8.10.15  Flo & Wisch: Ameriga

Voller hätte der Saal des Orpheums wohl nicht sein können. Das bunt gemischte Publikum strömte zahlreich ins Orpheum, um Flo& Wisch zu sehen. „Ameriga“ ist ihr drittes Kabarettprogramm, Regie führte Prof. Joesi Prokopetz. Das Publikum hat viel und laut gelacht. Ob Flo& Wisch auch DieKleinkunst-Redakteurin und Kabarett-Skeptikerin Magdalena Stockhammerüberzeugen konnten, lesen Sie hier:

 

 

Zwei einfache Sessel und ein E-Piano, auf dem eine winkende Chinakatze steht - mehr brauchen Flo & Wisch nicht auf der Bühne. Zugegebenermaßen kommt gleich zu Beginn des Stückes noch ein besonders hässlicher Koffer als Requisit hinzu. Der Koffer ist schon gepackt und er gehört Wisch. Denn er hat vom Manager erfahren, dass Flo & Wisch für einen Auftritt in Amerika gebucht wurden. Flo ist skeptisch und glaubt nicht, dass sich auf der anderen Seite der Welt jemand für sie interessiert, außerdem mag er keine Flughäfen und den neuen City-Airport-Train, kurz CAT, kann er wegen seiner Katzenallergie auch nicht nutzen. Außerdem hat er als eingefleischter Wiener schon Heimweh, wenn er nach Mannswörth am Rande Wiens fährt. Wisch hingegen ist begeistert, denn er will in Amerika groß rauskommen. Er möchte seiner Tante Brittney nachfolgen, die in Amerika mit ihrem selbstgebrauten Bier mit dem Namen „Brittney’s Beers“ berühmt geworden ist. Weiters kann Wisch die Sprache schon, denn Steirisch und Englisch sind ja praktisch dasselbe. Denn wie die Amerikaner zur Liebe sagen, sagen steirische Diebe auf der Flucht vor der Polizei: „love“. Und wenn ein Steirer die Hand auf dem Herd liegen hat, denkt der Amerikaner an ein Pferd: „horse“.

 

Flo klärt seinen steirischen Freund darüber auf, dass man nicht Amerika, sondern „Ameriga“ sage. In diesem Moment wird die Bühne schwarz, die beiden Kabarettisten frieren ein und aus dem Off ist ein Nachrichtenbeitrag über den Sprachfehler vieler im Osten lebenden Österreicher bezüglich Konsonanten zu hören. Diese werden nämlich meist zu weich ausgesprochen, was Wörter bis zur Unverständlichkeit verändern kann. „Wussten Sie, dass etwa 56% der Betroffenen einen „Greissaal“ für einen Gemeinschaftsraum in einem Altersheim halten?“

 

Die Konsonantenverweichlichung und das Thema Amerika ziehen sich durch das ganze Programm. Zwischendurch schneiden die beiden Kabarettisten aber auch zahlreiche andere Themen an und sind dabei hochaktuell. So verarbeiten sie den aktuellen Trend zur veganen Ernährung („Sie sehen so gern die Halme weh’n und weinen dann beim Rasenmäh’n“), gewisse Politiker („Zum Diktatorenschwein muss man geboren sein“), Selfies, Dislikebutton und die moderne „Posting-Gesellschaft“ („Interessiert mich nicht“) und die NSA („Jemand schaut zu“) in witzige Liedtexte.

 

Diese sind voller Schmähs, die man dank des guten Gesangs auch perfekt versteht. Die Musik schreiben Flo & Wisch allerdings nicht selbst, hier bedienen sie sich bekannter Klassiker. So werden zu Beginn des Stückes beispielsweise „Englishman In New York“ und „Kids In America“ umgedichtet. Im Laufe des Programms wendet sich ihre Stimmung und nach dem Abarbeiten einiger Amerika-Klischees, wenden sich die Kabarettisten Österreich zu. Dies spiegelt sich auch in der Musik wider. Es bekommen österreichische Hits von EAV, Falco und DJ Ötzi neue Texte. Als Zugabe geben sie dann gar ein umgedichtetes Wienerlied zum Besten. Auch die Präsentation der Lieder garantiert Lacher. Flo bleibt zwar meist am Piano, hat aber keine Angst vor Grimassen und Wisch fetzt ständig über die Bühne und zeigt lustige, kreative Tanzeinlagen.

 

Die beiden jungen Kabarettisten sind kreativ, witzig, aktuell und sympathisch. Wie Flo es während des Programms feststellt: „Wisch, deine Schokoladenseite bin ich“. So begabt beide Kabarettisten einzeln sein mögen, gemeinsam laufen sie zur Höchstform auf und ziehen Jung und Alt in ihren Bann.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer

 

 


www.floundwisch.at

 

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