18.11.2015 Linhart und Bauernfeind: Durscht & Nüchtern

Zum zweiten Mal treten Georg Bauernfeind und Manfred Linhart als Kabarettduo auf, das neue Programm heißt Durscht & Nüchtern, schon der Titel verleitet zu einigen Interpretationen. Was genau es mit Durscht & Nüchtern (Regie: Eva Billisich) auf sich hat, hat sich DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink bei der Premiere im Spektakel angesehen.

 

 

Welche Gegenstände spielen im zweiten Programm der beiden Kabarettisten eine große Rolle?  - Ein Smartphone, ein Laptop, Bierdosen. 

Welche Wörter schwirren durch Durscht & Nüchtern, dem Folgeprogramm von "Wurscht & Wichtig"? - Umwelt, Umweltschutz, Gutachten, Autobahnbau, Natur, Nachhaltigkeit, ...

Welche zeitgeistigen Krankheiten erleben wir auf der Bühne? - Burn-out, Smartphonesucht – obwohl das erleben wir ja nicht nur auf der Bühne, sondern live eine Reihe vor uns!, da eine Zuseherin unbedingt während des Kabarettprogramms per Whatsapp kommunizieren muss und zwar das gesamte Programm hindurch. Das Wort Ignoranz würde hier passen, und den Therapeuten, der im Programm vorkommt, könnte sie auch gut brauchen.

  

Aber zurück zu den wirklich wichtigen Dingen, zu dem, worum es in dem Programm geht. In Durscht & Nüchtern werden durchaus ernste, zeitgeistige und zeitkritische Themen angesprochen. Georg Bauernfeind,  abseits der Kabarettbühne langjähriger Mitarbeiter entwicklungspolitischer NGOs und Begründer einer Kommunikationsagentur mit dem Schwerpunkt nachhaltige Entwicklung, und Manfred Linhart, Winzer im Weinviertel, auch Produzent eines Kabarettweines!, ergänzen sich sehr gut auf der Bühne. Sind sie schon physisch sehr unterschiedlich in den Körpergrößen, sind sie es auch in ihren Figuren.

 

Das Setting ist eine Kuranstalt, in der die beiden drei Wochen einchecken, aber aus sehr unterschiedlichen Motiven: der eine, Herr Nüchtern, um endlich in Ruhe arbeiten zu können, der andere, Herr Wurst oder auch "Durscht" genannt - Erklärungen sind hier obsolet -, um endlich einmal nichts arbeiten zu müssen.

 

Sie sind also in ihren Wesenszügen und in ihren Einstellungen, Haltungen und Werten grundverschieden - Bauernfeind als quirliger Burn-out-gefährdeter Workaholic („Ich habe 8-9 Stunden Schlaf in der Woche“) mit Panikattacken, und Linhart als gemütlicher Prolo"owizahrer", das ergibt schon eine  sehr gute Kombination. Natürlich haben beide ein Einzelzimmer gebucht, und natürlich gibt es Fehler in der Zimmerzuweisung, und sie müssen sich ein Zimmer teilen. Und dann geht’s erst richtig los. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig, Herr Nüchtern findet sich in der Therapie nicht zurecht, während Herr Durscht seinem Namen alle Ehre macht und die Abende beim Wirten im Dorf verbringt. Während der eine versucht, die Umwelt zu schützen, geht der andere seinen persönlichen

„Jakobsweg“: Wirtshaus – Würschtlstandl – Wirtshaus.

 

Aber, es gibt immer ein Aber: Kann der eine am Anfang mit Meditationen im Wald und Chakras nichts anfangen und hat der andere nur seine Projekte und Gutachten im Sinn und ist immer telefonisch erreichbar, so ändern sich im Laufe der drei Wochen die Dinge sehr rasch. Schuld daran ist unter anderem eine Frau, für die der Naturverächter - mit der Farbe grün verbindet er nur Rapid Wien - den Waldschrat mimen soll. Es kommt zu köstlichen Dialogen, als Herr Durscht Herrn Nüchtern um Tipps fragt, wie er denn die Kräuterpädagogin beeindrucken könne. Und auch das liebe Geld und eine Kündigung - „Als Guter bist du immer der Blöde, derjenige, der nur auf sich schaut, macht es richtig.“ - können Einstellungen und Haltungen verändern, oder doch nicht?

 

Am Abschlussabend des Kuraufenthalts gibt es dann noch einige Highlights, z. B. das berühmte Lied „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens, umgetextet auf österreichische Verhältnisse und dem Wein – herrlich!

 

Durscht & Nüchtern ist ein kurzweiliges, sehr unterhaltsames Programm, mit schlauen Gedanken, guten Pointen und einer interessanten Geschichte. In einigen Gedanken und Aussagen findet man sich selbst wieder – es ist also eine gute Gelegenheit, über die eigene Lebensweise nachzudenken.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

 

www.wurschtundwichtig.at

 

www.kabarettwein.und-so.at