28.10.2015  Austrofred: Austrofred Academy

© http://pertramer.at
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Austrofred verwandelte letzten Mittwoch das Rabenhof Theater in eine Außenstelle der Musikhochschule. Im Rahmen seiner „Academy“ durften die Inskribienten des Kurses den Grad des „Masters of Rockstar“ erwerben. Mit unheimlicher Coolness und gar nicht frontal fand dieser unterhaltsame Unterricht statt. Natürlich durften „seine“ Songs – ein Crossover aus Queen-Instrumental-Playbacks und vorrangig Austropop-Texten – nicht fehlen. Auch DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler befand sich unter den gelehrigen Studenten.

 

 

Wer ist nun dieser Austrofred? Man könnte ihn als das künstlerische Alter Ego zu jener Rolle bezeichnen, welcher der Sänger Franz Adrian Wenzl in der Indie-Rockband Kreisky spielt. Der Künstlername ist nicht rein zufällig als Anspielung auf den Bombast-Rocker Freddie Mercury gedacht. Austrofred versteht sich aber keineswegs als eine Imitation des großen Vorbilds, sondern bietet durch Überhöhung eine Persiflage auf den Habitus des Rockstars. Das Erstaunliche ist, dass dieses Prinzip nun schon seit zehn Jahren hervorragend funktioniert, und Austrofred über eine treue Fangemeinde verfügt, welche zu Mercurys Glanzzeiten vielleicht noch gar nicht auf der Welt war.

 

Mit einem Beispiel aus der Praxis, was einen echten Rockstar ausmacht, eröffnet Austrofred seine Academy. Zur Musik von „I Want It All“ singt er den Text des Austropop-Klassikers „Du Verstehst Mi Ned“. Er singt den Song mit viel Inbrunst und beherrscht dabei „Die Kunst der falschen Töne“ in Perfektion – „Monsieur Austrofred“ sozusagen. Gleichzeitig beweist er aber auch gewollt/ungewollt mit seinem reduzierten Stimmumfang, welch genialer Sänger Freddie Mercury war und liefert damit eine Hommage auf diese Rocklegende.

 

In Austrofreds Academy erfahren wir endlich, welche Ingredienzien zu einem echten Rockstar beitragen: „Voice, Body, Sexualität, Drogen, Finanzstruktur, Musik, Outfit, Mentale Stärke, Charisma, Soziales Engagement, Relaxen und last but not least der B-Führerschein (man will ja schließlich von A nach B auf der Tour kommen). Die Kursinhalte werden nicht in veraltetem Frontalunterricht erarbeitet, sondern in Interaktion mit dem mitarbeitsfreudigen Publikum. Als Voice-Training steigt das Publikum als Echochor bereitwillig auf die „Komm Sing Mit“-Übungen im klassischen Mercury-Stil ein.

 

Wer bis jetzt geglaubt hat, dass Posen eine Stadt in Polen ist, der wird in diesem Kurs eines besseren belehrt. „Posen“ bedeute viel mehr, die „Vorzüge des eigenen Körpers“ bestmöglich zu präsentieren, dazu darf auch schon mal eine typische „Falte“ im Schritt zählen. Das Posen muss mit größtmöglichem Gestus und Pathos bis in die letzte Haarspitze passen, um authentisch rüberzukommen. Natürlich gehört da auch die „Arbeit“ mit dem Mikrofonständer dazu, welcher dann schon mal als Luftgitarre oder Phallussymbol herhalten muss. Austrofred beherrscht das Posen perfekt. Wohlgemerkt, bei ihm bleibt es nicht beim Abziehbild eines „Rockkünstlers“, erst das Stilmittel der Übertreibung führt zum (Lach)erfolg beim Publikum.

 

Die Unterrichtsmedien sind vielfältig: Mithilfe eines Diavortrags lernen wir, zu unterscheiden zwischen den modischen Katastrophen von so manchem Austropoper (z.B. „Ambros im Lagerhaus-Outfit“) und den „zeitlos“ coolen Bühnenoutfits der Stilikone Freddie Mercury. Austrofred trägt an diesem Abend im Übrigen eine knallgelbe Jacke, die in ihrer Farbe eher an eine Warnweste erinnert. Mittels Tortendiagramm auf dem Flipchart zeigt er die Kehrseiten des Rockbusiness auf: Merchandising und Live-Auftritte machen den Großteil des finanziellen Kuchens aus, Tonträger sind nur mehr ein unbedeutendes Tortenschnittchen.

 

Am Ende der Unterrichtseinheit wir dann sogar zur Kursleiterbeurteilung eine Publikumsvertreterin auf die Bühne gebeten. Mit manipulativen Fragen und manipulierten Antworten nimmt Austrofred im Vorbeigehen auch die Lehrerevaluiererei aufs Korn.

 

Eine wesentliche Frage lässt allerdings Franz Adrian Wenzls Kunstfigur unbeantwortet: Was braucht es, um als weiblicher Rockstar zu reüssieren?! Um diese Frage zu beantworten, ist der Austrofred zu sehr Macho. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Bescheidenheit ist nicht seine Zier, bezeichnet er sich doch als „einziger österreichischer Rockstar von internationalem Format“. Die an Selbstüberschätzung grenzende Selbstsicherheit, der Sprachductus und der oberösterreichische Dialekt erinnern stellenweise an einen Landsmann, welcher durch Größenwahn ein ganzes Bundesland in den finanziellen Ruin geführt hat. Bei Austrofred jedoch ist diese Überheblichkeit natürlich nur ironisierend gemeint, sein steyrischer Dialekt hat Charme, und er wirkt durchaus geerdet, wenn er den Bühnenschweiß als „Zaubersalz“ bezeichnet, welches die Magie des Rockstars erst ausmache. Im Übrigen habe ich sowieso den Verdacht, dass die Austrofred Academy als positives Beispiel für die Beschäftigungsoffensive der Bundesre(a)gierung gegen die horrende Arbeitslosigkeit gedacht ist …

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

Austrofred

 

Theater Rabenhof