16.10.2015  Betty O.: Mundwerklieder

© Gery Wolf
© Gery Wolf

Im Wiener Casanova gastierte die steirische Sängerin Bettina Oswald mit ihrem Solo-Programm „Mundwerklieder“ erstmals vor Wiener Publikum. Beim Veranstalter wird sie unter der Rubrik „Kabarett“ geführt, sie selbst legt aber Wert darauf, eine „Mundwerkliedermacherin“ zu sein.  Was nun wirklich zutrifft, wollte DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern wissen.

 

Vorweg: Bettina Oswald alias Betty O ist keine Kabarettistin und will es ausdrücklich auch gar nicht sein. Die gebürtige Südsteirerin ist in einer Weinbauernfamile aufgewachsen und hat dadurch feste Wurzeln. Sie spielte schon früh Klavier und schrieb Liedtexte, wie sie mir nach der Premiere erzählte. Ernsthaft musikalisch unterwegs war die im Konservatorium der Stadt Wien ausgebildete Sängerin aber zunächst im Genre Musical – und zwar zehn Jahre insgesamt. Sie sang am u. a. am Raimundtheater im „Tanz der Vampire“, im Theater an der Wien in „Mozart“ oder in Hamburg im Abba-Musical „Mamma mia“.

Nach diesen zehn Jahren sattelte sie aber plötzlich um und konzentrierte sich auf ihre Soloauftritte. Sie schrieb wieder Lieder, die sich überwiegend um ihre südsteirische Heimat drehen und konnte damit auch beachtlichen regionalen Erfolg verzeichnen. Über die Steiermark hinaus hatte sich sie sich bisher allerdings noch nicht gewagt - und jetzt also ihr erster Auftritt in Wien. Man kann ohne zu übertreiben sagen, dass er erfolgreich war.

Betty O. hat soviel Bühnenpräsenz und Entertainment-Qualität, dass sie das gutgelaunte Publikum sehr rasch im Griff hatte. Sie sitzt bei ihren Auftritten am Klavier, das sie ebenfalls perfekt im Griff hat, und singt mit toller Stimme Eigenkompositionen, die vor allem eines bewirken sollen, nämlich gute Stimmung zu verbreiten. Dazwischen trägt sie witzige Gedichte vor, zum Teil sogar in Form von Schüttelreimen.

Sie beschäftigt sich mit Besonderheiten des steirischen Dialekts, macht sich über die Unsitte lustig, den Kindern französische oder englische Vornamen zu verpassen (Jessica, waunst Öl hoist, bring an Essig a!“),  beschreibt witzig das manchmal sehr stressige Leben von Winzern (vor allem wenn sie auch einen Buschenschank betreiben!), zeigt die Sprachprobleme im Nebeneinander mit Slowenien auf (wobei sie selbstkritisch bezweifelt, dass man in der Südsteiermark richtig Deutsch lernen kann), setzt sich ironisch mit der Überforderung der Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben auseinander, kritisiert den Einsatz von zu viel Chemie im Alltag, kehrt dann aber immer wieder zum Wein zurück, indem sie z. B. die „Inspiration Sauvignon“ besingt.

All das ergibt einen durchaus unterhaltsamen Bogen, der nicht auf Tiefgang, sondern auf leichte Unterhaltung ausgerichtet ist, wenn auch manchmal ernsthafte Töne anklingen, wie in ihrem Lied „Herbstwind“, in dem sie die Vergänglichkeit thematisiert, aber gleichzeitig auch Hoffnung auf einen neuen Anfang macht.

Wer also einen unbeschwerten Abend mit leichter, steirisch-regionaler Unterhaltung genießen will, der ist bei Betty O. durchaus richtig. Am 20.Jänner ist dafür Gelegenheit, denn da gastiert sie wieder im Casanova.

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

www.casanova-vienna.at

 

www.bettyo.at