10.9.2015  Comedy Hirten: In 80 Minuten um die Welt

© http://www.comedyhirten.at/home
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Letzten Donnerstag machten die Comedy Hirten mit ihrer neuen Show erstmalig in Wien Station, nämlich im Casanova Wien. Christian Schwab, eines der Mitglieder der Hirten, erklärt auf Ö3 in dem Format „In 80 Sekunden“ mehrmals wöchentlich in äußerst pointierter Form, wie so manche Phänomene in unserer Welt „eigentlich funktionieren“. DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler war nun gespannt, ob es den Hirten gelingt, in ebenso kurzweiliger Form in 80 Minuten die komplette Weltgeschichte zu erklären.

 

 

Wer nicht Ö3-Hörer ist, wird wohl rätseln, wer sich hinter diesen Comedy Hirten verbirgt. Es sind dies die Ö3-Spaßmacher Herbert Haider, Rolf Lehmann, Peter Moizi und Christian Schwab. Ö3 hat sich nämlich schon seit Langem der Idee verschrieben, lustig sein zu müssen. 8 verschiedene mehr oder weniger lustige Comedy-Serien werden da gepflegt, und die letzten Folgen sind sogar auf der Ö3-Website zum Nachhören. Das hat übrigens einen riesengroßen Vorteil: Man muss nicht die ewig langen penetranten Werbeblöcke über sich ergehen lassen, welche den Comedy-Schienen vorangeschaltet sind. Allein das ist schon ein Grund, sich die vier oben genannten „Comedians“ live anzuschauen, aber sicher nicht der einzige.

 

Was. eint nun die vier auf der Bühne? Es ist ihr unnachahmliches Talent zu parodieren. Vielleicht ist ja auch die Angst vor deren Spötteleien der Grund, warum sich keine Seitenblickeprominenz und auch keine KollegInnen aus der Kleinkunstszene ins Casanova verirrt haben. Dabei hat nun über die Jahre jedes der Mitglieder seine „Lieblingsopfer“ gefunden. Insgesamt werden über 40 (!) Personen von ihnen in diesem Programm parodiert. Manche dieser Figuren besitzen schon Kultstatus - ein oft strapaziertes Wort, aber in diesem Falle wirklich angebracht

 

Bei den Comedy Hirten bleibt es nicht nur bei bloßer Stimmenimitation, sondern die Hirten tauchen in überzeichnender Form auch bezüglich Gestik und Mimik in die Person ihrer Vorbilder ein, Schauspielkunst nennt man das wohl. Es bleibt jedoch nicht bei einem Fleckerlteppich aus Einzelparodien, sondern es gelingt ihnen diese in eine (Welt)Geschichte zu verpacken,. Das Intro zu der Erzählung bildet der Titelsong „In 80 Minuten um die Welt“, welches von Marco Arnautovic und David Alaba von der Bar aus angekündigt wird. Herbert Haider singt es mit der Stimme von Udo Jürgens, und man muss schon die Augen offen halten, um sicher zu gehen, dass hier nicht der Jürgens selbst auf der Bühne steht.

 

Moderiert werden die einzelnen Szenen der Weltgeschichte von Christian Schwab. Er überrascht mich gleich anfangs mit äußerst bissigen Kommentaren zu tagespolitischem Geschehen. Ein Beispiel gefälliig? Anlässlich des Besuchs der Bundesregierung in Traiskirchen: „Diese traurigen Augen, diese Menschen ohne Zukunft! Und auf der anderen Seite auch natürlich diese vielen Flüchtlinge“. Das Motiv für die 80-minütige Reise durch die Weltgeschichte sei, dass man dadurch die heutigen Zustände besser verstehen könne: Die schlimmste Weltanschauung sei, die Welt nicht anzuschauen.

 

Auf die Reise begegnen wir den absurdesten Situationen: Der erste Mensch, Adam, bei Elisabeth T. Spira auf Frauensuche, Arnie als erster sprechender Neandertaler, DJ-Ötzi mit Sauriereierschale auf dem Kopf. Ein Lauda, welcher sich darüber beschwert, dass die Sumerer das Feuer erfunden hätten. Der geneigte Leser merkt, dass es Die Comedy Hirten mit der geschichtlichen Wahrheit nicht ganz so eng sehen. Und doch bleibt es nie bei reiner Blödelei an diesem Abend. Immer wieder werden Querbezüge aus der Frühzeit zum Menschen der Gegenwart hergestellt, welche den Jetztmenschen als kommunikativ degeneriert erscheinen lassen (Stichwort Handystick).

 

Ein wesentlicher Erkenntnisansatz - „Ohne die Frauen wäre nix auf der Welt passiert“ - führt zu einer genialen Merkel-Parodie. Sämtliche Geschichtsepochen werden vom Chefanalytiker kommentiert, der „zufälligerweise“ stimmlich starke Ähnlichkeiten mit deN Prochaska besitzt. Die Comedy Hirten düsen mit solchem Elan durch sämtliche Epochen der Weltgeschichte, dass sie eigentlich bereits bis zur Pause, also nach 60 Minuten, in der Zeitgeschichte angelangt sind.

 

So fehlt dann zwar in der zweiten Hälfte ein bisschen der dramaturgische Faden, es gleicht eher einer Aneinanderreihung von Parodien von Persönlichkeiten aus der Gegenwart. Der Zweck heiligt aber die Mittel, denn die Comedy Hirten laufen hier wirklich zu parodistischer Höchstform auf. Niemand bleibt hier verschont: Sei es aus Politik (z.B. Stronach, Faymann), E- und U-Kultur (z.B.: Gabalier, Netrebko), oder Sport (z.B.: Messner, Polster).

 

Ein wesentlicher Pfeiler der kompletten Show sind die Gesangesparodien von Herbert Haider. Unbeschreiblich seine Wandlungsfähigkeit: Von Mouskouri über Fendrich, Lindenberg, Heino, Alexander zu Conchita, und, und, und.

 

Natürlich gibt es ab und zu weniger gelungene Parodien, mir bleiben viel mehr meine persönlichen. Favorits in Erinnerung: Das Kommentatoren-Triumvirat eines Wagenrennens zur Zeit der Römer (Raten Sie einmal, welche Stimmen da im Spiel sind), Inspektor Columbo entdeckt Amerika oder der Profiler Dr. Th. M., welcher das Hirn von Strache erklärt (schaurig echt seine Stimme!).

 

Insgesamt ist es eine wirklich rund(wie die Welt)um gelungene Show, die nie seicht wirkt, sondern immer wieder auch durch gesellschaftskritische Pointiertheit gefällt – und das alles OHNE nervige Ö3-Werbeblöcke!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

 

Comedy Hirten

 

Casanova Wien