(c) Kabarett Simpl
(c) Kabarett Simpl

Einsteigen, aussteigen, umsteigen, zusteigen, absteigen … Die neue Simpl-Revue „Bitte alle aussteigen!“ hat sich zu diesen Begrifflichkeiten einige Gedanken gemacht und liefert in dieser eineinhalbstündigen Bühnenshow im Kabarett Simpl eine Neuerung – erstmals übernimmt Claudia Rohnefeld die Conference - und viele, viele Pointen. Ob diese auch für gute Unterhaltung und viele Lacher sorgten, ob die neue Revue empfehlenswert ist, davon berichtet DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.


 

Es beginnt in einem U-Bahnwaggon, die Durchsage „Bitte alle aussteigen – wir sind am Ziel“ wird von allen Reisenden aus den unterschiedlichsten Gründen ignoriert. Bei der ersten Szene sind auch schon die Mitwirkenden des Abends versammelt – es spielen Jennifer Kossina, Claudia Rohnefeld, Alexandra Schmid, Joachim Brandl, Martin Buchgraber, Roman Frankl, Alexander Sedivy und Ernst G. Vokurek in dem von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner geschriebenen kabarettistischen Revue. Es geht ums Aussteigen in seinen unterschiedlichsten Facetten, sei es aus dem öffentlichen Verkehrsmittel, aus dem Alltag, aus dem bisherigen Leben, aus der EU.


Was fällt mir zu diesem Abend ein? Claudia Rohnefeld macht ihre Aufgabe als Conférencière gut, ein 1,50 m großes Energiebündel, das mit viel Verve an die Sache rangeht. Auch das Ensemble zeichnet sich durch hohe Professionalität aus, ist redlich bemüht, singt und spielt und zeigt seine Qualitäten, schön zu sehen zum Beispiel beim Zusammenspiel von Brandl und Sedivy oder auch bei Brandl und Rohnefeld, und wenn Alexander Sedivy als Andi Borg sein parodistisches Können ausspielen kann, doch ein Buch kann noch so schön aussehen und das Papier von bester Qualität sein, wenn der Inhalt nicht passt, hilft auch das Äußere nicht.

 

Angelegt ist die Revue für die breite Masse, die Pointen, wenn man sie auf der Niveaulatte misst, sind meist tief unten angesiedelt, im Keller sozusagen, anstatt dass sie auf dem Parkett der Bühne glänzen und für Lacher sorgen. Es werden viele unterschiedliche Szenen gespielt, etwa beim Friseur, vor dem Parlament im Abgeordnetenzelt, in der „Oida“ (in Anlehnung an die „Aida), in Linz, beim EU-Ausstiegsstadl, im Wohnzimmer,  in einer Bürgermeisteramtsstube in Niederösterreich, wobei gerade bei diesem Sketch einem nicht nur das Lachen im Hals stecken bleibt, sondern es tut echt weh, diese Nummer anzusehen. Es ist das eine, Humor und Satire zu nutzen, um Missstände aufzuzeigen, in diesem Fall ist es angesichts des Flüchtlingsdramas der letzten Wochen und Tage  geschmacklos - auch wenn Seitenhiebe auf Pröll und die Asylpolitik fallen -, wenn die Innenministerin dem Bürgermeister zwei Flüchtlinge ankündigt, und dieser die beiden in einen kleinen Kasten stecken will, solange bis das Zelt aufgebaut ist.

 

Eine unterhaltsame Revue ist „Bitte alle aussteigen!“ für alle, die diese Art des Schmähs mögen. Wer sich bissig-kritische Conferencen und Sketches erwartet, könnte im Simpl enttäuscht werden.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

www.simpl.at