevor Martin Puntigam zum wissenschaftlichen Teil überleitete.

 

Mehr oder weniger hilfreich, aber jedenfalls ein Beitrag zur allgemeinen Erheiterung an diesem Abend, war der wiederholte Einsatz einer Handkamera, um die Vorgänge auf der Bühne mittels Videowall für alle sichtbar zu machen. So gut diese Idee ist, so amüsant war ihre nicht immer professionell wirkende Umsetzung. Großartig!

 

Die behandelten Themen waren sehr unterschiedlich und wurden in typischer Science Busters-Manier abgehandelt. So erfuhr man unter anderem von Florian Freistetter alles, was man noch nie über Neutrinos wissen wollte, und erhielt dank Gunkl Einblicke in das Schmiedehandwerk. Außerdem wurde auf der Bühne ein 5-Cent-Stück von Florian Freistetter erst versilbert und dann vergoldet – Experiment gelungen!

 

Weiters lernte man, dass es einen „Verein der Freunde der Zahl Pi“ gibt, bei den Vereinstreffen Treffen Pi-zza und Pi-nienkerne konsumiert werden, was alle s-pi-tze finden und das Aufnahmekriterium ist, die ersten 100 Nachkommastellen der Zahl auswendig und kreativ zu präsentieren. Florian Freistetter demonstrierte dies anhand der ersten 39 Stellen, die er auswendig (fehlerfrei!) aufsagte während er mit drei Paradeisern jonglierte (ebenfalls fehlerfrei).

 

Auch Gunkl machte einen Exkurs in die Praxis, indem er live eine Schmiedevorführung gab. Ein Highlight des Abends, da einerseits die Selbstironie im Hinblick auf die eigenen Fähigkeiten nicht fehlte und andererseits besagte Handkamera das Ihre dazu tat, den Fun-Faktor deutlich zu erhöhen.

 

Teilweise drifteten die Ausführungen, vor allem in der ersten Hälfte des Programms, etwas ins Abstrakte ab, was (insbesondere da die Aufnahmekapazität für wissenschaftliche Inhalte am Abend geringer ist) ein wenig mühsam war, aber es gelang Martin Puntigam (fast) immer, rechtzeitig die Kurve zu kratzen und die ZuschauerInnen dank genialer Situationskomik bei der Sache zu halten. Diese Tatsache war entscheidend für das Gelingen des Spagates zwischen Wissenschaft und Kabarett.

 

Wer sich also in die eigene Schulzeit zurückversetzt fühlen möchte, allerdings mit Augenzwinkern und ohne Prüfungsangst, ist in diesem Programm richtig. Mutige sitzen dabei weit vorne, da sich manchmal die Frage „fangen oder ausweichen?“ stellt, sollte etwas von der Bühne fallen – sei es ein Paradeiser oder ein heißer Amboss…

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

 

www.sciencebusters.at

 

www.gunkl.at

 

www.stadtsaal.com