16.10.2015  Die lange Nacht des Kabaretts

© Moritz Schell
© Moritz Schell

Es ist kaum zu glauben, aber „Die lange Nacht des Kabaretts“ gibt es tatsächlich bereits seit 18 Jahren. Die Idee von Thomas Tröbinger, wenig bekannte junge Kabarettisten gemeinsam auftreten zu lassen und abzuwarten, wie es funktioniert, ist nach wie vor erfolgreich. Jetzt hatte im Kabarett Niedermair die Ausgabe 2015 mit Lisa Eckart, Daniel Lenz, Berni Wagner sowie dem Duo Maurer & Novovesky Wien-Premiere. Diekleinkunst-Redakteur Gerd Kern war an diesem Abend dabei.



Thomas Tröbinger hatte für 2015 wieder einen Mix von jungen Künstlern, die sich davor zum Teil nicht einmal gekannt haben, zusammengestellt, der einiges erwarten ließ. „Die größten Talente des Landes präsentieren gemeinsam Ersonnenes und die Highlights aus ihren aktuellen Programmen“ findet sich dazu vollmundig in der Programmankündigung. Und das verdienstvolle Kabarett Niedermair war wie immer bei dieser Gelegenheit ausverkauft.

 

Dann kamen Lisa Eckart, Daniel Lenz, Berni Wagner sowie das Duo Maurer & Novovesky unter  dramatischer Musikbegleitung auf die Bühne und präsentierten, wie bei der „langen Nacht“ bereits üblich, einen gemeinsam erarbeiteten Einstieg, für den sie sich  drei Tage Zeit genommen hatten. „Sieben Stunden und sechs Sekunden“ Programm  (ohne Zugaben!) wurde zunächst von ihnen als Dauer angekündigt. Dann stellten sie gemeinsam die Entwicklungsgeschichte der Menschheit in - sagen wir einmal - witziger Kurzform dar, wobei sie auch auf Gags aus eher unteren Laden wie der Assoziation „rückgratlose Mehrzeller=Kanzler Faymann“ nicht verzichteten. Dazu kamen Witze wie „Was haben Dinosaurier und intelligente Blondinen gemeinsam? - Sie sind ausgestorben!“. Naja. Und wie könnte es anders sein: Als Krone der Schöpfung wurden dann selbstironisch die Protagonisten des Abends vorgestellt.

 

Zuerst präsentierte der Oberösterreicher Bernie Wagner, der 2013 den „Grazer Kleinkunstvogel“ gewonnen hat, Ausschnitte aus seinem aktuellen Programm, das leider keinerlei Tiefgang hatte und insgesamt nur mäßigen Unterhaltungswert bot. Da half auch alles grimassieren nichts, das Publikum blieb dennoch hörbar reserviert.

 

Das änderte sich erst ein wenig, als der sympathische Tiroler Daniel Lenz für etwas Schwung sorgte. Auch seine Gags hatten zwar kein atemberaubendes Niveau, doch war nicht zu übersehen, dass Lenz das Zeug zum Unterhalter hat. Wenn man von diesen Ausschnitten, in die er das Publikum immer wieder aktiv einband, auf sein aktuelles Programm „fauLENZen“ schließen darf, dann wird man sich bei ihm in Zukunft vermutlich recht gut unterhalten. Ob man das Gebotene allerdings als Kabarett bezeichnen sollte, ist etwas fraglich.

 

Das  Duo Maurer & Novovesky machte sich vor allem über ihre Herkunft aus dem Weinviertel bzw. aus dem Marchfeld lustig, was stellenweise recht witzig war. Auch der Ansatz, dass viele Menschen nach einem wunderschönen Urlaub von ihrer gewohnten Umgebung bitter enttäuscht sind und die beiden deshalb immer besonders „schiache“ Destinationen aussuchen, nach denen  das Marchfeld wirklich toll erscheint, unterhielt das Publikum hörbar.

 

Zuletzt kam Lisa Eckart und bot einen ziemlich beeindruckenden Auftritt. Die studierte Germanistin aus der Steiermark ging vor zwei Jahren nach Berlin, wo so nach wie vor lebt. Sie bot mit einer gereimten und aktualisierten Fassung von Faust und vor allem mit einer ebenfalls gereimten zynischen Auseinandersetzung mit dem Thema Kinder wirklich gelungene und auch durchaus tiefer gehende Unterhaltung. Eckart, die seit mehr als einem Jahr in Deutschland und in der Schweiz in der „Poetry Slam“-Szene tätig ist, wird mit ihrem ersten Kabarettprogramm nur in Österreich auftreten, weil sie, wie sie in einem Gespräch nach der Premiere erzählte, auf den heimischen Dialekt auf keinen Fall verzichten will. Lisa Eckart hat jedenfalls Potential! Ihr erstes Kabarett-Soloprogramm wird sie übrigens am 30.10. um 22 Uhr ebenfalls im Kabarett Niedermair präsentieren.

 

Spürbar in Schwung kamen Künstler und Publikum dann bei den Zugaben, wobei  die Gesamtlänge des Programms nicht wie angekündigt sieben Stunden, sondern „nur“ 2:42 betrug. Ein Besucher war nämlich gebeten worden mit zu stoppen. Vor der Realisierung der Ankündigung „Wir spielen, solange sie wollen“ war wieder einmal keine Rede.

 

Die „Lange Nacht des Kabaretts“-Truppe ist im nächsten Jahr in ganz Österreich unterwegs. Im Niedermair ist sie dabei im Jänner 2016 wieder zu Gast.

 

 

www.niedermair.at

 

www.langenachtdeskabaretts.at