5.9.2015 Guggi Hofbauer: Guggis Kleinkunstfundus

© Peter Bosch
© Peter Bosch

Mit dem Besuch der Premiere von Guggi Hofbauers „Guggis Kleinkunstfundus“  beginnt auch für DieKlein-kunst-Redakteurin Margot Fink die herbstliche Premierensaison. Das Format „Guggis Kleinkunstfundus“ soll  viel Raum zum Experimentieren bieten, einmal im Monat wird es in Mikes Werkstatt gespielt, und jeder dieser Abende steht unter einem bestimmten Thema, das das Publikum bestimmen darf, und einen Überraschungsgast gibt es auch noch. Herrlich oder?

 

Das Thema des ersten Abends bei „Guggis Kleinkunstfundus“ lautet „Neuland und Aufbruch“ – ein Thema, das jede oder jeder aus dem Publikum auf irgendeine Art und Weise auch kennt. Ein naheliegendes Thema – ist doch diese Art des Programmes auch für Guggi Hofbauer Neuland und sozusagen ein Sprung ins kalte Wasser.

Bei diesem Konzept, das so viel Freiraum lässt, kann Guggi Hofbauer ihr gewähltes Thema auch von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten, und das tut sie auch ausführlich.  In 6 Programmpunkten, die jeweils so in etwa 15 Minuten dauern sollten - so genau kann man das nicht vorplanen, denn die Premiere dauert wesentlich länger, was ein wenig an die Substanz geht, nähert sie sich dem Thema an. Das Konzept lässt ihr Raum, um ihre Wandlungsfähigkeit zu zeigen, dazu schlüpft sie etwa  in unterschiedliche Figurentypen. Sie greift zum Beispiel das Thema „Helikoptereltern“, oder auch Kinderwunsch und Torschlusspanik bei der Partnersuche auf. Eine weitere Figur, die in „Guggis Kleinkunstfundus" vorkommt, ist jene des Herrn Professor Balduin Ideenreich – Professor für Mathematik und Physik, aber auch für das Leben, solche humorvolle, weise Figuren wünscht man sich auch in den weiteren Vorstellungen. Und der Herr Professor wird den „Kleinkunstfundus“ zum Glück weiterhin begleiten.

Die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzen sich aber nicht auf ein kabarettistisches Figurenspiel, es wird auch gesungen, es wird gelesen und gereimt,  was den „Kleinkunstfundus“ zu einem sehr abwechslungsreichen Programm  macht. Bei „Fundus“ denkt man an etwas, das es schon gibt und aus dem man schöpfen kann, aber diesen Eindruck erweckt der Abend nicht, es ist ein Ausprobieren von Neuem, nicht von schon Vorhandenem, und das merkt man den Programmpunkten zeitweise an, sei es, weil der Witz und die Pointiertheit fehlen wie etwa in den Texten, die Guggi Hofbauer liest, oder die Art der Umsetzung nicht stimmig ist. Beim Programmpunkt Singen etwa geht es mehr ins Ausprobieren, als sie „New York, New York“ in der Version von Liza Minelli singt. Nachzusingen, ohne etwas Eigenes einzubringen, ist nie gut, es sei denn, man ist mit einer Stimme wie jener von Amy Whinehouse gesegnet, dann funktioniert es. Auch die Figuren sollten präzise gespielt werden: welchen Dialekt auch immer man für seine Figuren wählt, er sollte von der ersten bis zur letzten Sekunde durchgehalten werden, was beim Tiroler Dialekt und auch bei der Figur einer Deutschen natürlich sehr schwierig ist. Diese Anmerkungen tun aber den vielen guten Ideen keinen Abbruch, und Premieren verlaufen bekanntlich nie so, wie man sich das Programm wünscht.

Der Gast an diesem Abend ist der Lagerfeuermann Ali Föger – es werden Liederbücher ausgeteilt und 15 Minuten lang geht es ums Singen, wie man es vom Lagerfeuer her kennt, Lieder, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gehört, geschweige denn gesungen hat. Das Publikum singt begeistert mit. Der Lagerfeuermann kommt zu allen möglichen Plätzen, um mit den Menschen zu singen. An diesem Abend in Mikes Werkstatt wartet er nicht lange, schlägt den ersten Akkord mit der Gitarre an und alle singen Wolfgang Ambros‘ „Zwickt’s mi“.

Guggi Hofbauer sagt in einem der Programmpunkte, es brauche Mut, um Neuland zu entdecken.  Deshalb Hut ab vor diesem neue Konzept. Der „Kleinkunstfundus“ ist ein ambitioniertes Vorhaben, eine sehr gute Idee, um sich auszuprobieren, zu lernen, Erfahrungen zu sammeln, hier geht es nicht darum, ein perfektes Programm abzuliefern. Ich kann nur sagen: Endlich wieder eine Frau als Kabarettistin, Poetin, Musikerin auf der Bühne! Das Thema des nächsten Abends mit „Guggis Kleinkunstfundus“ ist übrigens: Baustelle. Es bleibt spannend.

 

Die Kleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

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